Kommentar

Rödinghausen-Verzicht erhöht den Druck auf RWE und RWO

Sportlich hat sich der SV Rödinghausen wie in dieser Szene gegen Rot-Weiss Essen behaupten können.

Sportlich hat sich der SV Rödinghausen wie in dieser Szene gegen Rot-Weiss Essen behaupten können.

Foto: Thorsten Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen.  Regionalliga-Spitzenreiter Rödinghausen verzichtet auf die Lizenz für die 3. Liga. RWE und RWO sollten davon profitieren. Ein Kommentar.

Der SV Rödinghausen hat eine Entscheidung getroffen, die auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar ist. Mit viel Mühe und Geld hat der ostwestfälische Dorfverein eine starke Mannschaft aufgebaut, die in dieser Saison für Furore sorgt. Große Namen wie Rot-Weiß Oberhausen und Rot-Weiss Essen laufen dem SV Rödinghausen sportlich hinterher. Als aktueller Tabellenführer der Regionalliga West hat der SVR eine realistische Chance auf den Sprung in den Profifußball. Diese lässt der Klub nun aus freien Stücken verstreichen. Das darf man den Verantwortlichen nicht ankreiden, denn der DFB hat die Tür für kleine Klubs wie den SV Rödinghausen verriegelt.

Die Bedingungen für den Aufstieg in die 3. Liga sind für die Kleinen kaum noch zu erfüllen. Platz für mindestens 10.001 Zuschauer müssen die Stadien der Emporkömmlinge bieten. Auch eine Rasenheizung, ein TV Studio oder ein Stellplatz für die Übertragungswagen von mindestens 400 Quadratmetern lassen sich nicht bei vielen Viertligisten finden. Der DFB hat die Schere zwischen Profi- und Amateurfußball größer werden lassen. Klubs wie die SG Sonnenhof Großaspach sind die Seltenheit im Kreis der 55 Profivereine in Deutschland geworden. Das hilft den namhaften und finanzkräftigen Klubs, für die kleinen Vereine ist es ein Schlag ins Gesicht.

RWE erfüllt alle Voraussetzungen

Zu den Großen will künftig auch Rot-Weiss Essen wieder zählen. Der ehemalige Bundesligist erfüllt problemlos alle Voraussetzungen, die für die Teilnahme an der 3. Liga vonnöten sind. Einzig und allein sportlich läuft es seit Jahren nicht so, wie es sich die zahlreichen Fans des Traditionsklubs erhoffen. Auch Rot-Weiß Oberhausen und Alemannia Aachen gehören zu den Vereinen, die den Aufstieg stemmen könnten - auch wenn beide Vereine finanziell nicht so gut aufgestellt sind wie die Essener.

Dass der Kandidatenkreis in der Regionalliga vom DFB eingegrenzt wurde, erhöht den Druck auf Aachen, RWO und vor allem RWE. Mit ihrer professionellen Infrastruktur haben diese Vereine einen Wettbewerbsvorteil. Lange darf dem Umfeld in Essen und Oberhausen Fußball in der vierten Liga nicht mehr zugemutet werden. Wenn Konkurrenten wie Rödinghausen vom DFB ausgebremst werden, ist ein Scheitern nicht mehr zu entschuldigen.

Regionalliga präsentiert sich auf Kreisliga-Niveau

Auf der anderen Seite ist die Außendarstellung der Regionalliga West in dieser Saison beschämend. Durch den Rückzug der SG Wattenscheid 09 wurde das Tabellenbild entscheidend verändert. Nun verzichtet der Tabellenführer auf die Beantragung der Drittliga-Lizenz. Vor zwei Wochen gewann Rödinghausen in Essen. Es ist zu bezweifeln, dass die Mannschaft der Ostwestfalen nach diesem Schock gegen RWO und am letzten Spieltag gegen den SC Verl ähnlich engagiert auftreten wird. Auch das ist eine Form der Wettbewerbsverzerrung. Die höchste deutsche Amateurklasse präsentiert sich auf Kreisliga-Niveau.

Auf dem Weg in die 3. Liga haben Rot-Weiß Oberhausen und Rot-Weiss Essen einen starken Kontrahenten verloren. Auf eine sehr fragwürdige Art und Weise. Ein Ende dieses Theaters ist kaum abzusehen. Für RWO und RWE gibt es jetzt nur die Flucht nach vorne.

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