Regionalliga

Proteste: RWE-Chef Uhlig kann Unmut der Fans verstehen

RWE-Vorstand Marcus Uhlig.

RWE-Vorstand Marcus Uhlig.

Foto: Michael Gohl

Essen.  Regionalligist Rot-Weiss Essen beklagt Einnahmeverluste durch TV-Übertragungen. Sport 1 hält die Art der Proteste im Stadion für inakzeptabel.

Banner, Doppelhalter, laute Gesänge - der Rahmen für das Duell der beiden Fußball-Traditionsvereine Rot-Weiss Essen und SG Wattenscheid 09 an diesem Montagabend stimmte. Doch was auf den Bannern und Doppelhaltern geschrieben stand und was die Anhänger sangen, zeugte nicht von Vorfreude auf diese Partie. Die Fans machten einmal mehr ihrem Unmut über die Anstoßzeit am Montag um 20.15 Uhr und über den TV-Sender Sport, der die Partie live übertrug, Luft.

"Marktanteile pushen und uns in den Spieltag pfuschen", war zu lesen, "Montagsspiele? Abschaffen!" ebenfalls und natürlich "Scheiß Sport1", ein Spruch, der in der Vergangenheit immer wieder bei den Regionalliga-Übertragungen des Münchener Senders zu lesen und zu hören war. Der Unmut kommt nicht von ungefähr.

Fans beklagen Einnahmeverluste ihres Vereins

Es gibt einige Gründe, Fußball am Montagabend abzulehen. Die für viele Anhänger strapaziöse Anreise an einem Wochentag - insbesondere für Gästefans - steht an vorderster Stelle. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat bereits auf massive Proteste in der 1. und 2. Bundesliga reagiert und angekündigt, dass es ab der Saison 2021/22 keine Montagsspiele mehr in den beiden höchsten Spielklassen geben wird.

In der Regionalliga ist der Protest ebenso lautstark. Die Essener Fangruppen "Rude Fans", "Vandalz", "Loyal Squad" und "Junge Essener" haben vor dem Spiel gegen Wattenscheid ein Flugblatt verteilt, auf dem sie konkret die Nachteile kritisieren, die ihrem Verein durch eine TV-Übertragung entstehen. "Gerade mal rund 3000 Euro" würden die Vereine dafür erhalten. "Ihr könnt euch vorstellen, was unserem Verein bei der Verlegung der Spiele vom Wochenende auf einen Montag für Einnahmen flöten gehen, alleine am Bierstand", heißt es weiter.

Uhlig: Am liebsten alle Spiele am Freitagabend

Nach Informationen dieser Redaktion variiert die Summe, die Regionalligisten wie RWE, Rot-Weiß Oberhausen oder der SV Lippstadt für eine Übertragung pro Spiel erhalten, sie liegt im Schnitt allerdings tatsächlich im niedrigen vierstelligen Bereich.

RWE-Vorstand Marcus Uhlig erklärt auf Anfrage: "Über die Form des zum Ausdruck gebrachten Protests kann man sicherlich streiten. Ich kann den Unmut der Fans aber nachvollziehen. Es ist richtig, dass TV-Gelder in der Regionalliga als Einnahmequelle eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Es gibt keine statistischen Erhebungen, aber dass uns die TV-Übertragungen Zuschauer kosten, dürfte klar sein. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würden wir alle unsere Spiele am Freitagabend austragen, das ist eine Zeit, die auch bei unseren Fans gut ankommt."

Sport 1 will weiter Regionalligisten ins Rampenlicht bringen

Auch bei dem übertragenden TV-Sender Sport 1 hat man die Proteste registriert. Chefredakteur Dirc Seemann sagte auf Anfrage: "Der Protest, zumindest in dieser Ausdrucksform, ist inakzeptabel. Wir sind seit vielen Jahren Partner der Regionalligen und damit auch der Vereine und werden weiterhin daran arbeiten, den Regionalliga-Klubs mit unseren Liveübertragungen eine bestmögliche bundesweite Bühne zu geben. So haben wir das mit unseren Vertragspartnern, den Regionalverbänden, verabredet und so setzen wir das seit Jahren auch sehr erfolgreich um. Die Partie in Essen haben am Montagabend zum Beispiel bis zu 350.000 Zuschauer in der Spitze gesehen – so stehen die Regionalliga-Klubs zur besten Sendezeit in ganz Deutschland im Rampenlicht.“

In Hinblick auf mögliche Konsequenzen sagte er: „Wir werden wie in der Vergangenheit insbesondere auf die Klubs zugehen, über mögliche unterschiedlichen Standpunkte sprechen und unsere Partnerschaft mit nachvollziehbaren, überzeugenden Argumenten erklären. Zudem sind wir optimistisch, dass die Liveübertragungen weiterhin bei den Zuschauern deutschlandweit gut ankommen, also eine Werbung sind für die Regionalliga und ihre Vereine.“

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