Frauenfußball

Neuer Optimismus: Fußballfrauen sind für die WM startklar

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg mit Linda Dallmann (r.).

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg mit Linda Dallmann (r.).

Foto: dpa

Harsewinkel.  Die verkorkste EM 2017 hat Deutschlands Frauen-Nationalmannschaft abgehakt. Bundestrainerin Voss-Tecklenburg vermittelt Vielseitigkeit.

Es ist ein Ort voller Geschichte, an dem sich die deutschen Frauen darauf vorbereiten, ein Stück Fußball-Geschichte zu schreiben. Das Teamhotel in Harsewinkel war einst ein Kloster, vor über 800 Jahren gegründet. Mit Abteigebäude, Kapelle und Fischteich. Der Deutsche Fußball-Bund um Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg dürfte sich aber weniger aus historischem Interesse für den insgesamt 180.000 Quadratmeter großen Hotelkomplex entschieden haben, sondern wegen der zwei dazugehörigen Fußballplätze. Schließlich waren die vergangenen Tage keine Bildungsreise, sondern die Vorbereitung auf ein sportliches Großereignis. Mit den Schlagworten „Fifa WM-Rasen“ bewirbt das Hotel die zum Areal gehörenden Spielfelder, auf denen die deutsche Nationalmannschaft die Grundlagen für eine erfolgreiche Weltmeisterschaft ab 7. Juni in Frankreich legen will. Mit einem dritten Titel würde Deutschland mit WM-Spitzenreiter USA gleichziehen.

DFB-Frauen treffen am Dienstag in Paderborn auf Japan

Martina Voss-Tecklenburg lächelt entspannt, als sie zur Pressekonferenz erscheint. Am Samstag hatte sie mit ihrem Team einen 2:1-Sieg in Schweden gefeiert, es war ein größtenteils überzeugender Auftritt. Voss-Tecklenburgs Bilanz, seit sie Ende November das Amt der Bundestrainerin übernahm: zwei Spiele, zwei Siege. Nicht gegen zweit- oder drittklassige Gegner, sondern gegen Frankreich (1:0) und eben Schweden. Zwei Teams, die zum Kreis der Titelanwärter 2019 zählen. Warum sollte man da nicht zufrieden lächeln? Zumal für die 51-Jährige nun ihr erstes Heimspiel als Bundestrainerin ansteht. Am Dienstag geht es in Paderborn gegen Japan (16 Uhr/ZDF).

„Viele Freunde und Verwandte werden als Zuschauer da sein“, sagt Martina Voss-Tecklenburg, gebürtige Duisburgerin und mittlerweile in Straelen beheimatet. Mehr Gedanken über die Kulisse will sie sich auch nicht machen, schließlich steht das Geschehen auf dem Platz im Vordergrund: Für das Spiel gegen Japan muss sie ihre Mannschaft anders einstellen als noch gegen die physisch robusten Französinnen und Schwedinnen. Der Vizeweltmeister ist quirlig, technisch versiert und ballsicher. „Die können den Ball halten, blitzschnelle Pässe spielen, bis der Gegner sich tot rennt. Da müssen wir geduldig auf Fehler warten und dann zuschlagen“, sagt Martina Voss-Tecklenburg.

Eine neue Zeitrechnung hat begonnen: Vergessen werden soll die verkorkste EM 2017 unter Bundestrainerin Steffi Jones und der ihre Karriere beendende desaströse She-Believes-Cup 2018. Trainer-Altmeister Horst Hrubesch hatte dem Team in den Folgemonaten schon eine offensivere Spielweise mit einem gehörigen Schub Selbstvertrauen verordnet, die Voss-Tecklenburg nun weiter forciert, außerdem fügt sie taktische Vielseitigkeit hinzu. Hinten eine Dreier- wie gegen Schweden statt der üblichen Viererkette? „Wenn es die Situation bei der WM erfordert, warum nicht?“, sagt die neue Bundestrainerin. Umgesetzt wird dies von einem jungen Team um Lina Magull (24) und Giulia Gwinn (19). Um Kapitänin Alexandra Popp (28). Um Taktgeberin Dzsenifer Marozsan (26), die zuletzt monatelang nach einer Lungenembolie außer Gefecht war, nun aber kämpferisch voranschreitet. Nicht zu vergessen: zwei Essenerinnen – Marina Hegering, die am Samstag mit 28 Jahren ihr Länderspieldebüt feierte, sowie die erst 17-jährige Lena Oberdorf.

Voss-Tecklenburg verkündet WM-Aufgebot am 14. Mai

Wer von den derzeit 33 Spielerinnen noch dabei ist, wenn Voss-Tecklenburg am 14. Mai ihr 23-köpfiges WM-Aufgebot bekannt gibt? „Es gibt ein Grundgerüst, aber einige Stellen sind noch offen“, sagt sie. Nur eines ist sicher: Heute geht es gegen Japan, am 30.Mai im letzten Test gegen Chile – und in 60 Tagen schließlich gegen China: WM-Start in Rennes.

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