Schalke-Legenden

Schalke-Legenden kritisieren Heidel und Tedesco

Los geht’s: Organisator Klaus Herzmanatus (links) begrüßt Klaus Fischer, Ingo Anderbrügge, Manni Breuckmann, Rüdiger Abramczik und Mike Büskens (von links).

Los geht’s: Organisator Klaus Herzmanatus (links) begrüßt Klaus Fischer, Ingo Anderbrügge, Manni Breuckmann, Rüdiger Abramczik und Mike Büskens (von links).

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Beim Talk mit Manni Breuckmann auf der Zeche Hugo übten die Schalke-Legenden Abramczik, Fischer, Anderbrügge und Büskens teils heftige Kritik.

Irgendwann grätscht Mike Büskens von der linken Kante des Tisches dazwischen: „Im letzten Jahr haben wir ihn alle gefeiert, und jetzt soll er auf einmal ein Haubentaucher sein? Das ist mir zu einfach.” Es geht um Domenico Tedesco, den seine Mitstreiter am Tisch gerade aufs Korn genommen haben.

In der alten Zeche Hugo Schacht 2 läuft zum sechsten Mal der Schalker Saisonrückblick mit Manni Breuckmann; der rührige Organisator Klaus Herzmanatus hat eine hochkarätige Besetzung an den Tisch bekommen: Neben Mike Büskens (51), zuletzt Co-Trainer bei der Schalker Rettung, diskutieren Torjäger-Legende Klaus Fischer (69), Flankengott Rüdiger Abramczik (63) und Eurofighter Ingo Anderbrügge (55). Es geht launig zu, Manni Breuckmann nennt es „so eine Art Nicht-Abstiegsparty”. Und da wird von den Schalker Legenden Klartext gesprochen. Kostprobe vom Flankengott: „Tedesco hat mir viel zu viel rumgeeiert. Mir wurde viel zu viel gewechselt.”

Applaus von den Fans in der Zeche Hugo. Endlich sagt mal einer, was sie denken.

„Im zweiten Jahr war Tedesco zu theoretisch“

Auch Ingo Anderbrügge haben die vielen Wechsel, diese ewige Rotation, gestört. „Ich mochte Tedesco im ersten Jahr, aber im zweiten Jahr war er mir zu theoretisch. Er hat Fußball-Begriffe geprägt, die ich nicht verstanden habe - aber ich bin ja hier nur aus dem Pott.” Klaus Fischer rutscht einmal sogar das Wort „Ahnungslosigkeit” raus, und damit meint er nicht den neben ihm sitzenden Anderbrügge. Sein Kritikpunkt: „Naldo war der beste Spieler im letzten Jahr, und nach drei Monaten war er plötzlich nicht mehr gut genug für Schalke 04? Da frage ich mich schon, was sich dieser Trainer vorgestellt hat.”

Mike Büskens hat den schwersten Job an diesem Abend: Er hat den Laden ja gemeinsam mit Huub Stevens von Tedesco übernommen und könnte wohl allerhand ausplaudern - aber das macht man nicht unter Trainer-Kollegen. Außerdem weiß er besser als jeder andere, wie schwierig diese Schalker Spieleransammlung anzuleiten war: „Ich kann nachvollziehen, dass Domenico Tedesco als junger Trainer manchmal unruhig war und gesagt hat, ich habe meine Mannschaft noch nicht gefunden. Dann probiert man es eben mit dem einen oder anderen Wechsel.” Nein, diese Geschichte mit Tedesco als ahnungslosem „Haubentaucher”, die macht „Buyo” nicht mit.

„Besser, du erfährst nicht alles“

Als Manni Breuckmann nun Butter bei die Fische haben will und Büskens fragt, woran es denn nun wirklich gelegen hat, da greift der frühere Linksverteidiger lieber einen Steilpass von Ex-Torjäger Fischer auf. Der hatte zuvor gesagt: „Es kann nur drei Gründe geben, wenn man so schlecht Fußball spielt: Entweder ist die Mannschaft nicht fit, oder sie hat keine Qualität, oder innerhalb der Mannschaft stimmt es nicht.” Büskens stimmt zu: „Wahrscheinlich ist es von jedem etwas.” Dass Schalke in der abgelaufenen Saison die lauffaulste Mannschaft der gesamten Bundesliga gestellt hat, sei ja ein Fakt: „Platz 18 ist Platz 18.” Ansonsten will er lieber nicht zu tief blicken lassen, was sich in der Mannschaft so alles abgespielt hat: „Manchmal ist es besser, du erfährst nicht alles…”

„Heidel kommt nicht vom Fußball - er ist kein Magath“

Außerdem geht es bei der Generalabrechnung ja nicht nur um Trainer und Mannschaft. Rüdiger Abramczik holt tief Luft und öffnet eine neue Baustelle: „Tedesco wird stark kritisiert, aber man darf auch nicht vergessen, dass Heidel scheiße eingekauft hat und ihn dabei auch keiner gestoppt hat. Heidel hat gesagt, ich mache jetzt hier was ich will, aber er kommt nicht vom Fußball - er ist kein Magath.” Breuckmann räuspert sich. Bei den Fans ist in diesem Moment nicht ganz klar herauszuhören, welcher Name auf der Unbeliebtheits-Skala höher rangiert: Christian Heidel oder Felix Magath…

In Dortmund geht keiner ohne Ablösesumme

„Abi” fasst sich an den Kopf, dass bei Alexander Nübel jetzt womöglich schon wieder der richtige Zeitpunkt für eine Vertragsverlängerung verschlafen wurde: „Wir fangen hier jedes Jahr bei Null an, im nächsten Jahr wissen wir wieder nicht, wie es läuft. Wir können doch nicht jedes Jahr 100 Millionen ausgeben, sondern wir müssen einfach mal das Potenzial der Spieler über einen längeren Zeitraum hier halten. Es kann doch nicht sein, dass ausgerechnet Leipzig uns zeigt, wie das geht.”

Dieser Punkt, dass in den vergangenen Jahren Joel Matip, Sead Kolasinac, Leon Goretzka und Max Meyer ablösefrei von der Fahne gingen, ist auch Büskens ein Dorn im Auge. Er blickt zu den Lüdenscheidern und sagt: „Die haben in den letzten Jahren nicht einen für Nüppes verloren, aber was willst du machen, wenn bei uns ein Kolasinac, ein Matip, ein Meyer und ein Goretzka für Nüppes geht?” Schulterzucken. Büskens setzt noch einen drauf: „Der BVB kriegt 65 Millionen für Pulisic, und dafür holen sie jetzt Brandt, Schulz und Hazard.” Tja, das sieht dann eher nach weitsichtigem Handeln aus.

Rüdiger Abramczik würde sich wünschen, dass Schalke viel mehr auf die Kompetenz in den eigenen Reihen setzt - auch in der Führung. Ingo Anderbrügge verrät: „Vor sieben, acht Jahren hätte ich hier gerne noch Verantwortung übernommen - heute würde ich es, glaube ich, nicht mehr tun.” Immerhin kommt nun mit David Wagner einer als neuer Trainer, der früher mal zwei Jahre auf Schalke gespielt hat. „Abi” ist diese eine Personalie nicht genug, er sagt: „Wenn man so einen Trainer holt, dann hole ich mir doch einen Co-Trainer dazu, der die Mannschaft kennt - Buyo wäre der Erste, den ich mir abgreifen würde.” Wagner aber bringt seinen eigenen Assistenten mit, was Abramczik an die Zeit unter Roberto Di Matteo erinnert: “Wie hieß noch der Italiener, diese Pflaume? Der hat fünf Italiener mitgebracht und alle haben nur Italienisch gesprochen - da pack ich mir doch an den Kopp.” Dass Büskens künftig vielleicht nicht zum engen Trainerstab zählt, ist für Abramczik kein gutes Signal: „Wir fangen schon wieder mit Fehlern an.”

Büskens will noch nicht zu viel sagen, wie es weitergeht mit ihm und auf Schalke. Nur soviel: „Ich denke, dass David Wagner unser aller Unterstützung braucht, denn das nächste Jahr wird nicht einfach. Vielleicht müssen wir uns darauf einstellen, dass es ein Übergangsjahr wird.” Ingo Anderbrügge hat aber ein gutes Gefühl, was seinen Ex-Kollegen David Wagner als Trainer betrifft: „Er kann eine Aufbruchstimmung erzeugen - fast so, als damals Jürgen Klinsmann zu den Bayern kam.”

Klinsmann allerdings war ein Dreivierteljahr später schon wieder weg...

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