Borussia Mönchengladbach

Wie Gladbach das schaffte, wovon Klubs wie Schalke träumen

Jubel im Borussia-Park nach dem 2:0 gegen Hertha BSC: Torschütze Breel Embolo (2. von links) feiert mit Matthias Ginter.

Jubel im Borussia-Park nach dem 2:0 gegen Hertha BSC: Torschütze Breel Embolo (2. von links) feiert mit Matthias Ginter.

Foto: AFP

Mönchengladbach.  Borussia Möchengladbach spielt wieder in der Champions League. Die bemerkenswerte Entwicklung des Klubs hat mehrere Gründe.

Marco Rose gönnte sich in den Minuten des großen Erfolgs auch einen Moment der Ruhe. Der Trainer von Borussia Mönchengladbach nahm auf der Bank Platz, lehnte sich entspannt zurück und trank ein kühles Bier. Wie seine Spieler trug er ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift: „Unzähmbar durch Europa“. Einige Fans veranstalteten in ihren Autos außerhalb des Borussia-Parks ein Hup-Konzert. Rose hob lächelnd beide Daumen in Richtung seiner Profis, die noch auf dem Rasen jubelten. Der 43-Jährige genoss die Gewissheit, dass er mit seiner Mannschaft etwas ganz Besonderes vollbracht hatte.

Gleich in seiner ersten Saison als Gladbach-Trainer führte er das Team in die Champions League. Nach dem 2:1 (1:0) gegen Hertha BSC belegt die Borussia mit 65 Punkten in der Abschlusstabelle den vierten Platz. Die Teilnahme an der Königsklasse ist der Lohn für eine ganz starke Saison des Teams, das sogar acht Spieltage lang an der Tabellenspitze stand. In den vergangenen neun Spielzeiten qualifizierte sich Gladbach sechsmal für einen internationalen Wettbewerb. Zum dritten Mal nach 2015 und 2016 gehört der Klub vom Niederrhein nun wieder zum Kreis der Champions-League-Teilnehmer. Sportdirektor Max Eberl sagt über Rose: „Er ist die Schlüsselfigur des Erfolgs.“

Gladbach kann Verluste durch Corona-Krise kompensieren

Sowohl sportlich als auch wirtschaftlich setzte Rose mit der Borussia – gerade in diesen Zeiten – einen Meilenstein. Durch das Erreichen des lukrativen Wettbewerbs nimmt Gladbach nun mindestens rund 20 Millionen Euro mehr ein als Klubs, die in der Europa League antreten. Dadurch ist das angehäufte Minus von rund 13 Millionen Euro, das andere Vereine immer noch belastet, kompensiert. „Wir können das Geld gut gebrauchen, um Löcher zu stopfen, die die Corona-Krise in unserem Verein gerissen hat“, erklärte Eberl. Der 46-Jährige will gemeinsam mit Rose aber auch versuchen, den Kader „quantitativ und qualitativ zu verstärken“. Eberl versprach zudem, dass er keine Leistungsträger abgeben werde. „Die Mannschaft ist jetzt ein Jahr lang gereift unter dem neuen Trainer.“

Gladbach vollzieht eine Entwicklung, von der andere Bundesliga-Klubs mit traditionsbedingten Ambitionen − wie Schalke 04 – derzeit nur träumen können. Daran hat Eberl, der seit 2008 Sportchef der Borussia ist, mit seinen Entscheidungen ganz maßgeblichen Anteil. Einen mutigen und unpopulären Schritt vollzog er Anfang April 2019 mit der beschlossenen Trennung von Trainer Dieter Hecking zum Saisonende. Gladbach hatte unter ihm eine herausragende Hinrunde gespielt, verpasste am Ende allerdings Platz vier und zog in die Europa League ein. Hecking musste gehen, damit Rose kommen konnte. Der Meistertrainer von RB Salzburg erwies sich als Volltreffer.

Erfolgreich mit Roses Spielstil

Der gebürtige Leipziger und frühere Profi des FSV Mainz 05 impfte dem über Jahre eher auf Ballbesitz-Fußball getrimmten Borussen-Kader seine Spielidee ein. Die Gladbacher begeisterten mit intensivem Gegenpressing, hoher Laufbereitschaft und schnellem Spiel zum Tor. Eberls Verpflichtungen von Stefan Lainer (27), Ramy Bensebaini (25), Marcus Thuram (22) und Breel Embolo (23) zahlten sich aus: Sie alle entwickelten sich in Gladbach zu Leistungsträgern. Rose formte seine Mannschaft zu einem Spitzenteam.

Beim Saisonabschluss gegen die Hertha hätte den Borussen auch ein Punkt gereicht, um die Champions League zu erreichen. Durch Tore von Jonas Hofmann (7.) und Embolo (78.) aber feierten sie in einem überlegen geführten Duell den 20. Saisonsieg. Vedad Ibisevic hatte erst in der 90. Minute verkürzt. Der Einzug in die Königsklasse sei „ein außergewöhnlicher Erfolg für den Verein“, sagte Rose. „Ich bin mächtig stolz auf die Jungs.“ Der Trainer vermisste jedoch die Zuschauer im Stadion: „Mit Fans wäre das hier explodiert.“ Das Gladbacher Team feierte den Erfolg am Abend in einem VIP-Raum im Borussia-Park – mit viel Bier und Schlagermusik.

Rose blickte nach dem Hertha-Spiel schon auf die neue Spielzeit. „Wir brauchen sofort wieder die nötige Demut“, forderte er. „Nächstes Jahr geht es wieder bei Null los. Wir wollen weiter an unserem Spiel arbeiten und viele Spiele gewinnen.“ Jetzt aber dürfen die Gladbacher erst einmal Urlaub machen. Auch Marco Rose hat sich diese Auszeit verdient.

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