Derby-Erinnerungen

Als bei RW Oberhausen die Malocherschicht ins Rollen kam

Die Oberhausener Spieler feiern vor zehn Jahren mit den Oberhausener Fans.

Foto: Kerstin Bögeholz

Die Oberhausener Spieler feiern vor zehn Jahren mit den Oberhausener Fans. Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Bevor es am Samstag für RWO nach Essen geht, blickt die Sportredaktion zurück: Vor zehn Jahren siegte RWO mit 4:1 an der Hafenstraße.

Es gibt Spiele, die sich in das Gedächtnis eines Fußball-Fans förmlich einbrennen. Man erinnert sich haargenau, wann und wie die Tore fielen. Man erinnert sich an das Gefühl, als die Spieler nach dem Schlusspfiff in die Kurve kamen und den Sieg ausgiebig feierten. Und selbst wenn man an diesem Tag nicht am Ort des Geschehens dabei war, fällt immer dieser eine Satz, wenn der eigene Club mal wieder auf den Gegner von damals trifft: „Weißt du noch damals, als wir...?“

Wenn am Samstag um 14 Uhr Rot-Weiß Oberhausen an der Hafenstraße gegen Rot-Weiß Essen antritt, werden wohl nicht wenige RWO-Fans genau dies sagen: „Weißt du noch damals, als wir bei den Essenern mit 4:1 gewonnen haben?“ Dieses „damals“ bezieht sich auf eine Partie, die mittlerweile genau zehn Jahre auf dem Buckel hat. Und dennoch hat der Sieg von damals für viele Fans heute noch eine genauso große Bedeutung wie am 28. Juli 2007, als das Spiel in Essen angepfiffen wurde.

Der Auftaktsieg zum späteren Aufstieg

Doch woran liegt es, dass bei all den Derbys der vergangenen Jahre ausgerechnet dieses Spiel einen so besonderen Platz in der Herzen der Kleeblatt-Fans hat? Die Tatsache, dass es als Auftaktsieg für den späteren Aufstieg in die zweite Liga gewertet werden kann? In der Nachbetrachtung hatte der Sieg in der Tat einen entscheidenden Wert für den späteren Aufstieg. Doch viele Fans haben vielleicht vergessen, dass im Anschluss RWO keinesfalls durch die Liga marschierte. Von den nächsten fünf Spielen gewann die Mannschaft von Trainer Hans-Günter Bruns keines, steckte sogar drei Pleiten ein.

Womöglich war es eher die Tatsache, dass RWO an diesem Nachmittag ein spielerisch, kämpferisch, aber auch taktisch eine erstklassige Leistung ablieferte. Eine Mannschaft, von der keiner wusste, wie sie sich in der Regionalliga schlagen würde. Schon gar nicht gegen die Teams, die deutlich bessere finanzielle Mittel zur Verfügung hatten. Und die vier erzielten Tore haben sicherlich nicht unwesentlich zur Bedeutung des Sieges beigetragen.

Markus Kaya mit seinem ersten Pflichtspieltor für RWO

Den Auftakt machte damals Mittelfeldstratege Markus Kaya, für den das 1:0 gleichzeitig sein erstes Pflichtspieltor für RWO war. Stürmer Julian Lüttmann legte dann in der 75. Minute nach, bevor David Müller per perfekten Freistoß aus 18 Metern in den Winkel die Nummer klar machte (78.). Nach dem Ehrentreffer für die Essener durch Michael Lorenz (89.), späterer Trainer von Arminia Klosterhardt, machte erneut Kaya per Elfmeter das 4:1 perfekt.

Wichtiger als die Höhe des Sieges war allerdings für die meisten Fans vielmehr, dass RWO überhaupt mal wieder beim Stadtrivalen aus Essen mit einem Sieg nach Hause fuhr. So etwas hatte es nämlich 44 Jahren zuvor nicht gegeben.

Auch das Rückspiel ging mit 1:0 an die Kleeblätter

Auch im Rückspiel verbuchte RWO einen Sieg gegen die Essener. Bei nicht enden wollenden Regenfällen machte am Ende das Tor von Lüttmann in der 54. Minute den Unterschied aus. Der erste Doppel-Derbyerfolg für die Oberhausener seit der Saison 1933/34 war damit perfekt. Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: RWO stieg am Ende der Saison sensationell zum zweiten Mal in Folge auf und feierte als neuer Zweitligist das sogenannte „Wunder von Bruns“. Rot-Weiss Essen hingegen verpasste am letzten Spieltag der Saison durch ein 0:1 gegen den VfB Lübeck den Einzug in die neu eingeführte Dritte Liga und wurde in die dann viertklassige Regionalliga zurückgestuft.

Das Spiel am Samstag wird es schwer haben, an diese Bedeutung heranzukommen. Egal, wie diese Spielzeit für RWO ausgehen mag. Aber natürlich wissen die Fans eines genau: Ein Duell gegen Essen ist niemals ein normales Fußballspiel. Womöglich hat ja auch die Partie am Samstag das Potenzial für: „Weißt du noch damals, als wir...?“ Die RWO-Fans dürften dies auf jeden Fall begrüßen. Und nicht nur die, die ein Herz für Nostalgie haben.

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