Fußball

Kein Torwart mehr? DFB plant Revolution im Kinderfußball

Alle auf einen Ball: Nach dem Willen des DFB soll es künftig anders aussehen.

Alle auf einen Ball: Nach dem Willen des DFB soll es künftig anders aussehen.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Essen.  Kein Torwart, nur drei Spieler pro Mannschaft: Der DFB plant neue Regeln. Das Ziel: mehr Spaß am Spiel – und endlich technisch bessere Talente.

Gundolf Walaschewski zeigt sich aufgeschlossen: „Ich finde das sehr interessant“, sagt der Präsident des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen im Gespräch mit dieser Zeitung. Es geht um die Pläne des Deutschen Fußball-Bunds, die nicht weniger als eine Revolution des Jugendfußballs bedeuten: Der DFB will die Mannschaften verkleinern, auf nur drei Spieler in der G-Jugend, die dann schrittweise auf die schon heute üblichen neun in der D-Jugend anwachsen sollen. Er will den Torwart in den ganz jungen Altersklassen abschaffen, er will die Spielklassen durch Turnierformate ersetzen, er will Mini-Tore und kleinere Bälle einführen. Kurz: Er will das Spiel im Nachwuchsbereich drastisch verändern.

Immer mehr junge Spieler hören auf

Die Gründe dafür liegen unter anderem in den Zahlen, die Walaschewski aus seinem Verband kennt, in dem mehr als 16.000 Mannschaften zwischen Bochum, Münster, Minden und Höxter versammelt sind: „Wir haben in unserem Verband im letzten Jahr 566 Jugendmannschaften verloren“, sagt er. Immer mehr junge Spieler verlieren die Lust am Fußball – und dem DFB entgehen immer mehr potenzielle Talente.

Und die braucht er dringend, das hat nicht nur das Vorrundenaus bei der Weltmeisterschaft im Sommer gezeigt. Auch die Nachwuchsmannschaften fallen zurück, in der Bundesliga kommen die aufregenden Talente eher aus Frankreich oder England als aus den eigenen Nachwuchsleistungszentren.

Schnelle, wendige Dribbler wie Leroy Sané, die aktuell den Fußball prägen, gibt es in Deutschland kaum. Und genau dort setzen die Vorschläge an, die eine Arbeitsgruppe im Verband ausgearbeitet hat. Zusätzlich zur Mannschaftsgröße soll die Wechselregel geändert werden, nach jedem Tor, spätestens nach zwei Minuten muss nach einem festen Rotationsprinzip getauscht werden. Zudem darf ein Verein mehrere Mannschaften pro Turnier anmelden. So soll sichergestellt werden, dass tatsächlich alle Kinder spielen. Und bei Dreiermannschaften werden auch auf dem Platz alle gleichermaßen gebraucht – niemand steht nur hinten und wartet darauf, den Ball wegzuschlagen.

„Ich empfinde das als gute Idee, weil die Kinder im Drei-gegen-Drei mehr Ballaktionen bekommen“, sagt Sandro Schwarz, Bundesliga-Trainer bei Mainz 05, im Kicker. „Durch die höhere Wiederholungszahl kann die Balltechnik noch besser geübt und verinnerlicht werden.“ Sein Hoffenheimer Kollege Julian Nagelsmann hält Drei-gegen-Drei sogar für „alternativlos“, wenn es darum geht, mehr technisch starke Individualisten auszubilden.

Der Sportwissenschaftler Matthias Lochmann, von dem viele der Ideen kommen, hat in einer Studie ermittelt, dass im Drei-gegen-Drei jeder Spieler auf mehr als doppelt so viele Ballkontakte und viermal so viele Schüsse kommt als im derzeit gängigen Sieben-gegen-Sieben. Und genau darum geht es: durch die vielen Aktionen technisch gute, auf engen Räumen ballsichere Fußballer auszubilden. Auf unterschiedliche Positionen, so sieht es der DFB, können sie sich später immer noch spezialisieren. Deswegen soll es in der G-Jugend auch keine Torhüter mehr geben, die kommen erst später hinzu.

In Westfalen ist man offen

„Einen Versuch ist es wert“, sagt Walaschewski. Aber bei der Umsetzung – wenn etwas neue, kleinere Tore gebraucht werden – dürften die Vereine nicht alleingelassen werden. „Als vor zwei Jahren die Jugendballgrößen einfach geändert wurden, mussten die Klubs plötzlich neue Bälle kaufen“, sagt er. „Deswegen ist es wichtig, dass im Vorfeld informiert wird. Und vielleicht auch zusätzliche Tore, die man durch die Reform benötigt, finanziert werden.“ Beim Fußballverband Niederrhein wollte man sich zu den Plänen auf Anfrage nicht äußern.

Noch ist es ohnehin nicht so weit: Am 21. Juni soll erst einmal das DFB-Präsidium die Regelungen beschließen. Für die Umsetzung sind dann die Landesverbände zuständig.

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