VfL Bochum

Bochums Saulo Decarli: „Ich gehe gerne voran“

Steht in der ersten Reihe: Saulo Decarli, neuer Innenverteidiger des VfL Bochum.

Steht in der ersten Reihe: Saulo Decarli, neuer Innenverteidiger des VfL Bochum.

Foto: firo Sportphoto/Ralf Ibing

Bochum.  Saulo Decarli soll die Abwehr des VfL Bochum führen - nach der „größten Enttäuschung in meiner Karriere“ beim FC Brügge.

Privat sei er ja eher verschlossen, sagt Saulo Decarli. Davon ist im Pressegespräch aber gottlob nichts zu spüren. Der Schweizer ist offen, lebendig und mitteilsam. Dass man ihn den künftigen Abwehrchef des VfL Bochum nennt, gefällt ihm zwar nicht so sehr, weil er mit derlei „Titeln“ nichts am Hut habe, aber vorangehen, sagt er, tue er schon gerne: „Ich war schon mit 19 Kapitän.“

Der 27-jährige Innenverteidiger ist offensichtlich froh, dass er wieder zurück ist in Deutschland, in dieser „komischen Liga mit den großen Namen“, wie er sagt. Über seine jüngere Vergangenheit möchte er zwar „nicht konkret“ werden, haut dann aber einen Satz raus, der Wucht hat: „Das war die größte Enttäuschung meiner Karriere. Und ich habe wirklich alles gegeben.“ Gleichwohl will er nicht alles „schwarz reden“, will seine Zeit in Belgien, in dieser schönen Stadt Brügge, nicht nur auf Fußball reduzieren.

Decarli, der Mann aus Locarno, dem Ticino, das an der Nahtstelle zu Italien liegt und so ziemlich die herrlichsten Seen Europas offeriert, ist Kosmopolit, spricht italienisch, deutsch, spanisch, französisch und englisch. Er beschäftigt sich ganz offensichtlich nicht nur mit Fußball. Gefragt, ob er nach der Spieler-Karriere dem Metier treu bleiben werde, kommt ein Entschiedenes: „Dann werde ich etwas anderes machen.“

Schweizer Nationalteam bleibt ein Traum

Im Hier und Jetzt aber geht es um Fußball, um Ehrgeiz und um alte und dennoch jung gebliebene Träume. Mit Braunschweig hat es Decarli trotz einer 66-Punkte-Saison nicht in die Bundesliga geschafft, da ist also noch etwas, das bohrt. Und die Nationalmannschaft, sagt er, sei „immer noch mein Traum, ich will aber nicht zu weit schauen“. Jetzt steht der VfL Bochum im Vordergrund, die eigene Gesundheit und die Spielpraxis, der Erfolg des Einzelnen wie der Erfolg des Ganzen.

„Ich habe immer große Ziele“, sagt der Vater von zwei Kindern, der trotz seiner erst 27 Jahre in Bochum schon zu den älteren Spielern zählen wird. „Wir haben viele junge Spieler, das ist eine neue Rolle für mich und eine große Herausforderung.“ Decarli, der Vielgereiste, der schon in Belgien und Italien gespielt hat, ist jetzt Führungsspieler.

Guter Draht zu Trainer Lieberknecht

Das Ende in Braunschweig war nichts für zarte Seelen. Er wurde suspendiert, hat aber gleichwohl noch einen guten Draht zu seinem ehemaligen Trainer Torsten Lieberknecht, den er nicht verantwortlich macht für die damaligen Geschehnisse. Und der Eintracht wünscht er trotz allem eine bessere Zukunft: „Ich hoffe, dass es da schnell wieder nach vorne geht.“

Aber wie ist er in Bochum angekommen? Offenbar gut. „Der Anfang ist wichtig, in die Kabine zu kommen und sich wohlzufühlen. Ich bin ganz schnell integriert worden“, sagt er. Außerdem: „Ich freue mich, persönliche Ziele und die Ziele des Vereins kombinieren zu können.“

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