Video-Beweis

Ex-Schalker Thon will frühere Profis als Video-Assistenten

Präsentiert Ideen, um die Umsetzung des Video-Beweises zu verbessern: Olaf Thon.

Präsentiert Ideen, um die Umsetzung des Video-Beweises zu verbessern: Olaf Thon.

Foto: Martin Möller / Martin Möller / Funke Foto Services

Gelsenkirchen.  Ex-Schalke-Profi Olaf Thon wirbt für eine Idee, um den Video-Beweis besser zu machen: Frühere Spieler könnten die Schiedsrichter unterstützen.

82 falsche Schiedsrichter-Entscheidungen wurden in der vergangenen Bundesliga-Saison durch die Video-Assistenten korrigiert – dies bilanziert der DFB in seiner Jahres-Auswertung. Gefühlt war die Wahrnehmung eine andere: Der Video-Beweis war in den Stadien immer noch zu oft ein Ärgernis. Olaf Thon ist trotzdem ein Verfechter der Technik, aber er hat sich Gedanken gemacht, wie man den Video-Beweis besser umsetzen könnte. Der 52-fache Nationalspieler fordert im Gespräch mit der WAZ: Ehemalige Bundesliga-Profis sollten die Video-Assistenten mit ihrer Erfahrung aus ihrer Zeit als Spieler unterstützen.

Olaf Thon stellt gleich zu Beginn des Gesprächs klar, dass er sich selbst nicht als künftigen Video-Assistenten sieht: „Ich bin schon in einem Alter, in dem das wahrscheinlich nicht mehr passt”, sagt der 53-Jährige. Aber jüngeren Spielern, die jetzt gerade am Ende ihrer Laufbahn stehen, sollte der Weg zu einer zweiten Karriere als Video-Assistent aufgezeigt werden. Thon ist sicher, dass die Erfahrung aus der Praxis helfen würde, so manche strittige Situation am Bildschirm für Spieler und Fans verständlicher zu bewerten: „Als Fußballer hat man ein ganz anderes Gefühl für die Situation. Was für uns ein faires Tackling ist, ist für manchen Schiedsrichter ein Foul.” Ein gemeinsamer Austausch könnte für mehr Nähe zur Praxis sorgen.

Eine Ausbildung wie für Trainer

Thon will ehemalige Fußballer nicht von heute auf morgen zum Video-Assistenten befördern: Er weiß, dass die Sichtweisen der Beteiligten dann zu unterschiedlich wären. Die Voraussetzung sei eine gezielte Ausbildung, erklärt der ehemalige Profi von Schalke 04 und Bayern München: „Man muss für diese Aufgabe zu 100 Prozent regelfest sein, das muss man lernen.” Dies sei aber kein Problem. Für eine Trainer-Ausbildung würden sich ehemalige Profis nach der Karriere ja auch noch einmal auf die Schulbank setzen – warum also nicht auch für eine zweite Karriere als Video-Assistent, argumentiert Thon.

Die Vorstellung des Weltmeisters von 1990: „Ein ehemaliger Fußballer könnte den Schiedsrichter zunächst bei dessen Aufgabe als Video-Assistent begleiten und unterstützen. Im Idealfall sollte er dann so ausgebildet sein, dass er auf Augenhöhe mit dem Schiedsrichter kommuniziert und vielleicht sogar eines Tages die Leitung übernimmt. Es muss immer einen geben, der dabei den Hut aufhat.” Thon verspricht sich von dieser Kombination Synergieeffekte: „Ein Schiedsrichter sieht nur die Regeln auf dem Papier, ein Fußballer bringt zusätzlich die Sichtweise aus der Praxis mit ein.”

Klares Bekenntnis zur Technik

Trotz allen Ärgers über zurückgenommene Tore, verfrühten Jubel und teils unverständliche Regelauslegung beim Betrachten der Fernseh-Bilder will Thon den Video-Beweis nicht verdammen, im Gegenteil. „Wir können die Technik nicht aufhalten, und das sollten wir auch nicht tun”, sagt der 53-Jährige. Der Video-Beweis würde nun zum Fußball dazugehören und man müsse sich damit beschäftigen, ihn besser umzusetzen. Dazu gehört auch, wann der Assistent vor dem Bildschirm überhaupt eingreifen darf. „Die Koordination muss besser geregelt werden”, fordert Thon und nimmt als Beispiel die ewigen Diskussionen übers Handspiel.

Szenen wie im Champions-League-Finale zwischen dem FC Liverpool und Tottenham (2:0), als es in der ersten Minute bereits einen Handelfmeter gab, seien keine Sache für den Video-Assistenten: „Das ist ein Ding, das der Schiedsrichter allein entscheiden muss. Wenn Tottenhams Sissoko im Sechzehner zehn Sekunden den Arm oben hat und getroffen wird, darf er sich nicht beschweren. Das ist dann keine Fehlentscheidung, sondern eine Interpretation, und die obliegt dem Schiedsrichter auf dem Platz.” Beim Champions-League-Finale war die Entscheidung des Schiedsrichters von seinen Helfern im Technikraum nochmals überprüft worden.

In der Bundesliga ist dieser Technikraum der Kölner Keller – für Thon ein unerträglicher Begriff, der dem ganzen Video-Projekt nur geschadet habe: „Dieser Begriff Keller muss weg, der ist negativ behaftet.“

Es soll eben nur niemand sagen, Thon will künftig ehemalige Profis als Video-Assistenten im Kölner Keller sitzen sehen: „Wir müssen aus dem Keller raus.“

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