RWE

Mill: "Für RWE kann es eine erfolgreiche Saison werden"

Pokalsieger mit dem BVB, Olympia-Bronze 1988 in Seoul, Weltmeister 1990 in Italien: Frank Mill.

Pokalsieger mit dem BVB, Olympia-Bronze 1988 in Seoul, Weltmeister 1990 in Italien: Frank Mill.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Essen.  Vor dem Derby in der Regionalliga zwischen Rot-Weiß Oberhausen und Rot-Weiss Essen am Sonntag haben wir mit RWE-Legende Frank Mill gesprochen.

Pokalsieger mit Borussia Dortmund, Olympia-Bronze 1988 in Seoul, Weltmeister 1990 in Italien — allerdings ohne Einsatz. Und: ehemaliger Bundesliga- und Zweitliga-Spieler von Rot-Weiss Essen. Frank Mill gehört zu den besten und bekanntesten Fußballern, die das Revier hervorgebracht hat. Der 61-Jährige, der in seiner Profi-Karriere 387 Bundesliga-Spiele für Rot-Weiss Essen, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und Fortuna Düsseldorf bestritt, fühlt sich den Rot-Weissen aus seiner Geburtsstadt Essen bis heute eng verbunden. Vor dem Regionalliga-Schlager zwischen Rot-Weiß Oberhausen und Rot-Weiss Essen am Sonntag (14 Uhr) sprachen wir mit dem Ex-Profi über den Stellenwert der Begegnung und die Chancen der Essener, in dieser Saison Besonderes zu erreichen.

Was kann das Derby zu diesem Zeitpunkt der Saison bei den Teams auslösen?

Frank Mill: Das ist schwierig zu sagen. Aber schauen Sie: Rot-Weiss Essen hatte den wichtigsten Auslöser schon am ersten Spieltag beim 2:1 gegen die U23 von Borussia Dortmund. Da haben sie in der Nachspielzeit das Siegtor geschossen. Das setzt Kräfte frei, danach schwimmst du auf einer Welle. Jetzt spielt Rot-Weiß gegen Rot-Weiss, zwischen den Stadien liegen zehn, zwölf Kilometer. Aus Sicht der beiden Vereine, vor allem aber aus Sicht der Fans ist das ein sehr interessantes Spiel, das hoffentlich viele Zuschauer sehen werden. 12.000 werden ja erwartet.

Sie haben für RWE gespielt — welchen Stellenwert hat die Begegnung für den Verein?

Mill: Werfen Sie mal einen Blick auf die Bundesliga: In der vergangenen Saison hat Schalke eine schlechte Saison gespielt, aber das Derby in Dortmund gewonnen und dem BVB so die Meisterschaft vermasselt. Danach war die Laune der Schalker natürlich deutlich besser, und es hat geholfen, die Saison besser zu verkraften. Das ist der Charakter, den so ein Derby ausmacht. Deshalb ist es auch ganz schwierig, ein Ergebnis zu tippen.

In den vergangenen Jahren schnitt Oberhausen in der Regionalliga häufig besser ab als Essen. Kann RWO den großen Rivalen in dieser Saison stoppen?

Mill: Natürlich, die Motivation ist ja da. Essen ist die größere Stadt, und der Kleinere will immer gegen den Größeren gewinnen. Aber für diese Saison sehe ich die Favoritenrolle bei RWE. Vorausgesetzt, die Spieler behalten die Mentalität bei, die sie in den ersten Spielen gezeigt haben.

Sind Sie als ehemaliger Essener in diesem Jahr optimistischer?

Mill: Nun ja, in den vergangenen Jahren sind die Rot-Weissen immer ganz gut gestartet, hatten dann aber einen Einbruch und sind im Mittelfeld gelandet.

Erwarten Sie diesen Einbruch auch in dieser Saison?

Mill: Ich denke nicht, dass es so laufen wird wie in den vergangenen Jahren. RWE hat einen guten Trainer (Christian Titz, Anm.d.Red.), der viel verändert hat. Es kann eine erfolgreiche Saison werden, wenn im Verein alle an einem Strang ziehen. Im Moment sieht es so aus, als täten sie das.

Ist RWE schon jetzt als Spitzenmannschaft auszumachen?

Mill: Nein

Warum nicht?

Mill: Das kann man erst nach zehn, zwölf Spieltagen sagen. Viele Mannschaften starten gut in die Saison, aber später trennt sich die Spreu vom Weizen. Was man an der Hafenstraße vielleicht nicht gern hört: Rot-Weiss hatte in den ersten Spielen auch ein bisschen Glück. Aber gut, auch das muss man erzwingen.

Jörn Nowak hat schon als Sportlicher Leiter der Kleeblätter viel bewegt. Wie bewerten Sie seine aktuelle Arbeit an der Hafenstraße?

Mill: Der Mann scheint Ahnung von seinem Job zu haben. Mit seiner Personalpolitik hat er richtig gelegen. Auch mit seiner Entscheidung, Christian Titz als Trainer nach Essen zu holen. Wichtig war natürlich auch, dass ein Unternehmer kam und eine größere Summe investiert hat. Das hat Rot-Weiss bei den Transfers sehr geholfen.

Steigern solche besonderen Wechsel die Motivation beim Gegner?

Mill: Vor dem Spiel kann das sein, ja. Er geht von Oberhausen nach Essen, und jetzt ist er der Böse. Aber im Spiel wird wohl niemand mehr daran denken.

Angenommen, die Saison verläuft so, wie sich alle RWE-Fans das wünschen: Dann stünde im Falle des Gewinns der Meisterschaft die Relegation gegen den Meister der Regionalliga Nordost an. Was halten Sie davon?

Mill: Ich finde es ziemlich bescheiden, um ehrlich zu sein. Du spielst eine starke Saison, und dann musst du dich noch zweimal beweisen.

In der Regionalliga gibt es an diesem Wochenende noch ein zweites großes Thema neben dem Derby. Am Freitag wurde bekannt, dass die SG Wattenscheid 09 Insolvenzantrag gestellt hat. Wie nah geht Ihnen das als Kind des Ruhrgebiets?

Mill: Sehr, da gab es ja bekanntlich immer die beste Bratwurst. Aber Spaß beiseite: Mir geht es sehr nah. Für so einen Traditionsverein ist das richtig mies. Aber in den vergangenen Jahren war da ja immer Theater. So weh es auch tut: Irgendwann muss das auch mal vorbei sein.

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