RWE

RWE bleibt nur noch die Rolle als Aufstiegs-Verderber

Aachen.   RWE verlor am Aachener Tivoli mit dem allerletzten Aufgebot verdient mit 0:2. Aber die Essener spielen noch Zünglein an der Waage im Titelkampf.

Eigentlich wollte es Trainer Karsten Neitzel vom Fußball-Regionalligisten Rot-Weiss Essen nach der verdienten 0:2-Niederlage auf dem Aachener Tivoli gar nicht ansprechen, es wird einem Trainer schnell als Alibi ausgelegt, aber dann musste es doch raus: „Der Substanzverlust ist einfach da, was uns zuletzt alles weggebrochen ist, das fangen wir nicht mehr auf.” So, das musste wohl mal gesagt werden.

In der Tat: Das, was bei Rot-Weiss im Verletztenstand ruht und nicht eingesetzt werden konnte, würde jedes Regionalligateam zieren: Bichler, Erwig-Drüppel, Scepanik, Wegner und kurzfristig auch wieder Freiberger, den nach den letzten Einsätzen nun muskuläre Probleme plagen; ausgerechnet alles Akteure, auf denen für die kommende Saison die Hoffnungen ruhen. Von den Langzeit-Ausfällen Harenbrock oder Jansen spricht schon niemand mehr.

RWE: Philipp Zeiger musste frühzeitig raus

Und als dann nach einer Viertelstunde bei herrlichem Fußballwetter Abwehrchef Philipp Zeiger einfach umfiel und seinen Oberschenkel bandagieren ließ, da wussten alle, was die Stunde geschlagen hat. „Mindestens ein Muskelfaserriss, wenn nicht noch schlimmer”, meinte Neitzel nachher kopfschüttelnd.

All dies erklärt natürlich nicht, dass RWE wieder einmal ganz früh in Rückstand geriet, als das Spiel noch gar nicht richtig begonnen hatte. Als Robin Garnier ziemlich ungehindert von der rechten Seite flanken durfte und in der Mitte Blendi Idrizi im Rücken der Rot-Weissen noch ungehinderter seinen Kopfball ansetzen konnte, war das erste Mal Hochstimmung im beeindruckend gefüllten Aachener Block, der vor der Partie eine tolle Choreographie („Es kommt nur darauf an, wie oft man einsteckt und trotzdem weitermacht”) über die Köpfe gezogen hatte. „Ganz ehrlich, ich kann diese Frage nicht seriös beantworten”, so Neitzel zu den Konzentrationsstörungen immer wieder zu Beginn einer Partie.

An der Motivation soll es nicht gelegen haben, da ist sich Kevin Grund sicher: „Kein Spiel ist einfach nach so einem Pokalaus, aber wir haben uns vorher fest vorgenommen, noch einmal hochzufahren, das ist uns in der zweiten Halbzeit auch besser gelungen als in der ersten. Wir haben wieder zu einfache Tore kassiert”, bemängelte er. Ziele, so der Routinier, seien noch genug vorhanden: „Wir waren Vierter vor dem Spiel, konnten sogar noch einen Platz klettern, dazu hier in Aachen in diesem tollen Stadion – das müsste für alle Motivation genug sein.”

Marcel Platzek hörte einen Pfiff

Duplizität zum Pokalaus: In der Phase, als Rot-Weiss das Spiel immer besser in den Griff bekam, ohne in der Box wirklich Gefährlichkeit auszustrahlen, kam der zweite Genickschlag: Stipe Batarilo, der kurz zuvor schon einmal abgefackelt hatte, worauf RWE-Keeper Heller die Kugel nach vorne abprallen lassen musste, machte es in der 32. Minute aus 18 Metern noch besser: Sein Schuss prallte vom Innenpfosten über die Linie. Das war dann wohl doch zu viel für die Moral der Gäste.

In der zweiten Halbzeit gab es ein „haben sich bemüht” ins Zwischenzeugnis. Kurioser Höhepunkt: Als Marcel Platzek, der immer noch weit von seiner sonstigen Torgefährlichkeit entfernt ist, sich endlich einmal von seinem Gegenspieler lösen konnte und aufs Tor zustrebte, blieb er einfach stehen und nahm protestierend den Ball in die Hand. Es ging mit Freistoß für Aachen weiter. Wegen Handspiels! „Er hat wohl einen Pfiff vernommen”, so Grund später. „Tinnitus”, scherzte der Trainer daraufhin.

Auswärtsspiele bei Viktoria Köln und RWO

So rutschten die Essener am Ende als Siebter wieder ins gehobene Mittelfeld zurück, für die kommende Aufgabe gegen die U23 von Borussia Dortmund gibt es beim Personal ein Lichtzeichen: Scepanik und Erwig-Drüppel könnten dann wieder dem Kader zur Verfügung stehen.

Und an Motivation sollten für die restlichen Spiele auch genug Anreize bestehen: RWE hat noch die beiden schweren Auswärtsspiele bei Viktoria Köln und in Oberhausen vor der Brust, die sich plötzlich wieder ein Aufstiegsrennen liefern. Und „Aufstiegs-Verderber” ist doch auch ein schöner Titel am Ende einer Saison.

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