Schalke

Grüne NRW kritisieren Bürgschaft für Schalke scharf

Die Veltins-Arena des FC Schalke 04: Der Verein steckt in finanziellen Schwierigkeiten.

Die Veltins-Arena des FC Schalke 04: Der Verein steckt in finanziellen Schwierigkeiten.

Foto: dpa

Gelsenkirchen.  Das Land NRW soll Schalke 04 helfen. Ministerpräsident Armin Laschet bestreitet, dass eine Entscheidung gefallen ist. Die Grünen üben Kritik.

Als Schalkes Aufsichtsrat am Dienstag tagte, ging es auch um einen Millionen-Deal, der die Zukunft des Fußball-Bundesligisten in der Corona-Krise sichern soll: Schalke erhält möglicherweise einen Bank-Kredit von weit mehr als 30 bis nahezu 40 Millionen Euro. Das Pikante an der Sache: Für den Kredit soll das Land Nordrhein-Westfalen bürgen. Das hatte am Montagabend das Handelsblatt öffentlich gemacht und deckt sich mit Recherchen dieser Redaktion.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat zwar die Hinweise, dass sich der finanziell angeschlagene Bundesligist Schalke 04 um eine Landesbürgschaft bemüht, mit Hinweis auf die in diesen Fällen übliche Vertraulichkeit nicht bestätigt. Er sagte am Dienstag aber, dass es seit 1995 unter allen NRW-Landesregierungen finanzielle Hilfen für in Not geratene Fußballvereine gegeben habe. Bundesligisten seien Wirtschaftsunternehmen wie andere Unternehmen auch. Nach seiner Kenntnis gebe es zu Schalke „keine Entscheidung“ über Hilfsmaßnahmen.

„Es wird keine Lex Schalke, keine Sonderregelungen für diesen Verein geben“, betonte der Ministerpräsident. Anträge auf Landesbürgschaften würden in NRW immer sorgfältig geprüft. Mona Neubaur, Vorsitzende der Grünen NRW, kritisierte eine mögliche Bürgschaft für Schalke scharf: "Aktuell lässt sich die Landesregierung nicht dazu bewegen, den Kommunen bei den Altschulden unter die Arme zu greifen. Dadurch ist zum Beispiel der Erhalt von Schwimmbädern und anderen wichtigen Einrichtungen in unseren Städten und Gemeinden gefährdet", sagte sie dieser Redaktion. "Solange das so ist, wäre es schwer vermittelbar, wenn die Allgemeinheit für einen Profifußballverein bürgt, der in erster Linie durch Managementversagen in diese prekäre Lage geraten ist."

Schalke würde eine Möglichkeit in Anspruch nehmen, die bedrohten Unternehmen helfen soll, Einnahme-Ausfälle in diesen Zeiten aufzufangen – jeder Bundesligist versteht sich als Wirtschafts-Unternehmen. Das Geld wird von einer Bank finanziert und firmiert als Betriebsmittel-Darlehen; das Land NRW übernimmt eine Bürgschaft, die die Bank absichert, falls das betroffene Unternehmen zahlungsunfähig werden sollte. Nach Informationen dieser Redaktion hat der Bürgschafts-Ausschuss der Landesregierung den Schalke-Vertrag bereits positiv beurteilt. Das Handelsblatt schreibt, die Finanzspritze solle am Mittwoch bekanntgegeben werden.

Pro Heimspiel fehlen Schalke zwei Millionen

Schalke nimmt nicht zum ersten Mal eine Landesbürgschaft in Anspruch. Schon beim Bau der Arena hatte das Land NRW Ende der 1990er-Jahre eine Ausfallbürgschaft geleistet; ebenso vor einem Jahr beim Umbau des Vereinsgeländes – ein üblicher Vorgang, um Investitionen anzuschieben. Diesmal geht es allerdings nicht um Investitionen, sondern um die Sicherung des Fortbestehens. Der Bundesligist hat durch die Corona-Krise hohe Einnahme-Verluste; pro Heimspiel ohne Zuschauer fehlen allein zwei Millionen Euro. Wann die Bundesliga wieder mit Zuschauern spielen kann, steht in den Sternen.

Der Klub hat sich daher schon vor Wochen, noch unter der Führung des inzwischen zurückgetretenen Finanz-Vorstands Peter Peters, um dieses Betriebsmittel-Darlehen bemüht. Unter diesen Umständen wird auch klar, warum Peters bereits unmittelbar nach seinem Rückzug erklärte: „Es geht nicht bergab auf Schalke – das Gegenteil ist der Fall. Alles ist vorbereitet, um durch die Krise zu kommen.“ Gemeint war damit offenbar dieser Kredit, der Schalkes Zukunft sichert. Für Peters, der nicht nur im Fußball bestens vernetzt ist, war es wohl der Abschluss seiner 27 Jahre andauernden Tätigkeit auf Schalke.

Dass das Land NRW mit einer Bürgschaft im Spiel ist, zeigte sich aber erst jetzt mit Sicherheit. Um die Bürgschaft zu bekommen, musste sich Schalke, wie jedes andere Unternehmen, an Vorgaben halten. Im Fall des Bundesligisten wird so auch erklärlich, warum er bei der Rückerstattung der Tickets stets betonte, die gesetzlichen Möglichkeiten bei der Gutschein-Regelung auszuschöpfen. Diese waren vom Gesetzgeber geschaffen worden, um Veranstalter in der Corona-Krise abzusichern. Hätte Schalke diese Linie nicht verfolgt, wäre es argumentativ schwieriger geworden, Kredit und Bürgschaft zu bekommen.

Dazu ist auch klar: Mit dem Kredit werden keineswegs neue Spieler gekauft, sondern es geht allein darum, die Einnahme-Ausfälle in der Corona-Zeit zu kompensieren. Letztlich ist alles vorbereitet, es muss jetzt noch finalisiert werden.

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