Knappenschmiede

Onur Cinel wird Fußballlehrer und hat speziellen Schalke-Job

Schalkes Trainer Onur Cinel wird aktuell zum Fußballlehrer ausgebildet. Er ist einer der 25 Teilnehmer, die derzeit in der Sportschule Hennef die Schulbank drücken. Foto: Joachim Kleine-Büning /FUNKE Foto Services

Schalkes Trainer Onur Cinel wird aktuell zum Fußballlehrer ausgebildet. Er ist einer der 25 Teilnehmer, die derzeit in der Sportschule Hennef die Schulbank drücken. Foto: Joachim Kleine-Büning /FUNKE Foto Services

Foto: Joachim Kleine-B ning / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Schalkes ehemaliger U23-Trainer ist einer von 25 Teilnehmern des DFB-Fußballlehrer-Lehrgangs. Auch auf Schalke hat er eine interessante Stelle.

Das große Ziel heißt Fußballlehrer, das nächste Ziel aber erst mal Bologna. Onur Cinel ist einer von 25 Teilnehmern, die Ende Mai mit ihrer Ausbildung zum Fußballlehrer begonnen haben. Es ist der 66. Lehrgang beim Deutschen Fußball-Bund. Über 100 Bewerbungen waren hierfür eingegangen, rund drei Wochen nach der Eignungsprüfung hatte Onur Cinel die Gewissheit, dass er dabei ist. „Die Freude war natürlich riesengroß. Die Ausbildung zum Fußballlehrer beim DFB hat eine extrem hohe Wertigkeit – auch international“, sagt Onur Cinel, der auf Schalke für den Bereich Methodik, Spielkonzeption und Individualisierung verantwortlich ist.

Am Samstag bricht der 33-Jährige mit den weiteren Teilnehmern des Fußballlehrer-Lehrgangs, darunter sind auch ehemalige Profis wie Christoph Metzelder, Tim Borowski, Christian Rahn und Steven Cherundolo, nach Italien auf. Im Rahmen der dort und in San Marino stattfindenden U 21-Europameisterschaft wird den angehenden Fußballlehrern in Kleingruppen eine der zwölf teilnehmenden Mannschaften zugewiesen, deren Spiele sie in den folgenden sieben Tagen sehen und nach bestimmten Aspekten analysieren werden.

„Ich freue mich sehr auf die Aufgabe. Ich bin sicher, dass wir technisch und taktisch hochklassige Spiele sehen werden und im Team eine Menge erarbeiten werden“, sagt Cinel und ergänzt: „Sicher bleibt uns neben den Spielen auch noch etwas Zeit, damit wir uns untereinander noch besser kennenlernen können.“

Im Kader der deutschen U 21-Nationalmannschaft stehen mit Alexander Nübel und Suat Serdar sogar zwei Profis aus dem eigenen Verein. Stammtorwart Nübel spielte sogar einige Male für die Schalker U 23, als Cinel von März 2017 bis Juni 2018 Cheftrainer des ältesten Teams der Knappenschmiede war. „Ich freue mich sehr über die Entwicklung, die Alex gemacht hat, und traue ihm natürlich auch zu, eine starke U 21-EM zu spielen“, sagt er.

Präsenzphasen und Praktika

Bis April 2020, bis zu den Abschlussprüfungen, werden noch viele weitere spannende, aber auch arbeitsintensive Phasen der Ausbildung folgen. Dazu gehören auch neben 15 dreitägigen Präsenzphasen an der Sportschule in Hennef, zehn begleitete Anwendungsphasen im Verein sowie nationale und internationale Praktika und ein achtwöchiges onlinebasiertes Selbststudium. In England, so lautet Onur Cinels Plan, möchte er dem Staff von Manchester City über die Schulter schauen. Sollte Leroy Sané dann noch beim englischen Meister spielen, wird es ein Wiedersehen geben. Schließlich war Onur Cinel von Sommer 2014 bis März 2017 Co-Trainer der Schalker U 19, in der zu dieser Zeit auch der heutige deutsche Nationalspieler kickte. Praktika und Hospitationen beim FC Barcelona, FC Chelsea und Juventus Turin hat er bereits in den Vorjahren absolviert.

Zum Auftakt des 66. Fußballlehrer-Lehrgangs vor drei Wochen in Hennef hielten die Teilnehmer gleich eine Ansprache vor den neuen Kollegen, die gefilmt und anschließend analysiert wurde „Ich kenne das aus meiner Schulzeit eigentlich anders. Da ging es nach den Ferien erst mal etwas ruhiger zu. Beim Fußballlehrer-Lehrgang nicht. Aber das Eis war gleich gebrochen“, sagt Onur Cinel.

Eine besondere Aufgabe auf Schalke

Auf Schalke bekleidet der gebürtige Essener die neu geschaffene Stelle Methodik, Spielkonzeption und Individualisierung. Auf den Weg gebracht hat diese Aufgabe Peter Knäbel, der Technische Direktor Entwicklung auf Schalke. „Eine hochspannende Aufgabe, die sehr breitgefächert ist und mir viele Möglichkeiten gibt“, erklärt er. Vereinfacht ausgedrückt, gehe es um die Ausarbeitung der Spielphilosophie, um Trainingsmethodik und um Individualisierung – eben um die Erarbeitung methodischer Konzepte. Einen Teil seiner Arbeit erledigt der A-Lizenz-Inhaber, der in Gelsenkirchen-Buer wohnt, am Schreibtisch. Abends, wenn die Nachwuchsmannschaften auf dem Vereinsgelände trainieren, verfolgt er die Einheiten aber auch oft auf dem Trainingsplatz und macht sich Notizen. Auch die Organisation des Schultrainings, das vormittags stattfindet, fällt in seinen Bereich. „Die Trainingsmethodik und Trainingsinhalte sind aktuell die Schwerpunkte meiner Arbeit“, sagt Onur Cinel.

In Deutschland steht bislang nur noch beim VfB Stuttgart ein Methodik-Coach unter Vertrag – Andreas Schumacher. In England und auch in anderen Ländern Europas hätten viele Vereine diese Stelle bereits fest in ihren Strukturen verankert. „Ich bin mir sicher, dass in Deutschland der eine oder andere Klub schnell nachziehen wird“, sagt Schalkes Onur Cinel. „Es ergibt einfach Sinn, jemanden zu haben, der sich Tag und Nacht mit dem Thema Fußball beschäftigt.“

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