Schalke

Besser als Bayern - Schalke nimmt nur Komplimente mit

Ein wenig ratlos: Schalke-Torwart Alexander Nübel nach der 0:2-Niederlage in Hoffenheim.

Ein wenig ratlos: Schalke-Torwart Alexander Nübel nach der 0:2-Niederlage in Hoffenheim.

Foto: firo

Sinsheim.  Beim 0:2 in Hoffenheim überzeugte Schalke vor der Pause. Danach fehlte aber die Zielstrebigkeit - ausgerechnet vor dem Derby gegen den BVB.

David Wagner wollte sich nicht beschweren, überhaupt nicht. “Glückwunsch”, sagte der Schalker Trainer zu seinem Hoffenheimer Kollegen Alfred Schreuer, “Glückwunsch zu dem Sieg, der in meinen Augen auch ein verdienter Sieg ist” Wagner haderte nicht damit, dass Schalke am Sonntagabend über 70 Minuten die klar bessere Mannschaft war und trotzdem mit 0:2 bei der TSG Hoffenheim verlor. Er nannte den Sieg der Gastgeber verdient, “weil sie zwei Tore geschossen haben und wir nicht.” So einfach geht Fußball.

Hoffenheim erzielt gegen Schalke zwei Kontertore

Schalke hatte es nach zuvor fünf ungeschlagenen Spielen in Folge wieder erwischt, und das ausgerechnet vor dem Derby am kommenden Samstag gegen Dortmund. Dabei hatten die Schalker im Kraichgau bis weit in die zweite Halbzeit hinein richtig guten Fußball gespielt, ware dabei aber nicht produktiv genug. Anders die Hoffenheimer, die den Spielverlauf durch zwei Kontertore von Andrej Kramaric (72.) und Ihlas Bebou (86.) auf den Kopf stellten. Das einzige, was Schalke mitnehmen konnte, waren die Komplimente der Hoffenheimer. “Schalke”, sagte TSG-Trainer Alfred Schreuder, “Schalke war bisher der beste Gegner, gegen den wir gespielt haben.” Also besser als Bayern - dort hatte die TSG zuletzt mit 2:1 gewonnen.

David Wagner interessierte dieses Lob einen Tag nach seinem 48. Geburtstag nicht. Schalkes Trainer urteilte erstaunlich sachlich: “Es hat nicht automatisch der den Sieg verdient, der den besseren Fußball spielt, sondern der, der die Tore macht.” Schalke hatte dies vor allem in der ersten Halbzeit versäumt. Da traf nicht nur Daniel Caligiuri mit einem Freistoß das Lattenkreuz (3.), sondern da agierte Schalke bei der vielleicht größten Chance durch Salif Sané (26.) auch zu umständlich. Und Alessandro Schöpf, der den verletzten Suat Serdar im Mittelfeld gut vertrat, bekam bei einem Kopfball nach einer Ablage von Burgstaller nicht genug Druck hinter das Spielgerät (24.). Dennoch muss man sagen: Schlampig ging Schalke mit seinen Gelegenheiten nicht um, eher fehlte die Zielstrebigkeit. Auch Wagner sagte: “Die erste Halbzeit war sehr gut.”

Kramaric und Bebou sind Hoffenheims Matchwinner

Nach dem Wechsel, als die tief stehenden Hoffenheimer auf eine Fünferkette umstellten, nannte Schalkes Trainer den Auftritt seiner Mannschaft nur noch “ordentlich”. Denn dann fehlte der Zug zum Tor, obwohl das Spiel bis zur 70. Minute beinahe ein reiner Einbahnstraßen-Fußball war. “Wir waren dann nicht mehr klar genug und nicht konsequent genug”, urteilte der Trainer. Auch die Einwechslung von Mark Uth an dessen früherer Wirkungsstätte brachte nichts mehr. In der Startelf hatte Rabbi Matondo den Vorzug vor Uth erhalten.

Hoffenheims Matchwinner waren die Torschützen Kramaric und Bebou. Beim ersten Treffer konnten Mascarell und Sané im Mittelfeld Bebou nicht aufhalten, Schalkes Torwart Nübel konnte zunächst noch parieren, war aber gegen Kramaric chancenlos. Der TSG-Stürmer, der sein Comeback nach vier Monaten Verletzungspause feierte, war in der Vergangenheit schön öfter als Schalke-Schreck in Erscheinung getreten. Beim 2:0 kam Stambouli im Mittelfeld zu spät.

Als die Schalker Spieler noch überaus bedröppelt auf dem Rasen standen und sich schließlich ziemlich ungläubig auf den Weg in die Kabine machten, hörten sie noch die Stimme des Hoffenheimer Stadionsprechers, der sagte: “Natürlich haben wir glücklich mit 2:0 gewonnen.” In der Kabine fiel das Urteil ihres Trainers anders aus: Wagner war enttäuscht, dass seine Mannschaft aus einem “richtig guten Auswärtsspiel” nichts mitgenommen hatte.

Aber dass Schalkes Trainer mit solchen Dingen gut umgehen kann, zeigte er noch vor der Rückfahrt. “Ein Grund, warum wir alle dieses Spiel so lieben ist, dass nicht immer die Mannschaft, die besser ist und die vielleicht auch mehr investiert, am Ende auch gewinnt.” So ist Fußball...

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