Fußball

Nicht nur Schalke sucht - diese Trainer sind verfügbar

Verfügbar ab Saisonende: Dieter Hecking (l.) und Bruno Labbadia.

Verfügbar ab Saisonende: Dieter Hecking (l.) und Bruno Labbadia.

Foto: imago

Essen.  Viele Profiklubs suchen einen neuen Trainer, darunter der FC Schalke 04. Doch wer ist überhaupt verfügbar? Ein Überblick.

Der VfL Wolfsburg hat inzwischen neue Trainer gefunden - und doch sind im Profifußball noch einige Posten frei. Der FC Schalke 04 sucht noch einen neuen Mann, dazu Hertha BSC, nun auch der Aufstiegskandidat 1. FC Köln. Bei Hannover 96 sitzt Thomas Doll nicht mehr fest im Sattel. Nico Willig (VfB Stuttgart) und Boris Schommers (1. FC Nürnberg) sind Interimstrainer.

Nicht mehr verfügbar sind Marco Rose (zuletzt bei RB Salzburg, geht zu Borussia Mönchengladbach) und Oliver Glasner (zuletzt beim LASK Linz, bald beim VfL Wolfsburg). Doch wer ist noch zu haben? Wer ist begehrt? Ein Überblick!

Trainer, die aktuell oder zuletzt im Ausland arbeiten, und Interesse wecken:

  • David Wagner: Er stieg mit Huddersfield Town sensationell in die Premier League auf und schaffte dort im ersten Jahr den Klassenerhalt - ein Fußball-Wunder. Doch nachdem sein zweites Premier-League-Jahr weniger erfolgreich begann, gaben er und der Klub im Januar 2019 die Trennung bekannt. Wagner ist im Ruhrgebiet kein Unbekannter: Er zählte auf Schalke zu den Eurofightern, die 1997 den Uefa-Pokal holten, und trainierte bei Borussia Dortmund die U23, bevor er in die Premier League wechselte. Jürgen Klopp zählt zu seinen besten Freunden. Bei "Sky" sagte er, dass er in der Erholungsphase sei. Doch wie lange dauert die? Seine vielsagende Reaktion: "Kommt auf das Timing an."
  • André Villas-Boas: Immer wieder wird dem 41-jährigen Portugiesen Interesse nachgesagt, in der Bundesliga anzufangen. Obwohl er noch jung ist, hat er bereits viele spektakuläre Klubs trainiert: FC Porto, FC Chelsea, Tottenham Hotspur, Zenit St. Petersburg. Mit Porto gewann er 2011 die Europa League. Zuletzt arbeitete er in China.
  • Marc Wilmots: Schalkes Eurofighter trainierte zuletzt Nationalmannschaften - zunächst die von Belgien, die er zu einer der besten Teams der Welt formte (2012 bis 2016), zuletzt die Elfenbeinküste (März bis November 2017). Für einen neuen Job ist er offen - auch in Deutschland.
  • Alexander Zorniger: Er arbeitete bis Februar 2019 bei Bröndby IF in Dänemark. Vom neuen Sportdirektor Ebbe Sand wurde der 51-Jährige gefeuert. Er steht für offensiven Fußball und klare Meinungsäußerung, auch wenn sie unpopulär sein sollte. Seine Engagements bei RB Leipzig und in Stuttgart endeten aber ebenfalls vorzeitig.
  • Daniel Farke: Früher arbeitete er bei Borussia Dortmund II, nun führte er Norwich City in die Premier League. Das ist aber der Grund, warum er wohl jedem Verein momentan absagen dürfte.

Begehrte Trainer, die schon Offerten abgelehnt haben

  • Roger Schmidt: Er verfolgt eine fast schon radikale offensive Fußball-Philosophie, arbeitet momentan aber in China. Sein Team BJ Sinobo Guoan führt nach sieben Spieltagen die Tabelle an. Der ehemalige Leverkusener hat Interesse an einer Bundesliga-Rückkehr und eine Ausstiegsklausel im Vertrag, will aber seinen Vertrag bis zum 31. Dezember erfüllen. Schalke sagte er ab - macht er für einen anderen Klub die Ausnahme?
  • Gerardo Seoane: Der 40-jährige Schweizer hat die Young Boys Bern souverän zum Titel geführt. Der Vorsprung in der Tabelle beträgt kurz vor Saisonende 22 Punkte. Hertha BSC war an Seoane interessiert, holte sich aber eine Absage.

Diese Trainer sind spätestens ab Saisonende verfügbar:

  • Bruno Labbadia: Nach anderthalb Jahren ist für Labbadia beim VfL Wolfsburg im Sommer Schluss. Der 53-Jährige hat seinen Ruf wieder aufpoliert, nachdem seine Stationen beim Hamburger SV (zweimal) und dem VfB Stuttgart vorzeitig geendet hatten. Den VfL bewahrte er zunächst vor dem Abstieg und führte ihn dann in die Nähe der Europapokal-Plätze. Einen neuen Job in Deutschland strebt Labbadia nicht unbedingt an: Er wäre auch nicht abgeneigt, im Ausland tätig zu sein.
  • Dieter Hecking: Nach zweieinhalb Jahren endet die Amtszeit des 54-Jährigen bei Borussia Mönchengladbach im Sommer. Es ist Heckings sechste Station im Profifußball - zuvor trainierte er Wolfsburg, Nürnberg, Hannover, Aachen und den VfB Lübeck. Bei ihm weiß jeder Bundesligist, was er bekommt: keine Fußball-Revolution, aber zuverlässige, ehrliche Arbeit - die überall erfolgreich war. Hecking kann sich aber auch vorstellen, als Sportdirektor weiterzumachen.
  • Domenico Tedesco: Der 33-Jährige steht auf Schalke noch bis zum 30. Juni 2022 unter Vertrag - aus finanziellen Gründen müsste er nicht sofort eine neue Aufgabe annehmen. Es ist auch unklar, ob er sich nach einer sehr intensiven Zeit bei den Königsblauen nur drei Monate später sofort auf einen neuen Klub einlassen könnte. Dafür spricht: Tedesco ist fußballverrückt, er braucht die tägliche Arbeit auf dem Platz.
  • Heiko Herrlich: Mit Jahn Regensburg schaffte er innerhalb von zwei Jahren den Durchmarsch von der Regionalliga in die 2. Bundesliga (Dezember 2015 bis Juni 2017), mit Bayer Leverkusen (Saison 2017/2018) zog er in die Europa League ein - eine Erfolgsbilanz. Doch nachdem die aktuelle Saison nicht so gut begann, musste der 47-Jährige im Dezember 2018 gehen.
  • André Breitenreiter: Er identifizierte sich sehr mit der Aufgabe in seiner Heimatstadt Hannover bei seinem Heimatverein Hannover 96. Die Freistellung am 27. Januar 2019 hat ihn getroffen. Im deutschen Profifußball will er bleiben - auf seine drei Stationen Paderborn, Schalke, 96 soll schnell eine vierte folgen.

Trainer, die verfügbar sind, aber wohl nicht sofort wieder anfangen

  • Manuel Baum: Flog gerade erst nach fünf Jahren beim FC Augsburg (drei bei der U23, zwei bei den Profis). Schwer vorstellbar, dass er bereits zwei Monate später eine neue Aufgabe übernimmt. Oder doch nicht?
  • Pal Dardai: Der Ur-Berliner, Rekordspieler bei Hertha BSC und zuletzt jahrelang Trainer, muss zum Saisonende gehen. Er hat aber schon angekündigt, erst einmal pausieren zu wollen.
  • Michael Köllner: Der Ex-Trainer des 1. FC Nürnberg arbeitete bisher ausschließlich im bayerischen Raum. Ob er auch in anderen Regionen Deutschlands gut arbeiten könnte?
  • Markus Anfang: Er ist gerade erst beim 1. FC Köln freigestellt worden. Für ihn gilt wie für Manuel Baum: Kaum vorstellbar, dass er sich sofort auf ein neues Team einstellen kann.
  • Markus Weinzierl: Gescheitert auf Schalke nach einem Jahr, gescheitert beim VfB Stuttgart nach wenigen Monaten: Schwer vorstellbar, dass so schnell ein neuer Verein interessiert ist.
  • Jens Keller: Das gilt auch für den nächsten Ex-Schalke-Trainer, der die Zweitligisten 1. FC Union Berlin (Dezember 2017) und FC Ingolstadt (April 2019) vorzeitig verlassen musste.

Diese Trainer warten schon länger auf ein Engagement:

  • Peter Stöger: Nach einem Jahr ohne Klub würde der Österreicher gern wieder einsteigen: Nach einer langen Amtszeit beim 1. FC Köln mit Höhen (Europa League) und Tiefen (Tabellenletzter) führte er innerhalb von fünf Monaten Borussia Dortmund als Nachfolger von Peter Bosz in die Champions League. Doch einen nachhaltigen Eindruck hinterließ er nicht, und sein Vertrag wurde nicht verlängert.
  • Tayfun Korkut: Viele Stationen, wenig nachhaltiger Erfolg - so lässt sich die Trainerkarriere von Tayfun Korkut am besten zusammenfassen. Er trainierte bereits Hannover 96, Kaiserslautern, Leverkusen und den VfB Stuttgart. Nur in Hannover blieb er länger als ein Jahr.
  • Markus Gisdol: Er bezieht bis zum 30. Juni 2019 noch sein Gehalt vom Hamburger SV, obwohl er bereits im Januar 2018 entlassen worden war. Er strebt einen neuen Trainerjob an.
  • Christian Titz: Noch ein Ex-Trainer des HSV! Er musste kurz nach Saisonstart gehen - wäre aber sicher auch nicht abgeneigt, wieder in die Nachwuchsabteilung eines Vereins zurückzukehren.

Und in den Jugendmannschaften und bei den Zweitligisten?

Trainer von U23-, U19- oder U17-Mannschaften zu verpflichten oder zu befördern, ist nicht unüblich. Werder Bremen machte U19-Trainer Florian Kohfeldt zum Cheftrainer, Sandro Schwarz vom FSV Mainz 05 trainierte dort zuvor die U23, Julian Nagelsmann von 1899 Hoffenheim die U19 des Klubs. In der 2. Bundesliga holten Holstein Kiel (Tim Walter vom FC Bayern II), Darmstadt 98 (Dimitrios Grammozis aus der U19 des VfL Bochum) und Erzgebirge Aue (Daniel Meyer von der U19 des 1. FC Köln) Trainer aus den Nachwuchsabteilungen anderer Profiklubs. Und selbst Premier-League-Klub Huddersfield Town (Jan Siewert von Borussia Dortmund II) schaute sich in Deutschland um.

Besonders erfolgreich ist Stefan Ruthenbeck, der die U19 des 1. FC Köln wieder nach oben geführt hat. Doch Ruthenbeck, der auch schon bei den Profis aushalf, hat jüngst erst seinen Vertrag verlängert. Erster der U19-Nord/Nordost-Gruppe ist der VfL Wolfsburg mit Trainer Thomas Reis, der lange beim VfL Bochum spielte und in der Nachwuchsabteilung arbeitete. Etwas überraschend auf dem zweiten Platz folgt der FC St. Pauli - trainiert von Fußballlehrer Timo Schultz. Ein Nachwuchstrainer aus der Tuchel-Klopp-Schule in Mainz ist Bo Svensson. Auch er ist erfolgreich mit der U19 der 05er. Holger Seitz schafft es wahrscheinlich, die U23 des FC Bayern in die 3. Liga zu führen - viele Trainer vor ihm waren daran gescheitert. Qualifiziert ihn das für höhere Aufgaben? Schalkes Sportchef Jochen Schneider könnte sich auch bei Ex-Klub Leipzig umschauen. Eine U23 hat RB nicht, Ralf Rangnicks erster Co-Trainer Jesse Marsch wechselt zu RB Salzburg. Rangnicks zweiter Co-Trainer Robert Klauß ist ein interessanter Mann: Er schloss den Trainer-Lehrgang 2018 als Jahrgangsbester ab. Leipzigs neuer Trainer Nagelsmann würde Klauß aber gern in sein Team übernehmen.

Wer weiß, ob Steffen Baumgart den Zweitligisten SC Paderborn verlässt, sollte der Bundesliga-Aufstieg nicht gelingen. Baumgart hat aus dem Fast-Absteiger in die vierte Liga eine Mannschaft geformt, welche die Liga mit offensivem Power-Fußball aufmischt.

Diese Trainer werden im Profi-Geschäft wohl keine Chance mehr bekommen:

  • Mirko Slomka: Nach seiner erfolglosen kurzen Amtszeit beim Karlsruher SC wartet er auf ein Angebot und ist nur noch als TV-Experte in den Stadien der Republik zu finden. Er bringt sich höchstens selbst ins Gespräch.
  • Peter Neururer: Er hat seine Profi-Karriere wohl selbst schon aufgegeben und ist nun Sportdirektor beim abstiegsbedrohten Regionalligisten Wattenscheid 09.
  • Christoph Daum: Seine letzte Trainerstation als Nationalcoach Rumäniens endete am 14. September 2017. Offiziell hat der 65-Jährige seinen Rücktritt noch nicht erklärt, nach 32 bewegten Jahren im Profifußball dürfte er aber kein Angebot aus der Bundesliga mehr bekommen.
  • Felix Magath: Seine Trainingsmethoden sind kaum noch vermittelbar, seine Talkshow-Auftritte mitunter bizarr. Dass er in Deutschland keine Profimannschaft als Trainer mehr übernehmen wird, dürfte keine gewagte Prognose sein.
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