FC Schalke 04

Schalkes Amine Harit: Vom Sorgenkind zum Leistungsträger

Schalkes Amine Harit ist der Spaß an seinem Job wieder deutlich anzusehen.

Schalkes Amine Harit ist der Spaß an seinem Job wieder deutlich anzusehen.

Foto: dpa

Gelsenkirchen.  Schalkes Mittelfeldspieler ist die positive Überraschung der neuen Saison. Harit glänzt mit Tricks und Toren– auch dank Trainer Wagner.

Das Gespräch liegt schon eine Weile zurück, es hat bereits vor dem ersten Training dieser Saison stattgefunden. Damals nahm sich David Wagner, seinerzeit künftiger Trainer auf Schalke, viel Zeit für einen Austausch mit Amine Harit, seinerzeit Sorgenkind auf Schalke. Wagner hat von diesem Gespräch erst jetzt erzählt, da sich die Zeiten geändert haben: Harit ist wieder fester Bestandteil einer Schalker Mannschaft, die heute (20.30 Uhr/DAZN) im Heimspiel gegen Mainz 05 den dritten Bundesliga-Sieg in Folge anstrebt. Beim jüngsten Erfolg der Gelsenkirchener, dem fulminanten 5:1 in Paderborn, hatte der Marokkaner zwei Tore geschossen.

Bei dem Gespräch ging es darum, wie dieser Amine Harit wieder einzugliedern sei nach einem Jahr voller Enttäuschungen, auch ausgelöst durch den schweren Autounfall mit Todesfolge, den Harit in seiner Heimat verursacht hatte. Wagner: „Ich habe ihm relativ klar vermittelt, wie die nächsten Wochen aussehen werden und was ich von ihm erwarte.“ Vereinbart wurde eine Zeit auf Probe. „Nach einigen Wochen“, berichtet Schalkes Trainer, „wollten wir uns noch einmal ehrlich in die Augen gucken und sagen: Wie kommen wir denn miteinander klar?“

Diese zweite Unterredung hat aber nie stattgefunden, sie war überflüssig geworden. Denn Amine Harit hatte vom ersten Tag der Vorbereitung an all das umgesetzt, was Schalkes neuer Trainer von ihm verlangt hatte. Der 22-Jährige trainierte fleißig, lieferte ordentliche Leistungen in den Testspielen ab und benahm sich auch außerhalb des Trainingsplatzes so, wie Schalke das von ihm erwartet hatte.

Schalke-Profi Harit hat einiges gelernt

Inzwischen gibt der Marokkaner, der sich in seinen ersten beiden Jahren auf Schalke zumeist in englischer oder französischer Sprache verständigt hatte, sogar seine Interviews auf Deutsch – er hat viel gelernt. Wagner spricht über Harit fast so, als könne er ihn sich gut als Schwiegersohn vorstellen: „Ich habe ihn als total aufgeweckten, aufgeschlossenen, fröhlichen jungen Menschen kennengelernt, der Witz und Charme hat.“

David Wagner hat sich mit Amine Harit deswegen diese Mühe gemacht, weil er etwas Besonderes in diesem talentierten, dribbelstarken und temporeichen Straßenfußballer gesehen hatte. Anderen Spielern, die nach der so missratenen vergangenen Saison ebenfalls auf der Kippe standen, etwa Nabil Bentaleb, Hamza Mendyl oder Yevhen Konoplyanka, wurde diese Behandlung nicht zuteil – bei Harit aber war sich Schalkes Trainer sicher: Den Jungen biege ich wieder hin.

Inzwischen darf er sich bestätigt sehen. Harit stand in allen fünf Pflichtspielen dieser Saison in der Startelf, wurde nur einmal kurz vor Schluss ausgewechselt, erzielte zwei Tore und bereitete zwei weitere (im DFB-Pokal) vor. Seinen persönlichen Aufschwung führt er auf den Trainer zurück, der ihm viel Selbstvertrauen gegeben habe: „Ich bin ein Spieler, der es fühlen muss, dass er wichtig ist.“ Den nächsten Erfolg will er an diesem Freitag gegen Mainz erzielen, wenn Schalke sich mit einem Sieg in der Spitzengruppe festsetzen kann: „Das ist wichtig“, bestätigt Harit: „Mainz ist eine gute Mannschaft mit sehr viel Power in der Mitte. Ich denke, wir sind bereit für das nächste Spiel.“

„Noch viele Schritte zu gehen“

Schalke ist froh über die Art, wie diese Saison angefangen hat, Wagner beschreibt dies so: „Man hat zumindest das Gefühl, wir sind auf dem Weg, aber wir haben noch viele Schritte zu gehen.“ Und Amine Harit ist einer der Spieler, auf den dies auch persönlich zutrifft – bei dem Mittelfeld-Mann sieht Wagner noch viel Raum für weitere Schritte. Dabei gehe es um Konstanz in den Leistungen oder eine bessere Torquote – im Defensivverhalten habe der Offensivakteur bereits „wahnsinnig große Schritte gemacht“.

Und was den Torabschluss betrifft, daran will Harit arbeiten, um eine besondere Marke zu erreichen: „Ich hoffe, am Saisonende habe ich zehn oder 15 Tore – warum nicht?“

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