Interview

Robben überholt Lippens: Das sagt die RWE-Legende

Willi Lippens.

Foto: firo

Willi Lippens. Foto: firo

Essen.  Willi Lippens war lange niederländischer Rekordtorschütze in der Bundesliga. Doch jetzt wurde er von Bayern-Spieler Arjen Robben überholt.

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Bayern-Star Arjen Robben hat am Samstag im Spitzenspiel beim 3:1-Sieg in Dortmund seinen 93. Bundesliga-Treffer erzielt. Eine ganz besondere Marke.

Denn durch dieses Tor ist der 33-Jährige nunmehr alleiniger niederländischer Rekordtorschütze in der Bundesliga. Der Münchner überholte damit Willi "Ente" Lippens, langjähriger Linksaußen bei Rot-Weiss Essen und Borussia Dortmund. Lippens erzielte in 242 Einsätzen 92 Tore (79 für RWE, 13 für BVB) für die Revierklubs in der höchsten deutschen Spielklasse.

Wir haben am Sonntag mit Lippens, der am 10. November 72 Jahre alt wird, gesprochen.

Herr Lippens, haben Sie am Samstagabend wahrgenommen, dass Arjen Robben sie an der Spitze des niederländischen Rekordtorschützen in der Bundesliga abgelöst hat?

Willi Lippens: Ich habe mir das Spiel der Dortmunder gegen die Bayern angeschaut, aber bei Robbens Treffer war mir das nicht bewusst. Später wurde mir das zugesteckt. Es musste ja irgendwann passieren. Der Rekord hat einige Jahrzehnte gehalten. Eins muss man doch sagen: Arjen hat für München diese Treffer erzielt. Ich will seine Leistung nicht schmälern, aber bei den Bayern werden dir schon viele Dinger aufgelegt, die du nur noch reinschieben musst. Bei RWE musste ich viel alleine machen und für die Tore ackern. Das sollte man nicht vergessen.

Neben Ihnen und Robben gehören Roy Makaay, Klaas-Jan Huntelaar und Rafael van der Vaart zu den erfolgreichsten Niederländern in der Bundesliga. Kann man einen dieser Spieler mit "Ente" Lippens vergleichen?

Willi Lippens: (lacht) Nein. Ich war schon sehr eigen. Ich hatte einen extravaganten Lauf- und Spielstil. Deshalb bin ich den Leuten doch wohl auch als einer der populärsten Nachkriegsfußballer in Deutschland in Erinnerung geblieben. Die "Ente" kann man nicht mit den Spielern von heute vergleichen.

Die oben genannten Akteure haben etliche Länderspiele für die Niederlande bestritten. Sie haben nur eine Partie für die Elftal absolviert. Warum?

Willi Lippens: Ich bin doch damals zu diesem Länderspiel mit großen Bauchschmerzen gefahren. Ich konnte die Sprache nicht perfekt und habe mich immer als Deutscher gefühlt. Um ehrlich zu sein, habe ich das nur für meinen Vater gemacht. Er war als patriotischer Niederländer auf die Deutschen nicht gut zu sprechen und wollte auch nicht, dass ich für Deutschland spiele. Wenn ich das gemacht hätte, dann weiß ich nicht, was Zuhause passiert wäre (lacht). Ihm zu Liebe habe ich das eine Länderspiel für die Niederlande bestritten.

Stichwort Niederlande: Dortmunds Trainer Peter Bosz kommt auch aus unserem Nachbarland und steht aktuell in der Kritik. Finden Sie diese gerechtfertigt?

Willi Lippens: Ich halte gar nichts davon! Es war doch schon immer so: Wenn es nicht läuft, dann verstecken sich die Spieler hinter dem Trainer. Das kann man auch auf das normale Leben übertragen. Denn wenn jemand in der Firma Mist baut, dann ist doch meistens nicht der Verursacher Schuld sondern der Chef. So sind leider die meisten Menschen gepolt. Was soll denn Peter Bosz machen? Er kann aus diesen hochbezahlten Profis keine besseren Fußballer machen. Die sind fertig. Seine Aufgabe ist es, die Jungs bei Laune zu halten, für Ordnung zu sorgen und das richtige Spielsystem zu finden. In den ersten Spielen hat das ja super geklappt, das kann ja nicht alles verkehrt gewesen sein.

Wo landet der BVB am Ende der Saison?

Willi Lippens: Auf jeden Fall hinter den Bayern. Denn sie sind jetzt im Fahrwasser und wenn das einmal der Fall ist, dann kann man die Münchner nicht mehr aufhalten.

Hat es Sie eigentlich verwundert, dass Jupp Heynckes mit 72 Jahren noch einmal auf die Bayern-Bank zurückgekehrt ist?

Willi Lippens: Ich werde am 10. November auch 72 und bin soweit fit. Ich habe es immer gesagt: Die 45er sind die Besten (lacht). Mal im Ernst: Ich finde es klasse, dass Jupp das noch einmal gemacht hat. Er bricht auch so etwas wie eine Lanze für uns alten Säcke. Wir sind nicht nur die Opas, die von gestern schwafeln - nein: Wir können auch noch in dieser Zeit seriös über Fußball diskutieren und in Jupps Fall, sogar einer schwächelnden Mannschaft wieder auf die Beine helfen.

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