Kommentar

Darum hat der Wuppertaler SV sich verzockt

Die Ränge bei Spielen des Wuppertaler SV waren selten voll besetzt.

Die Ränge bei Spielen des Wuppertaler SV waren selten voll besetzt.

Foto: Getty

Wuppertal.  Der in Finanznot geratene Regionalligist hat viele Baustellen. Bei einem Liga-Konkurrenten könnte sich der WSV Einiges abschauen. Ein Kommentar.

Nach der SG Wattenscheid 09 hat es den nächsten Fußball-Traditionsklub in der Regionalliga West erwischt: Der Wuppertaler SV steht vor dem finanziellen Kollaps.

Im Januar 2017 hatten die WSV-Verantwortlichen unter der Führung von Lothar Stücker (Finanzen) und Manuel Bölstler (Sport) ein ambitioniertes Projekt vorgestellt: "WSV 2020". Spätestens nach der Saison 2019/20 sollte der Drittliga-Aufstieg an der Hubertusallee gefeiert werden. Noch besser, wenn es in der Serie 2018/19 gelingen würde.

Im vergangenen Sommer griff der WSV tief in die Tasche und verpflichtete routinierte, aber auch teure Spieler wie die drei Essener Dennis Malura, Kamil Bednarski oder Jan-Steffen Meier. Auch Jonas Erwig-Drüppel, der von der SG Wattenscheid 09 kam, gehört zu den Besserverdienern in Wuppertal. Die Konkurrenz machte große Augen. Aus der Liga war zu hören: "Wie kann sich der WSV diese ganzen Spieler leisten?" Vorher hatte Bölstler immer wieder betont, dass man einen der geringeren Etats in der Regionalliga West zur Verfügung hat. Die Antwort: Die Wuppertaler konnten sich die Spieler eigentlich nicht leisten! Der WSV hat alles auf eine Karte gesetzt, stellte einen von den Namen her starken Kader zusammen und verzockte sich letztendlich.

Zu wenig Zuschauer, Zahl der Sponsoren stagniert

Die Mannschaft sollte attraktiv und erfolgreich spielen, um die Leute ins Stadion am Zoo zu locken. Die Wuppertaler Wirtschaft sollte im Anschluss auf den Zug aufspringen. Die geplante Euphorie sollte die Unternehmen dazu bewegen, endlich richtig in den Verein zu investieren. Die Seifenblase platzte schnell. Es kamen nicht mehr als die 2500 bis 3000 Stammbesucher zum WSV, die Anzahl der Sponsoren stagnierte, die Marketingerlöse konnten ebenfalls nicht erhöht werden. Noch schlimmer: Der WSV musste in dieser Saison in Christian Britscho und Adrian Alipour schon zwei Trainer bezahlen.

Sportvorstand Manuel Bölstler, der gemeinsam mit Ex-Trainer Stefan Vollmerhausen den WSV zurück in die Regionalliga führte und die vergangene Saison sogar auf Platz drei abschloss, muss sich anhören, dass er einen zu teuren Kader zusammengestellt hat. Und das nicht nur zur dieser Saison. Wofür wurden Leute wie Sascha Schünemann, Daniel Hägler oder gar Torjäger Christopher Kramer aus den verschiedensten Regionen Deutschlands verpflichtet, wenn man sich diese Spieler eigentlich gar nicht leisten kann? Die Mannschaft klug zu verstärken, den Verein aber nicht gesund zu lassen - das geht anders.

Gegenmodell Rot-Weiß Oberhausen

Wie es besser geht, das zeigt Liga-Konkurrent Rot-Weiß Oberhausen. Der Etat der Oberhausener liegt wie der des WSV bei gut einer Million Euro. Die Oberhausener gehen aber bei Transfers kein Risiko und suchen nach Verstärkungen auch deutschlandweit - mit dem Unterschied, dass die Spieler finanziell erschwinglicher sind. Gute Beispiele sind Yassin Ben Balla, der durch ein Probetraining überzeugen konnte und vor Oberhausen in Frankreich spielte. Oder auch Shaibou Oubeyapwa, der aus Göttingen kam und ebenfalls als Testspieler überzeugte.

Während RWO für solche Spieler in Zukunft mit einer guten Ablösesumme liebäugeln kann, dürfen beim WSV alle Spieler im Winter gehen - ablösefrei. Weil der Verein in den letzten Monaten stark über seine Verhältnisse gelebt und kein gesundes Risiko eingegangen ist. Das Spiel mit dem Feuer des WSV-Vorstands hat den ehemaligen Bundesligisten vor gewaltige finanzielle Probleme geführt. Ausgang offen...

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