Schalke

Als Loheider Schalkes Trainer Magath vor die Füße kotzte

Schalkes ehemaliger Trainer Felix Magath bevorzugte Trainingsmethoden, die den Spielern nicht unbedingt gefielen.

Schalkes ehemaliger Trainer Felix Magath bevorzugte Trainingsmethoden, die den Spielern nicht unbedingt gefielen.

Foto: firo

Gelsenkirchen.  Schon vor zehn Jahren hat sich Schalke in Herzlake auf die Saison vorbereitet. Felix Magath kannte keine Gnade. David Loheider erinnert sich.

Die Schalker Profis schwitzen im Kurztrainingslager in Herzlake. Cheftrainer David Wagner bereitet seine Mannschaft in der 4000-Seelen-Gemeinde im Emsland auf die Saison vor. Der Schwerpunkt in den vier Tagen in Niedersachsen: Ausdauer.

Davon kann auch David Loheider ein Lied singen. Vor zehn Jahren gehörte der damals 18-Jährige als A-Jugendlicher schon zum erweiterten Kader der Schalker Profis, als ausgerechnet Cheftrainer Felix Magath seine Spieler ins Trainingslager nach Herzlake bat. In Schalker Kreisen ist der Ort seitdem den meisten eher als Schmerzlake bekannt.

So ergeht es auch David Loheider. Der 28-Jährige kann heute darüber lachen, als er die Geschichte erzählt, dass er der erste Spieler war, der sich vor den Augen von Felix Magath mitten auf dem Platz übergeben musste. „Es ging einfach nicht mehr“, sagt der frühere Nachwuchsstürmer, der aktuell beim Oberligisten Hammer SpVg unter Vertrag steht.

Morgens 75 Minuten Intervallläufe

Jenen Tag in Herzlake, sagt David Loheider, werde er niemals vergessen. Der Wecker klingelte früh, denn Felix Magath rief schon vor dem Frühstück mal wieder zur ersten Einheit des Tages. „75 Minuten Intervallläufe – und das auf leeren Magen“, berichtet David Loheider. Nach gut einer halben Stunde habe er Felix Magath zum ersten Mal darauf aufmerksam gemacht, dass er sich gleich übergeben werde: „Ich muss gleich kotzen!“ Felix Magaths plumpe Antwort: „Wenn Sie noch reden können, kann es so schlimm nicht sein.“ Nach knapp einer Stunde war es noch viel schlimmer. Nichts ging mehr. „Ja, ich habe dann mitten auf den Platz gekotzt. Genau vor den Augen des Trainers“, sagt David Loheider und lacht heute mit dem Abstand von zehn Jahren. Magaths Reaktion: „Jetzt können Sie wirklich nicht mehr.“ Der junge Spieler wurde in die Kabine geschickt.

Zum Wiedersehen mit Felix Magath kam es schon wenig später beim Frühstücksbuffet. David Loheider: „Der Trainer stand genau hinter mir in der Warteschlange, als ich mir gerade ein Brötchen nehmen und auf den Teller legen wollte. Er stieß mich an und sagte, dass ich es besser bei einem Brötchen belassen sollte. Schließlich würde es nach dem Frühstück weitergehen.“

Training mit Medizinbällen

Und wie es weiterging. Mit Medizinbällen. „So hart habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht trainiert“, sagt der Stürmer, der trotz des Leids nie ein Pflichtspiel für die Schalker Profis bestritten hat. Eine schwere Fußverletzung, die ihn fast zwei Jahre ausbremste, ist wohl der Grund dafür. „Ich denke schon, dass ich irgendwann meine Chance bei Herrn Magath bekommen hätte. Auf Namen hat er keine Rücksicht genommen“, sagt David Loheider.

Trainingseinheiten bis zum körperlichen Zusammenbruch, wie damals in Herzlake, wie sie nicht nur Schalker Spieler unter Felix Magath und dessen Trainerteam erlebt haben, hält David Loheider für übertrieben. „Heute würden die Spieler auf die Barrikaden gehen“, sagt er und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Es sei denn, der Trainer heißt Felix Magath. Dann würde sich das niemand trauen.“ Ein wenig hat David Loheider sogar Verständnis für das bei fast allen ehemaligen Magath-Schützlingen berüchtigte Ausdauer-Training. „Eines muss man Herrn Magath ja lassen: Seine Spieler waren immer fit“, sagt er und ergänzt: „Ein Hochleistungsschwimmer steht morgens schon um fünf Uhr auf dem Startblock und geht danach zur Arbeit. Manche Fußballprofis wissen gar nicht, wie gut es ihnen geht.“

Heute gerne in der Fankurve dabei

Damals saß er mit Spielern wie Manuel Neuer, Kevin Kuranyi und Marcelo Bordon in einer Kabine. Heute verfolgt er das Geschehen, wenn es seine Zeit zulässt, aus dem Fanblock. Mit Schal, Trikot und gerne auch mal einem Bier in der Hand. „Durch meinen Körper fließt blau-weißes Blut. Umso geiler war es, das damals alles miterlebt zu haben“, sagt David Loheider.

Das Malheur in Herzlake ist ihm nicht peinlich. Im Gegenteil. Denn wann immer einer irgendwo erzählt, dass sich die Spieler unter Felix Magath damals übergeben mussten, hebt er den Finger und sagt: „Und wisst ihr, wer der Erste war?“

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