Fußball

Nils Petersen: „Ich bin bereit für die Nationalelf“

Fußball-Profi Nils Petersen mit einem Fan in Freiburg

Fußball-Profi Nils Petersen mit einem Fan in Freiburg

Foto: dpa

Essen.  Torjäger Nils Petersen vom SC Freiburg hat die Weltmeisterschaft verpasst. Aber er greift wieder an. Und denkt auch schon an die ferne Zukunft

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Er könnte noch enttäuscht sein. Er könnte es bedauern, dass er nach der Berufung in das vorläufige Aufgebot der Nationalmannschaft dann doch nicht für die Weltmeisterschaft in Russland nominiert wurde. Aber so ist Nils Petersen nicht. Der Stürmer des SC Freiburg, der in der WM-Vorbereitung beim 1:2 in Österreich sein erstes Länderspiel bestritt, hat Lust auf mehr. Er ist 29 Jahre alt, für eine internationale Karriere bleibt ihm also nicht mehr allzu viel Zeit.

Herr Petersen, Sie sind hinter Toni Kroos zum zweitbesten Fußballer des Jahres gewählt worden. 475 befragte Journalisten können sich bei der Kicker-Umfrage doch nicht geirrt haben, oder?

Nils Petersen: (lacht) Ich hoffe nicht. Aber im Ernst: Ich habe die WM nicht mitgemacht und bin Stürmer beim SC Freiburg. Ich weiß die Wahl deshalb sehr zu schätzen. 15 Tore in der vergangenen Saison waren aber auch ein ziemlich gutes Argument.

Sie haben den ehemaligen Dortmunder Pierre-Emerick Aubame­yang an der Ranglistenspitze der besten Stürmer abgelöst. Das sollte Ihnen für die neue Saison viel Selbstvertrauen geben.

Petersen: Ich bin nicht so vermessen, mich nun in die Riege mit Kroos oder auch Aubameyang einzuordnen. In der WM-Vorbereitung konnte ich den Bundestrainer nicht überzeugen und musste nach Hause. Dabei hätte ich die WM in Russland natürlich gern gespielt.

Vielleicht wäre Deutschland mit Ihren Toren nicht in der Vorrunde gescheitert.

Petersen: (lacht) Es hängt meist nicht nur an einem Stürmer, wenn etwas schiefläuft. Ich war nach der Vorbereitung in Südtirol demütig und bin mit einer realistischen Selbsteinschätzung abgereist. Ich habe da nicht überzeugt. Und ich bin kein Träumer. Immerhin habe ich gegen Österreich mit 29 mein erstes Länderspiel gemacht, das ist nicht alltäglich.

Ist es in Ihrer Position als spielerischer Mittelstürmer, als guter Joker ein Vor- oder ein Nachteil, schon 29 zu sein?

Petersen: Schwer zu beantworten. Ich sage es mal so: Ich wäre bei all meiner Erfahrung gern etwas jünger, dann wäre die Chance auf mehr Länderspiele größer.

Vielleicht kommen noch einige hinzu. Haben sich nach den Rücktritten von Mario Gomez und Sandro Wagner Ihre Chancen verbessert, neben dem gesetzten Timo Werner bei Bundestrainer Joachim Löw eine gute Rolle zu spielen?

Petersen: Könnte man so sehen. Und ich bin auch bereit für die Nationalelf. Es hängt aber vieles davon ab, wie die WM aufgearbeitet wird. Wie die personelle Richtung für die neue Saison sein wird. Anfang September steht die Nations League an. Da wird man schon etwas klarer sehen. Ich bleibe meiner Linie treu: Ich rechne mit nichts. Tore für den Sport-Club sind mein Fokus, der Rest kommt dann schon von allein.

Kommt Freiburg über den Status eines Abstiegskandidaten hinaus?

Petersen: Wir sind zwar etwas besser aufgestellt als in der vergangenen Saison. Trotzdem wird es wieder schwer, drei Mannschaften in der Tabelle hinter sich zu lassen.

Wie viel Christian Streich steckt im Sport-Club?

Eine ganze Menge. Er ist der Star des Teams, auch wenn der Trainer das nicht gern hört. Er hat viele herausragende Spieler in jungen Jahren gefördert. Matthias Ginter zum Beispiel. Oder Maximilian Philipp.

Was zeichnet den Trainer aus?

Petersen: Er fordert viel, er lehrt viel, er reflektiert viel. Und er ist ein Typ Vaterfigur. Er sucht oft das Vier-Augen-Gespräch. Das sorgt bei den Spielern für Selbstvertrauen, in der Mannschaft für Zusammenhalt.

Haben Sie im vergangenen Jahr den Zusammenhalt ein wenig aufs Spiel gesetzt, als Sie in einem Interview gesagt haben, Sie würden als Fußballer seit zehn Jahren verblöden?

Petersen: (lacht) Das war zwar selbstkritisch, aber auch ironisch gemeint. Niemandem wird es ja verboten, ein Buch zu lesen, sich weiterzubilden. Ich wollte damit auch keine Welle lostreten und vielleicht nur ein wenig zur Selbstreflexion beitragen.

Diskussionen gab es aber schon?

Petersen: Na klar. Mit Humor, aber auch seriös. Ich beherrsche meine Arbeit im Strafraum wie ein Arbeiter an der Drehmaschine. Ich nehme auch vieles aus der täglichen Teamarbeit für meine Persönlichkeit mit. Mein Nachteil: Wenn ich zu alt für den Strafraum werde, kommen noch 30, 40 oder 50 Jahre normales Leben. Dann wird es spannend, auch wenn man durch seinen Verdienst im Fußball sicher einige Jährchen überbrücken könnte.

Denken Sie über die Zeit nach dem Fußball schon nach?

Petersen: Schon mal. Vielleicht rattern die Gedanken mit dem 30. Geburtstag stärker. Viele Kollegen können und wollen sich das „Danach“ nicht vorstellen. Fußball vereinnahmt einen schließlich sehr. Das kostet viel Kraft, auch im Kopf.

Würden Sie denn vom Fußball lassen und etwas anderes machen wollen, irgendwann?

Petersen: Ich stehe seit 25 Jahren auf dem Platz, zehn Jahre davon als Profi. Ich kann nicht ohne Grün sein. Ich würde bleiben, irgendwie. Weil ich das Business einfach liebe.

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