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Schalke-Kapitän Fährmann kann Mertesackers Ängste "teilweise nachvollziehen"

Ralf Fährmann.

Foto: firo

Ralf Fährmann.

Gelsenkirchen.  Per Mertesacker hat in einem Interview offenbart, wie sehr er unter dem Leistungsdruck im Fußball leide. Auch Fährmann kennt Phasen des Grübelns.

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Schalkes Torwart Ralf Fährmann kann die Äußerungen von Weltmeister Per Mertesacker am zunehmenden Leistungsdruck im Profifußball verstehen. Auf Nachfrage der WAZ erklärte Fährmann am Mittwoch: „Ich hab schon einmal im Spaß gesagt: Wenn man als Fußballer in der letzten Minute den Siegtreffer macht oder einen Elfmeter hält, dann wirst du von 150.000 Schultern getragen. Wenn du aber einen Fehler in der letzten Minute machst, dann hast du das Gewicht dieser 150.000 Schultern auf deiner eigenen Schulter lasten. Das ist einfach etwas, womit wir in jedes Spiel gehen, und je mehr Gedanken man sich macht, desto tiefer wird der Sog.“ Auch Fährmann sprach von einem „enormen Druck, der auf einem lastet“ und sagte über Mertesacker, der Ängste offenbart hatte: „Ich kann das schon teilweise nachvollziehen.“

Fährmann ist einer der ersten aktiven Profi-Fußballer, die so konkret zu Mertesacker Stellung beziehen. Der 29-Jährige, der sein erste Bundesligaspiel im Jahr 2008 absolviert hat, weist darauf hin, dass das Profi-Geschäft in den vergangenen Jahren immer gläserner geworden sei: „Als ich meine ersten Spiele gemacht habe, kam das i-Phone gerade erst auf den Markt. Da konnte man vieles noch gut verstecken, was heute so nicht mehr möglich ist: Man steht immer in der Öffentlichkeit – das ist nicht so einfach, wie man sich das manchmal vorstellt. Es ist nicht damit getan, dass wir uns eine halbe Stunde vor dem Spiel treffen und dann ein bisschen kicken – da ist wirklich schon jede Menge Arbeit und auch jede Menge Kopfzerbrechen über Wochen und Monate da.“

Mannschaftskollegen können helfen

Der Torwart gibt freimütig zu, dass auch Fußballer in schlechten Phasen ins Grübeln verfallen. „Man kann das ja auch ableiten zu einem normalen Beruf“, erklärt Fährmann: „Wenn es da mal nicht so gut läuft, fängt man ja auch automatisch an, sich Gedanken zu machen: Wie komme ich da wieder raus? Woran lag es?“ Im Mannschaftssport sei es allerdings so, dass einen andere Teamkollegen dann aus dem mentalen Tief „auch wieder rausziehen können“.

Die Äußerungen von Mertesacker wurden „heiß diskutiert“, sagt Fährmann – auch in der Schalker Kabine sei man für diese Themen offen: „Der eine redet mehr, der andere weniger.“ Es sei „wichtig und der Zeit angemessen“, dass Fußballprofis auch Zugang zu psychologischer Betreuung hätten, wenn der Bedarf da sei. Nur sei der Begriff Psychologe eher negativ behaftet: „Wenn man das Mentaltrainer nennt, hat es gleich einen anderen Wortklang, aber es ist das Gleiche.“

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