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Schalkes Schöpf schlägt Alarm: "Wir sind zu lieb zueinander"

Nachdenklich: Alessandro Schöpf hat im Trainingslager des FC Schalke 04 in Benidorm über die Situation in der Mannschaft gesprochen.

Nachdenklich: Alessandro Schöpf hat im Trainingslager des FC Schalke 04 in Benidorm über die Situation in der Mannschaft gesprochen.

Foto: DeFodi

Benidorm.  Im Trainingslager in Benidorm ist Schalkes Alessandro Schöpf nachdenklich. Er erklärt, welchen Spielertypen er vermisst und was er erwartet.

Alessandro Schöpf ist auf Schalke bislang nicht als Spielertyp aufgefallen, der die großen Reden schwingt. Das mag der Österreicher nicht. „Ich möchte schon vorangehen, aber auf dem Platz. Ich bin keiner, der mit Worten oder viel Rederei vorweg geht“, sagte er nach dem Training am Montagvormittag im Trainingslager in Benidorm.

Trotzdem hat der 24-Jährige Alarm geschlagen. Denn er spürt, was der Mannschaft derzeit fehlt: Ein Typ „Drecksack.“ Ein Spieler, der ohne Rücksicht auf Verluste vorangeht. Ein Spieler, der auch mal dazwischen haut, wenn es sein muss. Ein Spieler, der die anderen mitreißt. Diesen Charakter hat Alessandro Schöpf in der Hinrunde vermisst. Und den vermisst er bislang auch in den Einheiten im Wintertrainingslager in Spanien.

Schalkes Schöpf: Das ist alles gehemmt

„Wir sind auf dem Trainingsplatz zu lieb zueinander“, sagte der Nationalspieler. „In der Hinrunde habe ich es nie krachen sehen zwischen zwei Spielern. Dabei ist es normal, dass man sich auch mal in die Haare bekommt. Nach der Einheit gibt man sich dann die Hand und dann ist wieder alles okay. Das fehlt bei uns.“

Warum das so ist, vermag der Mittelfeldspieler nicht abschließend zu beantworten: „Vielleicht fehlt es ein bisschen an Ehrgeiz, vielleicht kommen wir nicht genug aus uns heraus. Das ist alles gehemmt. Ich wünsche mir, dass es im Training ein bisschen mehr kracht.“

Einsatz und Wille, das sagt auch Schöpf, sind den Spielern gar nicht abzusprechen. In den vier Tagen in Benidorm gab es natürlich auch schon mal eine Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Spielern oder einen härter geführten Zweikampf. Was aber fehlt, ist die Spannung. Wenn der 34 Jahre alte Michael Langer, hinter Kapitän Ralf Fährmann und Alexander Nübel die Nummer drei auf Schalke und quasi nur Sparringspartner für das Training, auffallend der lauteste Spieler auf dem Platz ist, kann etwas nicht stimmen.

Ob ein Spieler aus dem aktuellen Kader in der Lage ist, diese Rolle in der Rückrunde einzunehmen, weiß Schöpf genauso wenig wie die Antwort auf die Frage, ob noch Spieler verpflichtet werden, die ins Profil passen. Schöpf sagt aber: „Eine gewisse Verantwortung muss jeder Spieler übernehmen. Ich versuche immer, für mich und für die Mannschaft das Bestmögliche zu geben. Es macht Spaß, wenn ich merke, dass das der Nebenmann genauso macht. So war es in der vergangenen Saison. Man muss sich auf seine Mannschaft verlassen können.“

Vom Mannschaftsrat, den nach dem Abgang von Vizekapitän Naldo in der vergangenen Woche derzeit nur Ralf Fährmann, Benjamin Stambouli, Daniel Caligiuri und Guido Burgstaller bilden, erwartet Schöpf, dass Probleme gesehen und mit dem Trainerteam offen besprochen werden. „Ob sie das machen, weiß ich nicht. So nah bin ich nicht am Mannschaftsrat dran“, sagt er.

Schalke fliegt am Samstag zurück nach Deutschland

Von allen anderen Spielern erwartet Schöpf ab sofort mehr Power auf dem Trainingsplatz: „In der Hinrunde fehlte uns diese Energie. Es fehlte der unbedingte Siegeswille. Das gute Gefühl, das wir in der vergangenen Saison hatten, kann nur mit harter Arbeit im Training zurückkommen. Man spielt, wie man trainiert.“

Trainer Domenico Tedesco, der es ebenfalls vermeidet, Spieler während des Trainings besonders lautstark zu kritisieren, nimmt Schöpf von seiner Kritik aus. „Wenn der Trainer sieht, dass ein Spieler zu wenig bringt, schnappt er sich ihn nach dem Training und spricht das an. Das ist so seine Art. Das hat letztes Jahr gut funktioniert. Warum soll das in dieser Saison nicht mehr so sein“, sagt der Österreicher. Tedesco habe aber bemerkt, „dass in der Hinrunde die Professionalität, das unbedingte Wollen, dass das alles im Umfeld ein wenig schleifen gelassen wurde.“

In Benidorm bleiben der Mannschaft nach dem freien Montagnachmittag noch fünf Tage. Am Samstag geht es zurück nach Deutschland, gut eine Woche später beginnt die Rückrunde, in der Schalke Wiedergutmachung betreiben will und muss. Wenn am 20. Januar der VfL Wolfsburg auf Schalke zu Gast ist, zählt‘s. Ob mit oder ohne Drecksack im Team.

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