MSV-Analyse

Wie Trainer Gruev den MSV taktisch nach vorne brachte

Ilia Gruev.

Foto: firo

Ilia Gruev. Foto: firo

Sandhausen.  Mit einer taktischen Umstellung brachte Trainer Gruev den Zweitligisten auf Spur. Nun wird die einstige Schießbude der Liga sogar von gegnerischen Trainern gelobt.

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Ilia Gruev musste die Finger zur Hilfe nehmen. „Wann hatten wir vor zwei Jahren 16 Punkte auf dem Konto?“, fragte sich der Trainer des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg am Freitagabend nach dem 1:0-Sieg beim heimstarken SV Sandhausen. Der Dreier hatte das Konto des Neulings bereits am 13. Spieltag auf eben jene 16 Punkte geschraubt.

Nun schaute der 48-Jährige aus gegebenem Anlass zurück. Exakt am 2. November vor zwei Jahren hatte der Deutsch-Bulgare seinen Trainerjob beim Meidericher Spielverein angetreten. Damals hatte der MSV lediglich sechs Punkte auf dem Zweitliga-Konto. Gruev rechnete die weiteren Partien und Ergebnisse mit Hilfe beider Hände nach. Dann stand fest: „Nach dem 2:1-Sieg über Union Berlin hatten wir 18 Punkte.“ Das war am 12. März 2016 und am 23. Spieltag einer Saison, die erst die Rettung auf dem Relegationsrang und dann doch den Abstieg bescherte.

Seit vier Partien unbesiegt

Zum Jubiläum stehen die Zebras und ihr Trainer deutlich besser da. Die entspannte Lage vor der Länderspielpause verdankt Gruev nicht zuletzt seiner Anpassungsfähigkeit. Im passenden Moment nahm er eine konsequente Kurskorrektur vor. Der Aufsteiger hatte sich in der ersten Saisonphase als Spaßfabrik der Liga einen Namen gemacht. Bei den Zebras fielen die Tore wie die Blätter im Herbst. Hüben wie drüben. Allein in den vier Spielen bis zum 2. Oktober gab es 14 Gegentore (bei fünf geschossenen Treffern). Das Team holte jedoch nur einen Punkt. Gruev nutzte die damalige Länderspielpause, um sich in aller Stille vom Dortmunder-System des „alle Mann mutig voran“ zu verabschieden.

Gruev führte die defensive Ordnung aus dem Aufstiegsjahr wieder ein. Der Spaß hörte auf – dafür punktet die Mannschaft. Aus den vier Spielen seit dem Taktikwechsel holte der MSV acht Zähler. Dafür brauchte man lediglich drei eigene Tore (kassierte aber auch nur eins). „In der zweiten Halbzeit waren wir teilweise unsicher, haben diese Phase aber auch überstanden“, resümierte Torhüter Mark Flekken. „Letztendlich haben wir das Spiel etwas dreckig gewonnen, aber die Hauptsache ist, dass wir drei Punkte geholt haben.“

Was sich in Duisburg verändert hat, lässt sich gut aus den Reaktionen von Gruevs Kollegen während der Pressekonferenzen nach den Spielen heraushören. Friedhelm Funkel von Fortuna Düsseldorf lobte nach dem 3:1-Sieg seiner Mannschaft den MSV über den grünen Klee. Der Jubel fiel so ausschweifend aus, dass nicht ganz sicher war, für welches Team Funkels Herz gerade schlug. Nun gut, der Routinier konnte großherzig sein. Er hatte ja schließlich gewonnen.

Gegen Duisburg zu spielen, empfanden die Sandhäuser als extrem unlustig

Am Freitag nach dem 0:1 seiner Mannschaft beklagte Sandhausens Kenan Kocak dagegen eine „total unverdiente Niederlage“. Der Mann war sichtlich genervt und hatte kein gutes Wort für den MSV übrig. Man kann ihn verstehen: Die Spielverderber waren durch einen Linksschuss von Moritz Stoppelkamp nach acht Minuten in Führung gegangen. Den Rest der Zeit verbrachte der Gast damit, den heimstarken Sandhäusern den Zugang zum Strafraum möglichst nachhaltig zu verwehren. Klare Sache: Gegen Duisburg zu spielen, empfanden die Sandhäuser als extrem unlustig. Derweil lachte der MSV, und zwar am besten. Nämlich nach dem Schlusspfiff und dem vierten Auswärtssieg. Die Hausherren zählten die vergebenen Chancen – die Zebras die gewonnenen Punkte.

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