Pokalfinale der Frauen

Leere Ränge in Köln: Das Zuschauerproblem des Frauenfußballs

Nur 17.000 Zuschauer sahen das Pokalfinale der Frauen in Köln.

Nur 17.000 Zuschauer sahen das Pokalfinale der Frauen in Köln.

Foto: Getty-Images

Köln  Während im Ausland Zuschauerrekorde im Frauenfußball gebrochen werden, bleiben beim Pokalfinale in Köln die Ränge leer. Ein Kommentar.

Der deutsche Frauenfußball hat ein Problem. Es ist kein spielerisches, denn das DFB-Pokalfinale zwischen dem VfL Wolfsburg und dem SC Freiburg war ein spannendes. Eines, das mit harten Zweikämpfen geführt wurde, völlig ohne Theatralik auskam und mit dem einen oder anderen spektakulären Torabschluss garniert war.

Das Problem liegt vielmehr in der Zahl, die den fünften Pokalsieg des VfL Wolfsburg in Folge mitverfolgte. 17.048 Zuschauer waren es im fast 50.000 Zuschauer fassenden Kölner Stadion. Das war zwar eine größere Kulisse als beim bisher geringsten Finalzuspruch 2013 (14.269 Zuschauer), aber weit von den 26.282 entfernt, die 2010 das erste eigenständige Frauen-Finale in Köln miterlebten.

Frauenfußball boomt im Ausland

Mit Fußballturnieren und allerlei Mitmach-Aktivitäten hatte der DFB am Mittwoch auf der Wiese vor dem Stadion für Familien-Feststimmung gesorgt, auch am Rahmenprogramm kann es also kaum gelegen haben. Warum aber in Spanien und Italien derzeit Zuschauerrekorde im Frauenfußball aufgestellt werden und selbst das letztjährige Pokalfinale in England über 45.000 Zuschauer angelockt hat, während das Interesse in Deutschland nachlässt? „Wenn ich eine Lösung hätte, würde ich sie präsentieren“, sagte Wolfsburgs Torhüterin Almuth Schult schulterzuckend.

Der Pokal hat ja nur wieder einmal verdeutlicht, dass der deutsche Frauenfußball generell an Zuschauern eingebüßt hat. Der Schnitt in der Bundesliga ist gering (etwas mehr als 800 Zuschauer), beim jüngsten Länderspiel in Paderborn kamen nur etwas mehr als 4000 Zuschauer - im WM-Jahr!

Schult nannte einige Gründe, woran es liegen könnte: An fehlender Werbung, an ungünstigen Anstoßzeiten. Immerhin, das Fernsehen ist bei Länderspielen dabei, sorgt aber eben auch für jene frühen Spielstarts, die Jugendliche und viele arbeitende Fans nicht pünktlich ins Stadion lassen. Aber selbst bei der WM, der größten Bühne für den Frauenfußball, müssen Schult & Co. einen Dämpfer hinnehmen. Ihr erstes WM-Spiel am 8. Juni gegen China wurde vom Abend auf den Nachmittag verlegt. Denn abends spielen die deutschen Männer ihr EM-Qualifikationsspiel gegen Weißrussland. „Für uns ist das unfassbar“, findet Schult.

Recht hat sie. Die Probleme gibt es nicht nur auf dem unteren Levels Bundesliga und DFB. Selbst die obersten Verbände Fifa und Uefa schaffen es anscheinend nicht, dem Frauenfußball die dringend benötigte Bühne zu überlassen.

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