Pokal-Finale

Freiburg setzt gegen Wolfsburg auf Außenseiterrolle

Freiburgs Clara Schöne mit der DFB-Pokal-Trophäe.

Freiburgs Clara Schöne mit der DFB-Pokal-Trophäe.

Foto: dpa

Köln  "Kaputte Steinschleuder" - im Pokalfinale der Frauen gilt der SC Freiburg bei seiner ersten Endspielteilnahme als großer Außenseiter. Dennoch dürfte der insgesamt sechste Pokalsieg für die erfolgsverwöhnten Wolfsburgerinnen kein Selbstläufer werden.

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Vor dem DFB-Pokalfinale der Frauen bemüht Freiburgs Trainer Jens Scheuer einen altbekannten Vergleich, bereichert ihn aber um eine schöne Variante:

"Die Rollen sind verteilt" sagte der SC-Coach vor dem Endspiel am Mittwoch (17.15 Uhr/ARD) in Köln gegen den Topfavoriten und Titelverteidiger VfL Wolfsburg: "Es ist wie David gegen Goliath, und David noch mit einer kaputten Steinschleuder."

Damit spielte der 40 Jahre alte Scheuer, der zur neuen Saison als Trainer zum Bundesliga-Rivalen Bayern München wechselt, auf die schwierige Personalsituation an. Gleich eines halbes Dutzend seiner Spielerinnen werden das Fußball-Highlight im RheinEnergieStadion verpassen. Fraglich bei den Breisgauerinnen ist auch der Einsatz von Nationaltorhüterin Merle Frohms wegen eines Kapselrisses am Finger.

Gleichwohl ist Scheuer optimistisch, den fast ausschließlich mit Nationalspielerinnen besetzten Serien-Cupsieger aus Niedersachsen zu bezwingen. "Ich will nicht jammern. Mir tut es nur im Herzen Leid für die Mädels. Für mich spielt es keine Rolle, ob eine 16-Jährige oder 30-Jährige aufläuft. Wir werden alles in die Waagschale werfen."

Mit Vorfreude blickt die ebenfalls leicht angeschlagene SC- Spielführerin Clara Schöne der Partie entgegen. Obwohl die 25- Jährige, die 2012 in Köln mit dem FC Bayern durch einen 2:0-Sieg gegen den 1. FFC Frankfurt bereits die Trophäe gewann, das Gefühl eines Auftritts vor erwarteten 15.000 Zuschauern kennt, ist sie wie elektrisiert. "Das ist schon etwas ganz Besonderes", sagte die Offensivspielerin. Bereits bei der Besichtigung des leeren Stadions vor dem Pressegespräch und dem Abschlusstraining am Dienstag habe sie ein heftiges "Kribbeln" befallen. Schöne gibt sich selbstbewusst: "Damals gegen Frankfurt waren wir auch klarer Außenseiter."

Wie Scheuer erwartet Wolfsburgs Coach Stephan Lerch ein "tolles und attraktives" Endspiel der beiden offensiv ausgerichteten Teams. "Wir nehmen die Favoritenrolle an", sagte der 34-Jährige. "Wir kennen diese Rolle ja und können gut damit umgehen." Die Wolfsburgerinnen könnten schon ihren insgesamt sechsten Pokalsieg feiern, den fünften in Serie - so viele Cup-Erfolge hintereinander gelangen bisher nur dem Rekordsieger Frankfurt (neun Titel) von 1999 bis 2003.

Ein Motivationsproblem sieht VfL-Spielführerin Nilla Fischer, die nach der Saison in ihre schwedische Heimat zurückkehrt, trotz ihrer zahleichen Triumphe nicht. Den bevorstehenden Abschied aus Wolfsburg nach sechs erfolgreichen Jahren will sie mit einem weiteren Titel versüßen: "Ich versuche, mich auf Fußball zu konzentrieren und alles noch einmal zu genießen", erklärte die 34 Jahre alte Abwehrchefin.

Für das 39. Frauen-Pokalfinale sind laut DFB rund 14.000 Eintrittskarten verkauft. Auf der Gästeliste ganz oben steht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der die Siegerehrung vornehmen wird. Natürlich nutzt Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg eine der letzten Gelegenheiten vor der der Weltmeisterschaft in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) und der Nominierung des Kaders am 15. Mai, einige ihrer WM-Kandidatinnen nochmals in Augenschein zu nehmen.

Ihr Vorgänger, Interimscoach Horst Hrubesch, lässt es sich nicht nehmen, den Silberpokal vor dem Anpfiff ins Stadion zu tragen. "Für mich ist es eine neue und ungewohnte Aufgabe, aber ich übernehme sie sehr gerne", meinte der 68-Jährige. "Ich freue mich, den Frauenfußball und speziell das Pokalfinale, das sich in Köln hervorragend entwickelt hat, auf diese Art unterstützen zu können."

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