Niederrhein-Pokalfinale

RWO: Ein Abend, der lange in Erinnerung bleiben wird

Die RWO-Fans standen wie eine Eins hinter der Mannschaft.

Die RWO-Fans standen wie eine Eins hinter der Mannschaft.

Foto: Micha Korb

Oberhausen.  Das Pokal-Halbfinale zwischen Rot-Weiß Oberhausen und dem FSV Duisburg war ein Fest des Fußballs. Nichts für Trainer, aber dafür für Zuschauer.

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Es gibt Sätze, die man nicht näher beleuchten oder analysieren darf, die man trotzdem versteht – wenn man weiß, was gemeint ist. Mike Terranova sagte am Dienstagabend so einen: „Da geht es nicht um Leben und Tod, da geht es um mehr.“ Der Trainer des SC Rot-Weiß bezieht sich damit auf das Finale zwischen RWO und RWE am 21. Mai um den DerWesten-Niederrheinpokal, sein Satz ist die Abwandlung eines Ausspruchs von Bill Shankly, Trainerlegende des FC Liverpool.

Ein großes Wort also sprach Terranova da, und das Pathos passte zu einem Abend, passte schon deswegen, weil der anders erwartet worden war. Spielt ein Viertligist gegen einen Sechstligisten, ist das klare Ergebnis Formsache. Doch 5:4 lässt aufhorchen, und die Stationen dahin (2:0, 2:1, 4:1, 4:3, 5:3) vermitteln steigende Blutdruckwerte und rote Köpfe. Das Spielerische selbst kam etwas zu kurz dabei, es war der Spielverlauf, der die Dramatik des Geschehens besorgte.

Mike Terranova fühlt sich drei Jahr älter

„Ich bin drei Jahre älter geworden“, beteuerte Terranova mit Verweis nicht nur auf das Ende, sondern auch und vor allem auf das Auftreten einzelner seiner Schützlinge. Aufgebracht war er über den Platzverweis für Daniel Heber. Nicht weil er dessen Berechtigung anzweifelte, sondern weil es ausgerechnet Heber war, der mit dieser Aktion sein Team erneut in die Bredouille brachte. Heber war zuvor schon (mit dem von ihm eingeleiteten Eigentor als Höhepunkt) als ungewohnt häufige Fehlerquelle aufgetreten. Vor Wochenfrist hatte ihn Terranova als „Mr. Zuverlässig“ bezeichnet.

Das passt überhaupt nicht zu dem ansonsten so zuverlässigen und liebenswürdigen jungen Mann, der über die Saison eine echte Hingucker-Rolle gespielt hat. Seit Wechselgerüchte ihn umschwirren, verfällt sein Leistungsbild. Wie man das aufhalten kann, zeigte Tarik Kurt. Der war vor ein paar Wochen plötzlich hochgeschossen, wurde mit Lob überschüttet und prompt mit sämtlichen Klubs sämtlicher Ligen in Verbindung gebracht. Danach spielte er erstmal ganz besch... und fand sich auf dem Boden wieder. Aber er besann sich, überlegte und stellte seine Weiche: Vertragsverlängerung!

Dass er sich damit einen Gefallen tat, belegen die vier Tore vom Dienstagabend; dass er seinem Verein damit einen Gefallen getan hat, wird die Zukunft weisen. Für den Italiener Terranova steht übrigens fest: „Der Tarik ist echt ein Deutscher!“ Wieder so ein Satz von ihm, den man sofort versteht, wenn man weiß, was er meint.

Viele Unzulänglichkeiten im RWO-Spiel

Es gab fast serienweise Unzulänglichkeiten, Unachtsamkeiten, aber am Ende stand es 5:4. Und tags drauf sagt „Terra“ ganz richtig: „Hätten wir 8:1 oder 9:0 gewonnen, würde keiner mehr über das Spiel sprechen. Unsere Zuschauer nicht, wir nicht, niemand.“

So aber war es ein Match, das man nicht vergessen wird, weil es auch das zeigte, was die Angelegenheit mit dem Shankly-Satz angeht. Terranova interpretiert, dass „die Leute doch alle glücklich sind, ihre Sorgen vergessen haben, und wenn es nur für einen Abend ist.“ Genau: Wer glücklich ist, denkt weder ans Leben noch an den Tod. Und das kann auch der Fußball vermitteln – auf welchem Niveau auch immer.

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