Kommentar

Outing beim Fußball: Das Beharren der Männerwelt

RB-Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann

RB-Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann

Foto: dpa

Essen.  Weshalb es wichtig ist, dass sich RB-Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann zum Thema Outing im Männer-Fußball äußert. Ein Kommentar.

Die Fußballwelt ist eine Männerdomäne. Sagt Julian Nagelsmann, Trainer von RB Leipzig. Und das stimmt. Noch immer. Das Geschehen auf Fußballplätzen, auf Tribünen und in Umkleidekabinen wird bis heute von der männlichen Sicht auf die Dinge geprägt. Und das ist, so viel männliche Selbstreflexion sei erlaubt, nicht gut.

Männliches Misstrauen am Fußballstammtisch

Der männliche Mainstream neigt im Rudel häufig noch immer zu allzu holzschnittartiger Vereinfachung. Differenzierung, das Eingestehen eigener Unzulänglichkeiten oder anderer vermeintlicher Schwächen wird am männlich dominierten Fußballstammtisch vom „Doppelpass“ im TV bis zur Eckkneipe ungebrochen mit Misstrauen beäugt. Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert und wichtig, dass Julian Nagelsmann, Trainer bei RB Leipzig, öffentlich dafür eintritt, dass sich schwule Fußballspieler outen sollten, um frei leben zu können. Damit meinte er eigentlich, dass sich kein Homosexueller überhaupt noch darüber Gedanken machen müssen soll, über sich zu sprechen.

Outing. Der Fußball hat noch einen weiten Weg vor sich

Dass Julian Nagelsmann sich bei dem Treffen eines schwul-lesbischen Fanklubs seines Vereins äußerte, zeigt den Fortschritt und das Beharrungsvermögen in der Männerwelt des Fußball zugleich. Es gibt – ganz selbstverständlich – schwul-lesbische Fanklubs bei Bundesligavereinen, und über Outing schwuler Fußball-Profis wird nur genau dort gesprochen.

Man ahnt, dass Julian Nagelsmann auf einem Treffen eines herkömmlichen Fanklubs deutlich weniger Beifall erhalten hätte. Und da liegt das Problem. Ohne es wirklich zu wissen, kann man sich mit wenig Fantasie ausmalen, welchen Reaktionen sich ein (aktiver) Fußball-Profi ausgesetzt sähe, sollte er sich outen. Der Fußball hat noch einen weiten Weg vor sich.

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