Frauenfußball

Die Dallmanns aus Essen: Eine Familie mit Schuss

Drei Schwestern, zwei Vereine: Jule (l.) und Linda Dallmann (r.) spielen für Essen, Pauline spielt für Gladbach.

Drei Schwestern, zwei Vereine: Jule (l.) und Linda Dallmann (r.) spielen für Essen, Pauline spielt für Gladbach.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Essen.  Jule und Linda Dallmann treffen Sonntag mit Essen in der Frauenfußball-Bundesliga auf Gladbach – und Schwester Pauline.

Als sie die heimische Hecke kaputtgeschossen hatten, mussten sie in Omas Garten ausweichen. Das ist nun fast 15 Jahre her, die Hecken sind längst den Toren gewichen, die auf den Plätzen der Frauenfußball-Bundesliga dieser Republik stehen. Zusammen wie einst im Garten haben Linda, Jule und Pauline Dallmann zwar noch nie in einem Seniorinnenteam gespielt, gemeinsam auf dem Platz werden die drei Schwestern aber wohl am Sonntag stehen. Dann empfängt die SGS Essen in der Bundesliga Borussia Mönchengladbach (14 Uhr).

Wiedersehensfreude auf dem Trainingsplatz

Es ist ein sonniger Tag Ende April: Auf dem Trainingsgelände des Fußball-Bundesligisten SGS Essen wird eine Familienzusammenkunft gefeiert. Linda (24) und Jule Dallmann (21) tragen das rote Trikot der SGS, Pauline (21) kommt im weiß-grünen Trikot der Borussia. Dallmann steht auf den Rückseiten aller Shirts. Die drei jungen Frauen lächeln und umarmen sich vor dem Gespräch mit dieser Zeitung. Die Schwestern haben sich länger nicht gesehen, die Wiedersehensfreude ist groß. So groß wie die Favoritenrolle der SGS gegen Mönchengladbach am Sonntag. Essen kämpft noch um den dritten Platz, Tabellenschlusslicht Borussia steht längst als Absteiger fest.

Spiel mit Seltenheitswert

Trotzdem: Für Familie Dallmann ist dieses Spiel etwas Besonderes, denn allzu oft kam es bisher nicht vor, dass die Drei gemeinsam auf dem Platz standen. Linda und Jule, die beiden kreativen Offensivspielerinnen, und Pauline, die beinharte Verteidigerin. „Vor zwei Jahren haben wir das einmal erlebt, als Jule und ich noch gemeinsam mit Gladbach gegen Essen gespielt haben“, erinnert sich Pauline. Kurioser ist allerdings, dass selbst Linda und Jule noch kein gemeinsames Bundesligaspiel für Essen absolviert haben. Seit einem Jahr spielen die Schwestern beim selben Klub, es reichte wegen eines Bänderrisses von Linda bisher aber nur zu einem gemeinsamen Vorbereitungsspiel. „Dabei war es immer mein Wunsch, gemeinsam mit meinen Schwestern in der Bundesliga zu spielen“, sagt Linda. Es ist ein Wunsch, der wohl so schnell nicht in Erfüllung gehen wird. Linda ist Nationalspielerin, wechselt im Sommer zum FC Bayern München, der zweiten Großmacht im deutschen Frauenfußball hinter dem VfL Wolfsburg. Die Zwillinge Jule und Pauline dagegen haben ihren Jobs den Vorzug gegeben: Jule arbeitet als Produktdesignerin, Pauline absolviert eine Ausbildung bei der Polizei. „Schade“, sagt Linda, „dann genießen wir es am Sonntag noch einmal, wenigstens gegeneinander zu spielen.“

SGS mit Torfrau-Mangel

Das Team aus dem Essener Stadtteil Schönebeck ist seit 13 Spielen ungeschlagen, fünf Spielerinnen könnten es in den deutschen Kader bei der Weltmeisterschaft im Juni schaffen. „Wir haben bisher eine tolle Saison gespielt, trotz vieler personeller Ausfälle“, sagt Linda Dallmann. Probleme gibt es vor allem auf der Torhüterposition, der Verschleiß ist groß: Vier (!) Torfrauen sind derzeit verletzt. Linda Dallmann: „Der dritte Platz wäre deshalb ein tolles Ergebnis.“

Für Pauline Dallmann zählt alleine das große Wiedersehen. „Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich die beiden nicht vermisse“, sagt die 21-Jährige. Schließlich schweißte der Fußball auch die Schwestern in ihrer Kindheit noch enger zusammen. Damals hatten sie im heimischen Hünxe noch auf der Straße und in diversen Gärten der Familie gespielt, auch die vier älteren Brüder Jan, Nick, Florian und Max waren am Ball. „Wir wussten uns gegen die Jungs schon zu wehren“, sagt Jule Dallmann augenzwinkernd.

Turbulente Jugendtage

Wenn die Geschwister nun zusammenkommen, ist Fußball nicht mehr das bestimmende Thema, so wie es früher der Fall war, als die gesamte Familie noch in Fußballvereinen spielte. „Mittlerweile reden wir auch viel über andere Dinge, gerade weil wir nicht mehr zusammenwohnen und uns nicht mehr so oft sehen wie früher“, sagt Jule Dallmann. Vergessen werden sie die turbulenten Jugendtage allerdings nicht. „Unsere Eltern haben viel investiert“, sagt Pauline Dallmann. „Bei sieben Kindern kennen sie jeden Fußballplatz in der Umgebung.“

Sonntag müssen Vater Peter und Mutter Beate nur zu einem kommen. Zum Stadion an der Hafenstraße.

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