Borussia Mönchengladbach

Heckings schwieriger Auftrag in Mönchengladbach

Muss Borussia Mönchengladbach verlassen: Trainer Dieter Hecking.

Muss Borussia Mönchengladbach verlassen: Trainer Dieter Hecking.

Foto: dpa

Mönchengladbach.  Gladbachs Trainer beginnt seine Abschiedstour gegen Bremen. Er ist weiterhin enttäuscht, soll die Borussia aber noch in die Königsklasse führen.

Mittlerweile vier Nächte hatte Dieter Hecking in dem Wissen verbracht, nach dieser Bundesliga-Saison nicht mehr Trainer in Gladbach zu sein, die Verarbeitung der Nachricht dauerte Freitagmittag aber noch an. Da sprach der 54-Jährige über den Start in seine sieben Partien umfassende Abschiedstour vom Rautenklub, am Sonntag gegen Bremen (18 Uhr/Sky). Und er äußerte sich erneut über die unerfreuliche Botschaft, die ihm Sportdirektor Max Eberl am Montagabend überbracht hatte. „Die Enttäuschung ist nach wie vor da. Aber ich bin Profi genug, das abzuschütteln“, sagte Hecking, dann erteilte er sich selbst den herausfordernden Auftrag: „Ich muss meine Enttäuschung von der Aufgabe trennen.“

Gedrängel um internationale Plätze

Die Aufgabe lautet, in der bis Anfang Februar noch so erfolgreichen Saison nach zwei schauerlichen Monaten endlich wieder die Kurve zu kriegen. Das fast sicher geglaubte Billet in die Champions League musste die Borussia am letzten Wochenende schon mal bis auf Weiteres an Frankfurt abtreten.

Im Gedrängel um die übrigen internationalen Plätze drücken zwei Mannschaften von unten besonders vehement: Der aktuelle Gegner Werder, derzeit fünf Punkte hinter den Niederrheinischen. Und Hoffenheim, momentan sechs Zähler zurück und am 4. Mai ebenfalls im Borussia-Park zu Gast. Dort, wo sich der kontinuierliche Abschwung von Heckings Ensemble zuletzt besonders hartnäckig manifestierte.

An der Partie gegen Werder Bremen hängt einiges

An der schwierigen Partie gegen die offensivstarken, zudem frisch fürs Pokalhalbfinale qualifizierten Bremer hängt einiges – vor allem, wenn nach den unerfüllten Hoffnungen der zurückliegenden Wochen nun auch die Jetzt-erst-recht-Beteuerungen verpuffen. Dann droht Hecking als Bank-Chef zur „Lame Duck“ zu werden.

Die verbale Reaktion der Spieler fiel zunächst erwartungsgemäß offensiv aus. „Die Champions League ist unser Ziel. Wir wollen in den letzten sieben Spielen möglichst viele Punkte holen und noch einen Platz nach oben klettern“, betonte Lars Stindl. Vorsichtiger klang der Borussen-Kapitän bei der Möglichkeit, Team und Coach könnten im Schlussspurt hin zur beschlossenen Trennung zu einer unbezwingbaren Einheit werden: „Der Trainer hat hier zweieinhalb Jahre gute Arbeit geleistet. Vielleicht ist das nun ein kleiner Motivationsschub, um noch ein Stück zusammenzurücken.“

Nach Eberls Besuch am Montag überlegte Hecking kurzzeitig, die Brocken direkt hinzuschmeißen – ehe er sich noch vor dem Schlafengehen entschloss, bis zum Saisonende seine ganze Trainerkraft in das Erreichen des Europapokals zu investieren.

Am Freitag sagte er nun: „Die Mannschaft muss für mich nichts tun, sie will selbst nach Europa.“ Dass Marco Rose von RB Salzburg als Hecking-Nachfolger feststeht, wollte Sportchef Eberl derweil nicht bestätigen, erklärte aber, es gebe eine mündliche Einigung mit einem Kandidaten.

Als in Dortmund am 15. April 2015 das Ende der Ära Jürgen Klopp bei den Schwarzgelben verkündet wurde, steckte der heutige Gladbach-Profi Matthias Ginter noch im BVB-Trikot. „Das war eine ähnliche Situation wie jetzt hier. Damals war es so, dass uns das als Team zusammengeschweißt hat“, erzählt der Nationalspieler, der glaubt: „Von den Charakteren im Team wird das jetzt niemand einfach so laufen lassen.“

Kruse lobt individuelle Qualität

Derartige Einblicke ins Innenleben der Fohlenelf hat Max Kruse nicht, vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Klub erwähnte Bremens Kapitän lieber die „sehr hohe individuelle Qualität“ im Gladbacher Team. Angesichts der aktuellen Nöte des Wochenendgegners sagte der 31-Jährige nach dem Pokalsieg am Mittwoch auf Schalke aber auch: „Wir werden versuchen, in die Kerbe reinzutreten.“

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