Braunschweig

MSV-Trainer Lieberknecht kehrt nach Braunschweig zurück

Freud: In Braunschweig trugen sie Torsten Lieberknecht auf den Händen. Im April 2014 feierte der heutiger MSV-Trainer mit der Eintracht den Aufstieg in die Bundesliga.

Freud: In Braunschweig trugen sie Torsten Lieberknecht auf den Händen. Im April 2014 feierte der heutiger MSV-Trainer mit der Eintracht den Aufstieg in die Bundesliga.

Foto: Andreas Gebert / dpa

Duisburg.  Der MSV Duisburg spielt am Sonntag bei Eintracht Braunschweig. Trainer Lieberknecht stand bei der Eintracht zehn Jahre in der Verantwortung.

Torsten Lieberknecht wird am Sonntag das Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße betreten. Natürlich – das gehört zum Job des Trainers des Fußball-Drittligisten MSV Duisburg, der um 13 Uhr auf Eintracht Braunschweig trifft. Schon in der letzten Saison hatte sich die Gelegenheit ergeben, das Stadion, in dem er zehn Jahre lang als Eintracht-Trainer Chef im Ring war, zu besuche. Doch er ging nicht hinein.

Torsten Lieberknecht erzählte am Freitag beim Pressegespräch die Geschichte. Sein Sohn Finn sei nach all den Jahren in Braunschweig immer noch Fan der Eintracht. Er wollte in der letzten Saison ein Spiel der Löwen sehen. Lieberknecht: „Ich habe ihn zum Stadion gefahren und nach dem Spiel wieder abgeholt. Hineingegangen bin ich nicht.“ Mittlerweile stehe Finn aber im MSV-Fanblock, wie der Vater versichert.

Aufstiege 2011 und 2014

Ein Denkmal haben sie Lieberknecht in Braunschweig zwar nicht gesetzt – das hat schon der Welfen-Herzog Heinrich der Löwe seit dem zwölften Jahrhundert – doch es gibt im deutschen Fußball nur wenige Trainer, die so eng mit einem Klub verwurzelt sind oder waren wie Torsten Lieberknecht mit der Eintracht. Zehn Jahre trug der gebürtige Pfälzer an der Seitenlinie die Verantwortung. Zuvor war er Spieler – und sogar ein Vorstandsamt nahm er wahr.

Er schaffte 2008 als Nachfolger von Benno Möhlmann mit der Eintracht aus fast aussichtsloser Lage die Qualifikation zur neuen 3. Liga. 2011 stieg Lieberknecht mit der Eintracht in die 2. Bundesliga auf. Der Verein schenkte dem Musik-Freak als Dank eine E-Gitarre. Drei Jahre später kam der Marshall-Verstärker hinzu: Lieberknecht führte die Eintracht in die 1. Bundesliga. Lieberknecht verweist gerne auf diese Zeit. Als Beleg dafür, dass er eine Mannschaft formen kann, dass er weiß, wie Aufstiege funktionieren.

Es ging nach oben – aber auch wieder nach unten. Nach nur einem Jahr stiegen die Löwen wieder ab. Später klopften die Braunschweiger noch einmal an die Türe zur Eliteklasse, scheiterten in der Relegation aber am VfL Wolfsburg. In der verrückten Zweitliga-Saison 2017/18 erwischte es die Eintracht. Erst am letzten Spieltag rutschte das Team auf einen Abstiegsplatz ab. Who-Chef Pete Townshend mag in vergleichbaren Situationen seine Gitarren zertrümmert haben, Lieberknechts Instrumente blieben heil. Aber verließ die Eintracht.

„Noch mutiger spielen“

Nach einer kurzen Auszeit war er bereit für eine neue Aufgabe. Im Oktober 2018 heuerte Torsten Lieberknecht bei den Zebras an. Es war bislang keine Erfolgsgeschichte: Den MSV konnte Lieberknecht nicht retten. Zwar leuchten immer noch die Augen, wenn er über die Braunschweiger Zeiten spricht, aber am Freitag stellte er heraus: „Der MSV ist meine Truppe.“

Mit dieser Truppe will Lieberknecht gegen die Braunschweiger, die mit drei Siegen in drei Spielen einen makellosen Saisonstart hinlegten, punkten. „Wir müssen noch mutiger als gegen Preußen Münster spielen“, fordert der Coach, der weiß, dass seine Mannschaft am Sonntag vermutlich noch mehr leisten muss, um ähnlich dominant aufzutreten wie beim 2:0-Erfolg über die Preußen am vergangenen Mittwoch.

Dass zum vierten Mal in Folge die selbe Startelf das Vertrauen erhalten wird, ist denkbar. Aber Lieberknecht will noch die Samstags-Einheit abwarten, um den Fitnessstand seines Personals zu überprüfen.

Verlaufen wird sich Lieberknecht am Sonntag im Eintracht-Stadion vermutlich nicht. Er weiß, wo die Gästekabine ist. Torsten Lieberknecht: „Beim Stadionumbau war ich hautnah dabei. Ich kenne mich aus.“ Und er fügt schmunzelnd hinzu: „Das Entmüdungsbecken, in dem früher Paul Breitner lag, gibt es nicht mehr.“

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