VfL Bochum

3:3 nach 0:3 - Bochum holt einen Punkt nach Horror-Halbzeit

Erzielte für den VfL Bochum das 3:3 in der Nachspielzeit: Silvere Ganvoula.

Erzielte für den VfL Bochum das 3:3 in der Nachspielzeit: Silvere Ganvoula.

Foto: firo

Bochum.  Was für ein kurioses Spiel: Der VfL Bochum lag gegen den SV Wehen Wiesbaden mit 0:3 zurück - und hätte noch gewinnen können. Endstand: 3:3.

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Der VfL Bochum hat nach einer blamablen ersten Halbzeit noch einen Punkt gegen Aufsteiger SV Wehen Wiesbaden gerettet. Nach einem 0:3 zur Pause trafen Bapoh, Osei-Tutu und Ganvoula in der 90. Minute zum 3:3. Dabei hatte sich das Team von Trainer Robin Dutt in der ersten Halbzeit wie ein Absteiger präsentiert.

Trainer Robin Dutt setzte auf die zu erwartende Startelf, Milos Pantovic und Danny Blum rückten für die verletzten Chung-Yong Lee und Tom Weilandt ins Team. Bei Wiesbaden begann der unter der Woche verpflichtete Tobias Schwede, der Ex-Bochumer Gökhan Gül saß wie gehabt nur auf der Bank.

Rund 300 Bayern-Fans hatten sich im Vorfeld der Partie des FCB beim FC Schalke 04 zu den VfL-Anhängern in der Ostkurve gesellt, die Vereine verbindet seit Jahrzehnten eine Fan-Freundschaft. Damit wurde das mit 14.100 Zuschauern nur spärlich gefüllte Ruhrstadion zur ungeliebten Samstag-Mittagessen-Zeit bei strahlendem Sonnenschein zumindest ein wenig voller.

Grober Patzer von Armel Bella-Kotchap vor dem 0:1

Doch nicht das Heimteam, sondern die Gäste übernahmen sofort die Initiative, griffen den offenbar total überraschten VfL früh an, und die Bochumer torkelten von einer Verlegenheit in die nächste. Manuel Schäffler, Wehens Stoßstürmer, konnte schalten und walten wie er wollte.

Nach einer Ecke köpfte er übers Tor, seinen Schuss aus elf Metern konnte Torwart Manuel Riemann noch festhalten, ehe er machtlos war. Armel Bella-Kotchap, der 17-jährige Innenverteidiger, leistete sich in der eigenen Hälfte im Spielaufbau einen katastrophalen Fehlpass in die Füße von Schäffler, der den Gegenstoß direkt einleitete. Marvin Ajani legte zurück, Schäffler vollstreckte ins linke Eck. 1:0 für Wehen Wiesbaden, 9. Minute. Genau das wollte Bochum vermeiden, erneut einem Rückstand hinterher zu hecheln.

Wiesbaden ist viel präsenter, griffiger, energischer

Und weiter ging es, Wiesbaden war deutlich präsenter und energischer, der Schlenzer von Maximilian Dittgen strich nur knapp übers Gehäuse. Erst jetzt meldete sich Bochum im Spiel an und hatte die Riesenchance zum Ausgleich. Nach einem Querpass von Silvere Ganvoula hatte Danilo Soares Zeit und freie Bahn, doch er scheiterte aus kurzer Distanz kläglich.

Der nächste Schock folgte prompt, die Defensive entpuppte sich als Chaos pur, keine Zuordnung, kein Zugriff, kein Zweikampfverhalten. Simon Lorenz verlor das Kopfballduell, in der Mitte versenkte letztlich Maximilian Dittgen, einer von vielen allein gelassenen Wiesbadenern. 0:2 nach 19 Minuten. Dem VfL drohte ein Debakel.

Fans rufen: Wir wollen euch kämpfen sehn

Die Fans in der Kurve antworteten: „Wir wollen euch kämpfen sehn“, riefen sie geballt. Mehr als ein Volleyschuss von Blum nach scharfer Pantovic-Flanke kam zunächst nicht dabei herum. Und als der Schiedsrichter zur ersten Trinkpause pfiff Mitte der ersten Halbzeit, gab es auch von vielen Anhängern Pfiffe.

Bapoh kommt für Bella-Kotchap

Trainer Robin Dutt reagierte, er nahm den völlig verunsicherten Jungprofi Bella-Kotchap vom Feld, für ihn kam Stürmer Uli Bapoh, der auf den rechten Flügel ging. Simon Lorenz übernahm nun als linker Innenverteidiger, Pantovic, eigentlich eine Offensivkraft, musste als Rechtsverteidiger einspringen - ein Beispiel für das Dilemma des VfL. Glück für den VfL: Nach einer Flanke von rechts gewinnt Schäffler das Kopfballduell gegen den schwachen Saulo Decarli, doch der Ball prallt an die Latte. Bochum war mit dem 0:2 noch gut bedient, ehe der VfL sich doch fast zurückgemeldet hätte gegen eine ja keinesfalls starke Abwehr der Gäste.

Pantovic träumt vor dem 0:3 - Fans klettern über den Zaun

Nach Klasse-Pass von Maier zog Ganvoula allein aufs Tor zu, doch seinen schwachen Schuss konnte Keeper Lukas Watkowiak ebenso parieren wie den noch harmloseren Nachschuss von Ulrich Bapoh (42.). Dann brachen endgültig alle Dämme: Wiesbaden spielte Männer-, Bochum Jugendfußball. Pantovic träumte, ließ sich im Strafraum den Ball abnehmen, die Lupfer-Flanke auf den langen Pfosten köpfte Schäffler ein - Soares kam nicht hin, Lorenz konnte auf der Linie nicht klären. Und einige Fans des VfL kletterten erbost über den Zaun. Ein gellendes Pfeifkonzert war die Quittung für die in jeder Hinsicht enttäuschenden VfL-Profis. „Absteiger, Absteiger“, hallte es aus der Ostkurve.

Denn ohne Zweikämpfe kann man in der 2. Bundesliga nicht bestehen.

Bapoh erzielt das 1:3 nach einer Ecke

Bochum kam früh aus der Kabine, Manuel Riemann schwor seine Vorderleute noch einmal ein, der VfL begann engagierter, blieb aber konfus und verunsichert in seinen Aktionen. Maier köpfte den Ball zurück in die Füße des SV Wehen, doch Riemann konnte parieren (51.).

Und es keimte Hoffnung auf: Nach einem Eckball von Blum köpfte Bapoh das 1:3 (56.). An den Fans lag es nicht, im Gegenteil: Sie unterstützten ihren VfL weiterhin nach Kräften, trotz der Null-Leistung in Halbzeit eins. Der VfL drückte nun für ein paar Minuten, ging endlich konsequent zur Sache, machte hinten dabei natürlich auf, Dittgens Kopfball war leichte Beute für Riemann (63.).

Rote Karte für Bapoh

Nach 67 Minuten kam der schnelle Außenspieler Jordi Osei-Tutu für Zentrums-Mann Vitaly Janelt, Bapoh rückte nun als echte zweite Spitze vor, Osei-Tutu übernahm die rechte offensive Seite. Lange Zeit ging der Plan trotz guter Dribblings der Arsenal-Leihgabe nicht auf, ehe Osei-Tutu mit einem feinen Volleyschuss zum 2:3 verkürzte (86.). Und nach Osei-Tutus Pass kam Bapoh im Zweikampf mit Torwart Watkowiak zu Fall. Elfmeter Bochum in Minute 90 - und Ganvoula blieb nervenstark, vollstreckte zum 3:3. Fast hätten Bapoh und Ganvoula nachgelegt, ehe die Partie mit einer Tätlichkeit von Bapoh und der Roten Karte für den Jungprofi unrühmlich endete.

So spielen der VfL Bochum und der SV Wehen Wiesbaden

Bochum: Riemann - Lorenz, Decarli, Bella Kotchap (28. Bapoh), Danilo Soares - Losilla, Janelt - Pantovic, Maier, Blum - Ganvoula. Trainer: Dutt

Wehen: Watkowiak - Kuhn, Mockenhaupt, Mrowca, Niemeyer - Lorch (31. Dams), Ayani (43. Shipnoski) - Schwede, Chato, Dittgen - Schäffler. Trainer: Rehm

Schiedsrichter: Daniel Schlager (Hügelsheim)

Tore: 0:1 Schäffler (10.), 0:2 Dittgen (19.), 0:3 Schäffler (45.), 1:3 Bapoh (56.), 2:3 Osei-Tutu (87.), 3:3 Ganvoula (90., Foulelfmeter).

Rote Karte: Bapoh (VfL Bochum/90.+4).

Der Live-Ticker zum Nachlesen:

Bochum - Wehen 3:3
Hannover - Fürth 1:1
Regensburg - Bielefeld 1:3
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