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Schalke: Wagner-Erklärung für mutlose Mauertaktik überrascht

Gar nicht einmal so unzufrieden mit Schalkes Leistung: Trainer David Wagner.

Gar nicht einmal so unzufrieden mit Schalkes Leistung: Trainer David Wagner.

Foto: Getty Images

Gelsenkirchen.  Schalke verteidigte in Düsseldorf mit einer Fünferkette, erspielte sich kaum Chancen - und das fand Trainer David Wagner auch noch "ordentlich".

Der FC Schalke 04 ist auf dem letzten Tabellenplatz angekommen - das ist eine schlechte Nachricht. Die gute aber: Nach der 1:2-Niederlage bei Fortuna Düsseldorf gilt das nur für die Rückrundentabelle der Fußball-Bundesliga. Da Schalke eine überragende Hinrunde gespielt hatte, dürfte das Team nicht mehr in Abstiegsgefahr geraten. Immerhin das.

Schalke verteidigte mit einer Fünferkette

Die Pleite in Düsseldorf, das inzwischen zehnte Ligaspiel in Folge ohne Sieg, offenbarte erneut Schalkes Schwächen - und auch die des Trainers. David Wagner hatte sich für eine Defensivtaktik entschieden: Wenn die Düsseldorfer angriffen, verteidigte Schalke in einem 5-4-1-Abwehrbeton-System - nach vorn ging nicht viel. Und das war so gewollt. Die Statistiken am Ende sind ein Desaster für eine Mannschaft wie Schalke, die vom internationalen Geschäft träumt: Nur 33 Prozent Ballbesitz, eine Passquote von 63 Prozent, nur ein Tor, nur zwei Ecken, nur drei Chancen, nur acht Torschüsse. Zahlen einer verdienten Niederlage bei einer durchschnittlichen Mannschaft. Aber Zahlen, zumindest einige, die Wagner genau so haben wollte.

Und was sagte er deshalb nach dem Spiel? Die Leistung seines Teams sei "ordentlich" gewesen.

Eine Aussage, die überrascht. Genau wie seine Erklärung auf Nachfrage dieser Zeitung, warum er sich für die mutlose Mauertaktik entschieden hatte: "Es ist ja offensichtlich, dass das für uns in der momentanen Situation mit all den Schwierigkeiten, die wir haben, die Formation ist, mit der die Wahrscheinlichkeit, um wieder Tore zu erzielen, Torgefahr zu entwickeln, um dementsprechend unter Umständen wieder Punkte zu holen, die einzig richtige und einzig mögliche ist. Wir können das, was wir in der Vorrunde und auch am Anfang der Rückrunde über ganz lange Zeit gespielt haben, nicht mehr machen. Dafür haben wir nicht die Möglichkeiten. Deshalb ist es an uns, einen neuen Ansatz zu wählen."

Schalke trat ohne die besten Torschützen und die Führungsspieler an

Die einzig richtige, die einzig mögliche Formation? Es hätte keine Möglichkeit gegeben, Schalke anders anzuordnen als in dieser Wir-spielen-auf-0:0-aber-vielleicht-kullert-ja-vorn-einer-rein-Taktik? Natürlich fehlten die beiden besten Torschützen (Suat Serdar, Amine Harit), die Kapitäne (Omar Mascarell, Benjamin Stambouli) und der gefährlichste Stürmer (Benito Raman) - aber zum Kader gehörten dennoch etliche Nationalspieler, ob in der A-Elf (Rabbi Matondo/Wales, Weston McKennie/USA, Ozan Kabak/Türkei, Alessandro Schöpf, Michael Gregoritsch/beide Österreich, Salif Sané/Senegal) oder in der U21 (Markus Schubert/Deutschland, Jonjoe Kenny/England, Jean-Clair Todibo/Frankreich, Ahmed Kutucu/Türkei, Juan Miranda/Spanien).

Im Schalker Kader stehen zudem einige, die von Wagner bisher fast nie eine Chance in der Schalke-Startelf bekamen: Linksverteidiger Miranda zum Beispiel, ausgeliehen vom FC Barcelona. Oder Stürmer Kutucu, der vehement von den Fans gefordert wird, aber als einziger Stürmer nach der Corona-Pause noch nicht zur Startelf gehörte. Stattdessen aber immer wieder Spieler wie Schöpf und Matondo - zwei, die seit langer Zeit nicht mehr gut gespielt haben.

Schalke: Wagners Taktik brach in der 63. Minute zusammen

Die Niederlage in Düsseldorf ist die Niederlage von Wagner. Der hat mit seinem Betonfußball viel riskiert - und bis zur 63. Minute alles gewonnen. Doch mit dem Düsseldorfer 1:1 brach die Taktik zusammen. Und nun ist er nicht der Gewinner, sondern einmal mehr der große Verlierer. Seit seinem Amtsantritt sagte er stets, er würde gern einen Fußball sehen, zu dem die Zuschauer sagen: Das müssen die Schalker sein. Von diesem Anspruch ist Wagner seit vier Monaten weit entfernt. Denn wem für ein Auswärtsspiel bei einem Abstiegskandidaten nur eine Mauertaktik einfällt, der ist selbst in Gefahr.

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