Kommentar

Hat Ilkay Gündogan aus dem großen Eklat nichts gelernt?

Bundestrainer Joachim Löw gratuliert Ilkay Gündogan zu den beiden Toren.

Bundestrainer Joachim Löw gratuliert Ilkay Gündogan zu den beiden Toren.

Foto: Foto: Federico Gambarini / dpa

Tallinn.  Neuer Wirbel um zwei Nationalspieler: Ilkay Gündogan und Emre Can likten ein umstrittenes Foto türkischer Nationalspieler. Ein Kommentar.

Aufregung in Sozialen Netzwerken, in denen sich viele Nutzer gegenseitig hochschaukeln, bildet nicht immer die gesellschaftliche Stimmungslage ab. Da man aber weiß, welche Wirkung inzwischen von Facebook, Twitter und Instagram ausgeht, welche Wellen Posts, Kommentare und Likes auslösen können, sollte man grundsätzlich sein Gehirn einschalten, wenn man sich dort in sensiblen Bereichen bewegt.

Türkische Nationalspieler salutierten nach dem Sieg gegen Albanien. Auf dem Platz, auch in der Kabine. Der türkische Fußballverband verbreitete ein Foto davon und schrieb dazu, dass die Spieler „den Sieg den tapferen Soldaten und Märtyrern widmen“. Siegtorschütze Cenk Tosun postete: „Für unsere Nation. Vor allem für jene, die für unser Land ihr Leben riskieren.“

Bewusst oder gedankenlos? Jetzt ist das Thema in der Welt

Die Türkei führt Krieg gegen die Kurdenmiliz in Syrien. Und die Fußballer missbrauchen den Sport für nationalistische Gesten. Darum wird sich die Uefa kümmern, die politische Bekundungen untersagt.

Dass sich nun aber auch der DFB mit Folgen dieses Falles beschäftigen muss, hat er Ilkay Gündogan und Emre Can zu verdanken. Beide Nationalspieler sind in Deutschland geboren, beide haben türkische Wurzeln, beide versahen das Foto von Tosun mit einem Like. Und beide betonten hinterher, dass sie dies auf keinen Fall politisch gedeutet wissen wollten – sie zogen ihre Zustimmung zurück.

Zu spät. Das Thema ist in der Welt. Ob bewusst oder nur gedankenlos – sie haben mit ihrem Klick nun mal ein Statement abgegeben.

Gündogan und Can müssen sich über Kritik jetzt nicht wundern

Ausgerechnet Ilkay Gündogan – da fasst man sich doch an den Kopf. Hat er nichts gelernt aus dem Eklat um das gemeinsame Foto von Mesut Özil und ihm mit dem türkischen Präsidenten Erdogan im vergangenen Jahr? „Er ist ein Überzeugungstäter“, schreibt nun die „Welt“. Solche Deutungen, verbunden mit der Forderung, der DFB sollte überlegen, ob er einen solchen Spieler in seinen Reihen haben möchte, sind nicht verwunderlich. Gündogan und Can haben sie selbst zu verantworten.

Auch sportlich standen diese beiden am Sonntagabend im Mittelpunkt: der eine positiv, der andere negativ. Hätte es nicht gereicht, darüber diskutieren zu können? Dass Gündogan und Can dieses Fass aufgemacht haben, war überflüssig, ärgerlich und dumm.

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