MSV Duisburg

MSV Duisburg und die Lizenz: Eine Chronik des Zitterns

Gefragter und vielbeschäftigter Mann beim MSV Duisburg: Geschäftsführer Peter Mohnhaupt (l.).

Gefragter und vielbeschäftigter Mann beim MSV Duisburg: Geschäftsführer Peter Mohnhaupt (l.).

Foto: Tanja Pickartz / Funke Foto Services

Duisburg.  Der MSV Duisburg hat fristgerecht die Unterlagen für die Drittliga-Lizenz eingereicht. Dass die Fans der Zebras zittern müssen, ist nichts Neues.

Das große Zittern. Ein lästiges Anhängsel, das dem MSV Duisburg in diesem Jahrtausend hartnäckig die Treue hält. Wieder einmal müssen Fans, Spieler und Verantwortliche um die sportliche Zukunft bangen. Zwar reichte der Zweitliga-Absteiger die noch fehlenden Unterlagen für die Lizenzerteilung fristgerecht ein. Doch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird seine Entscheidung erst zu einem späteren Zeitpunkt mitteilen. Mitte Juni werden die Meidericher Gewissheit haben.

Damit wiederholten sich Bilder aus der jüngeren Vergangenheit. Schon häufiger musste das Umfeld des früheren Bundesligisten um das Überleben des Traditionsvereins bangen musste. Ein Überblick:

  • 2013: Lizenzverweigerung und Zwangsabstieg

Der vorläufige negative Höhepunkt bei den Meiderichern. In einer mehrstündigen Verhandlungen in einem Hotel in Frankfurt am Main erklärt Udo Steiner, Vorsitzender des Ständigen Schiedsgerichts der Deutschen Fußball Liga (DFL): „Der MSV Duisburg konnte dem Lizenzierungsausschuss nicht rechtzeitig eine ausreichende Liquidität für die kommende Spielzeit ausweisen.“ Die Zebras müssen nach 1986 abermals den Gang in die Drittklassigkeit antreten. Klub-Legende Bernard Dietz kommentiert: „Man kann absteigen, aber nicht so.“ Die Fan-Gemeinde hat sich derweil geschlossen hinter den Verein gestellt. Unter dem Motto „Streifen zeigen“ hat sich ein großes Solidaritäts-Bündnis gebildet, das mit diversen Aktionen gegen die drohende Lizenzverweigerung protestiert. Vergeblich.

  • 2014: Schuldenschnitt bedeutet vorläufige Rettung

Mit einer neu zusammengestellten Mannschaft belegt der MSV Duisburg unter Trainer Karsten Baumann, der Kosta Runjaic abgelöst hat, den siebten Platz in der 3. Liga. Auf eher negative sportliche Entwicklung folgte ein positives Signal der Gläubiger. Sie erließen den Meiderichern 80 Prozent – insgesamt rund zwölf Millionen Euro – der ausstehenden Schuldensumme. Ein wichtiger Schritt und ein deutliches Bekenntnis zum Verein. Aber: Die Gläubiger erlassen dem MSV die Schulden nicht ohne Weiteres. Die Klub-Verantwortlichen stellen Berechtigungsscheine aus, die im Falle von Gewinnen, die der MSV erwirtschaftet, zur Rückzahlung weiterer Beträge verpflichten.

  • 2015: Ein Jahr aufatmen

Aufatmen statt frenetischer Freude. Der MSV Duisburg steigt nach zwei Jahren Drittklassigkeit in die 2. Bundesliga auf. Damit ist klar, dass der Klub die Lieblings-Spielklasse der Insolvenzverwalter verlassen wird. Denn allein wegen der TV-Gelder brauchen die Duisburger die Zugehörigkeit zur zweithöchsten Liga dringend.

  • 2016: Würzburg schickt Duisburg wieder in Liga 3

Zusätzliche Chance oder verlängerte Qual? Der MSV, lange Zeit abgeschlagen auf einem Abstiegsplatz, rettet sich in die Relegation. Es droht der insgesamt dritte Abstieg in die 3. Liga, immerhin gibt es aber noch das Nachsitzen gegen die Würzburger Kickers. Doch Duisburg und sein höchstklassiger Fußball-Verein hoffen vergeblich darauf, dass sich alles noch zum Guten wendet. Die Franken gewinnen die Relegationsspiele mit 2:0 und 2:1 und bleiben somit in der 2. Liga. Der MSV muss hingegen wieder runter – und den Gürtel ganz, ganz eng schnallen.

  • 2017: Nach dem Aufstieg fehlt ein dicker Batzen

Zwei Tage nachdem der MSV Duisburg mit einem 3:0-Sieg bei Fortuna Köln den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga gesichert hat, enthüllt diese Redaktion: Dem Klub fehlt zum Erhalt der Lizenz noch eine Million Euro. Zwischen Bekanntwerden und Fristende liegen zwei Wochen. Während Duisburgs Fans ausgelassen feiern und die Mannschaft nach Gewinn der Drittliga-Meisterschaft auf Mallorca entspannt, tüfteln Geschäftsführer Peter Mohnhaupt und Präsident Ingo Wald an der Akquise neuer Gelder. Außerdem bitten die beiden Funktionäre die Gläubiger um noch mehr Geduld. Das Ergebnis: Der sportliche Erfolg war nicht umsonst, der MSV darf ins Fußball-Unterhaus aufsteigen.

  • 2018: Ein ganz normaler Zweitliga-Klub

Um zu verdeutlichen, wie sehr der MSV Duisburg in der Normalität angekommen ist – oder besser gesagt: dort einen Zwischenstopp einlegen durfte -, reicht das Zitieren eines Tweets, den die Verantwortlichen des damaligen Zweitligisten durch den virtuellen Äther schickten. „Übrigens, alle Bedingungen erfüllt: MSV-Lizenz für die Zweite Bundesliga ist da.“ Verglichen mit den Jahren zuvor und dem nun folgenden war die um den Klub empfundene Langeweile eine reine Wohltat. Denn Geschäftsführer Peter Mohnhaupt und sein Team hatten in der Saison zuvor ordentlich gearbeitet. Gut unterstützt von der Mannschaft, die die erste Zweitliga-Saison nach dem direkten Wiederaufstieg auf einem achtbaren siebten Tabellenplatz abgeschlossen hatte.

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