Schalke-Analyse

Taktik, Wechsel, Verlauf: Wagner erklärt Schalkes 2:1-Sieg

Glücklich nach dem dritten Sieg in Folge: Schalke-Trainer David Wagner.

Glücklich nach dem dritten Sieg in Folge: Schalke-Trainer David Wagner.

Foto: firo

Gelsenkirchen.  Drei Bundesligaspiele in Folge hat Schalke gewonnen. Doch nach dem 2:1 gegen Mainz 05 fand Trainer David Wagner einige Kritikpunkte.

Die Fans des FC Schalke 04 waren so euphorisch, dass sie nach dem 2:1-Erfolg über den FSV Mainz 05 am Freitagabend einen Sprechchor auspackten, den sie über ein Jahr nicht mehr gesungen hatten. "Die Nummer eins im Pott sind wiiiir", schmetterte die Nordkurve, nachdem Schalke vorübergehend auf den zweiten Tabellenplatz geklettert war.

Auch der neue Trainer David Wagner genoss die Ovationen nach dem dritten Sieg in Folge, doch 45 Minuten nach dem Abpfiff wirkte er in der Interviewzone demütig. "Wir wissen, dass es ein glücklicher Sieg war, und wir können unsere Leistung einschätzen", sagte Wagner und ergänzte: "Ich war überhaupt nicht einverstanden mit der zweiten Halbzeit. Da waren wir 40 Minuten lang sehr schlecht. Wir haben sehr fahrig Fußball gespielt," Aber er blickte auch nach vorn: "Wir können aus dem Spiel so wahnsinnig viel lernen, um weitere Schritte zu gehen."

Welche Dinge nicht funktionierten - und warum er einige Personalwechsel vornahm, erklärte Wagner dann auch noch.

  • Änderung in der Startelf - Weston McKennie spielt statt Mark Uth

Beim 5:1-Erfolg in Paderborn war Mark Uth noch erste Wahl. Diesmal rückte wieder Weston McKennie für ihn ins Team. "Das war eine ganz klare Entscheidung von meiner Seite. Mark hat fünfeinhalb Monate nicht gespielt, er hatte eine schwerwiegende Muskelverletzung. Jetzt hatten wir aber zwischen Paderborn am Sonntag und dem Mainz-Spiel am Freitag eine ganz kurze Woche. Ich hätte mich schwarz geärgert, wenn er von Anfang an gespielt hätte und es wäre was passiert. Dementsprechend war das ein Wechsel, weil ich kein Risiko eingehen wollte. Der Junge wird ganz, ganz wichtig für uns sein. Und wir müssen dafür sorgen, dass er gesund bleibt."

  • In der 60. Minute kommt Mark Uth für Suat Serdar ins Spiel

Beim Stand von 1:0 wechselte Wagner nach einer Stunde zum ersten Mal aus, Schalke hatte die zweite Halbzeit schwach begonnen. "Wir hatten wir nicht mehr die Ballsicherheit der ersten Halbzeit. Die Räume waren zu groß, wir konnten es nicht mehr verteidigen. Suat Serdar hat ein Superspiel gemacht in Paderborn, hat heute ein Supertor erzielt, aber diese Laufwege in den Strafraum, die er zum Beispiel bei seinem Tor gemacht hat, hatten wir zu wenig. Dementsprechend wollten wir mit Mark einen ballsicheren Spieler bringen, um mehr Ruhe in unser Spiel zu bringen. Das hat ehrlicherweise nicht funktioniert."

  • In der 76. Minute kommt Matija Nastasic für Weston McKennie ins Spiel

Innenverteidiger Matija Nastasic stand schon für eine Einwechslung bereit, als Karim Onisiwo für Mainz zum 1:1 ausglich (75.). Nastasic zog sich schnell wieder ein grünes Trainingsleibchen über, um es wenige Sekunden wieder auszuziehen. Wagner hielt an seiner Idee fest. "Wir wollten versuchen, mehr Ballsicherheit und mehr Stabilität ins Spiel zu bekommen. Weston McKennie hatte zudem schon eine Gelbe Karte bekommen und der Druck wurde immer größer." Nastasic rückte in die Innenverteidigung - und Benjamin Stambouli für McKennie ins Mittelfeld.

  • Amine Harit und Daniel Caligiuri tauschen in der zweiten Halbzeit teilweise die Seiten

In Schalkes Offensive griff Harit über die linke und Daniel Caligiuri über die rechte Seite an. Während der zweiten Halbzeit tauschten die beiden ab und an. Ein taktischer Kniff? Wagner sagte ehrlich: "In diesem Fall habe ich das den Jungs total offen gelassen: Wenn sie das Gefühl haben, es tut ihnen gut, die Position zu wechseln, dürfen sie das. Es ist ja ungut, wenn sich ein Gegenspieler auf einen anderen Typen einstellen muss. Und Amine ist ein anderer Typ als Cali. Dann hast du fünf Minuten einen Vorteil."

  • Gründe für die weitgehend schwache zweite Halbzeit

In der Pause, 1:0 führte Schalke, änderte Wagner nichts. "Wir haben in der zweiten Halbzeit nichts anderes gemacht als in der ersten. Wir wollten im eigenen Ballbesitz mit der 4-3-3-Taktik gegen die Mainzer Raute spielen. In der ersten Halbzeit haben wir die Räume nicht super, aber sehr gut bespielt. Wir waren verdient in Führung", erklärt Wagner. Die schwache zweite Halbzeit begründet er mit Konzentrationsfehlern bei eigenem Ballbesitz. "Wir haben den Ball viel zu schnell wieder abgegeben. Wir sind weggerutscht, hatten technische Probleme, haben uns nicht gut bewegt - und dann sind gegen eine Raute die Räume viel zu groß, weil du den Zehner und zwei Stürmer verteidigen musst. Die Räume konnten wir nicht schließen. Da wurde Mainz dominanter und dominanter, du verlierst Mut und Selbstvertrauen und es fällt verdient der Ausgleich."

  • Die Steigerung ab der 85. Minute mit der Krönung kurz vor Schluss

Dass seiner Mannschaft die Frische gefehlt hätte, könne sein, so Wagner. Aber er sagt: "Warum haben wir dann in den letzten fünf Minuten wieder zulegen können?" Was da im Stadion abgelaufen sei, sei "schon stark" gewesen. "Es ist eine Energie dagewesen, auf dem Platz, im Stadion. Die Nordkurve war voll da. Wir hatten Abschlussaktionen, es waren Mentalität und Spirit zu spüren. Und Amine hatte seinen genialen Moment."

  • Amine Harit ist weiter in Topform

Ein Tor, eine Vorlage - Amine Harit war der Mann des Tages bei den Königsblauen. In vielen Bereichen zeigt er sich verbessert. "Wir haben", sagt Wagner, "in der Vorbereitung darüber gesprochen, was seine großen Baustellen sind: Ballbesitz Gegner und Torgefahr - also Tore erzielen und vorbereiten. Wir haben das recht früh in der Vorbereitung besprochen. Seitdem arbeitet er daran, er ist total offen, er macht es gut."

Leserkommentare (4) Kommentar schreiben