Bundesliga

Westfalen gegen Bayern im unsportlichen Vergleich

Fesche Damen, nicht wahr? Auch Westfälinnen füllen, wenn es sein muss, ein Dirndl gut aus. Das Bild entstand auf dem 5. Oktoberfest in der Arena Oberhausen.

Foto: Ulla Emig

Fesche Damen, nicht wahr? Auch Westfälinnen füllen, wenn es sein muss, ein Dirndl gut aus. Das Bild entstand auf dem 5. Oktoberfest in der Arena Oberhausen. Foto: Ulla Emig

Essen.   Das Bundesliga-Topspiel rückt näher. Zwei Fußball-Giganten treffen aufeinander. Aber wer ist der Beste? Westfalen oder Bayern? Die Antwort liegt nicht allein auf dem Platz. Wir vergleichen die Gegner historisch, politisch, landschaftlich und sprachlich. Am Ende gibt es nur einen Sieger.

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Wer hat im Bundesliga-Topspiel am Ende die Nase vorn? Borussia oder Bayern? Um die Chancen zu analysieren, richten wir hier den Blick weit über das Sportliche hinaus. Es ist der ultimative Vergleich zwischen Westfalen und Bayern. Streng wissenschaftlich und in allen Disziplinen.

Und es kann nur einen Sieger geben!

Der Ländervergleich zum Champions-League-Finale in Textform 


Sprache:

„Ja mei.“ „Mia san mia.“ „Halleluja, Luja, Luja sog I. Zefix Halleluja.“ Nun, was sich da tief in der Kehle des Bayern zusammenbraut, ist tatsächlich Sprache. Westfalen sprechen generell nicht so viel wie Bayern. Sie lieben die klare Ansage: „Jau“, „Is klar“, „Klappe halten“. Bayern wirken häufig unentschlossen (Schau’n mer mal“), Westfalen eindeutig („Bringt eh nix“) Der „Spezi“ ist hier ein „Kumpel“, der Ministerpräsident eine Frau. Die Heilige Barbara, also die Schutzpatronin der Bergleute, freut sich über jeden, der „Luja“ sagt. Der Sprachvergleich endet unentschieden.

Landschaft:

Berge haben beide. Die Berge der Bayern sind hoch und zerklüftet, die Berge der Westfalen flach und bewaldet. Ein Bayer könnte durchs Sauerland fahren, ohne dort je bewusst einen Berg zu sehen. Ein Westfale steht auf der Zugspitze und fühlt sich dort oben wie auf dem Kahlen Asten: es ist kühl, die Sicht ist spektakulär schlecht, der Rucksack drückt. Unentschieden

Seen:

Das „bayerische Meer“ heißt Chiemsee, das „westfälische Meer“: Möhnesee. Dem Bayern völlig unbekannt ist der Phoenixsee in Dortmund-Hörde. Dabei kündet dieses Gewässer von einem Wunder. Nur Westfalen können ein Stahlwerk in einen Freizeitsee verwandeln. Die letzten Bauplätze am Ufer kosten schon so viel wie Grundstücke in München. Weil sich kein Bayer je an diesen See legen wird, wird auch kein Bayer je den Sonnenuntergang hinter dem Stahlgerippe von Phoenix-West sehen. Schade! Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, ist es besser, viel besser als man glaubt. … Vorteil für Westfalen

Bier:

Westfalen sagen zu Weißbier „Weizenbier“. So drücken sie ihre Geringschätzung für das seltsame Schaumgebräu aus dem Süden aus. In Dortmund, Warstein, Iserlohn, Münster steht abends ein Pils auf dem Tisch. Zuweilen auch zwei, drei oder zehn. Einige westfälische Brauereien experimentieren übrigens mit Weizenbier. Mit Erfolg: Die Menschen bleiben dem Pils treu. Vorteil für Westfalen

Autos:

Ein schwieriges Kapitel für Westfalen. BMW verspricht „Freude am Fahren“. Der Name Bayern gehört schon zum Autonamen dazu. Opel, also sozusagen die „Westfälischen Motorenwerke“, ist abgefahren. Stiehlt sich aus der Region und hinterlässt Ärger und Frust. Manta-Manni kann es nicht fassen, seine Liebste lässt ihn sitzen. Der BVB wirbt noch für das sinkende Schiff. Vorteil für Bayern.

Geschichte:

Die Bayern hatten einen flippigen Sonnenkönig, die Westfalen ihre Stahlbarone. Die Unterschiede zwischen den Herrschaften lassen sich an diversen Bauwerken ablesen, die sie der Nachwelt hinterlassen haben. Schloss Neuschwanstein ist Experten zufolge geringfügig malerischer als der Gasometer in Oberhausen. Die Gründer des BVB haben darauf verzichtet, den Verein „Westfalia“ zu nennen. Wäre auch viel zu naheliegend gewesen. Der BVB trägt stattdessen „Preußen“ im Namen. Für Bayern sind Preußen „Saupreiß“. Borussen dürfen sich davon durchaus angesprochen fühlen. Historisch schießt Westfalen aber den Vogel ab: der Westfälische Friede hat den ganzen Kontinent nach 30 Jahren Krieg befriedet. Ein Finale für die Galerie. Pazifisten-Champions für alle Ewigkeit. Vorteil für Westfalen

Politik:

Der Bayer ist politisch rabenschwarz und katholisch, der Westfale eher rot und solidarisch. Jedenfalls der Ruhrpott-Westfale. Sauerländer gelten als konservativ, ihre Gesinnung spielt schon leicht ins Bayerische. Dortmund gilt als Herzkammer der SPD, München ist das irgendwie auch. SPD-OB Christian Ude bringt so manchen Christsozialen an den Rand des Herzinfarkts. Bayern würden immer noch Franz-Josef Strauß wählen, Dortmunder Willy Brandt. Der Vergleich endet: unentschieden.

Feste/Brauchtum:

Der Bayer begrüßt die ganze Welt auf der „Wiesn“, der Westfale begrüßt seinen Nachbarn auf dem Schützenfest. Am Ende liegen sich alle – der Bayer, die Welt, der Westfale und sein Nachbar – in den Armen und freuen sich. Unentschieden

Wirtschaft:

Der Bayer pflegt seinen Ruf als Laptopträger in Lederhosen. Er leidet aber wie ein Hund, weil die Schwaben ihm jenen Spruch weggeschnappt haben, den er selber so gerne hätte: „Wir können alles außer Hochdeutsch.“ Der Westfale kann Hochdeutsch, aber sonst fast nichts. Höchstens Fußball spielen. Die Arbeitslosenquote in Gelsenkirchen liegt ungefähr 600 Prozent über der von Garmisch-Partenkirchen. Alle Wirtschaftsindikatoren, Armuts-Indexe, Gewinnerwartungen sprechen für Bayern. Aber ich sag’s noch einmal: Westfalen können Fußball spielen, und Geld schießt keine Tore. Also: Vorteil Westfalen.

Parks:

Der Englische Garten in München ist das Paradies für Nackerte. „Die Nackerten im Englischen Garten gehören zu München wie die Tauben auf dem Markusplatz zu Venedig“, schrieb die Süddeutsche Zeitung, und die muss es ja wissen. Laufen Sie mal nackert durch den Westfalenpark! Westfalen lieben Tauben übrigens mehr als Nackerte. Sie dienten ihm einst als Rennpferd-Ersatz. Westfalen hat also auch was von Venedig, nämlich die Taubenscheiße. Wirklich vorteilhaft ist das nicht. Bei den Parks liegen die Bayern vorn.

Wetter:

Westfälisches Wetter ist etwas, was in keinem Reiseführer Erwähnung findet. Es ähnelt dem englischen. Westfälisches Wetter verdirbt den Ausflug in den Park, schadet der Wirtschaft, lässt Schützenfeste ins Wasser fallen und den Opel rosten. Der Bayer muss nicht so viel mit seinem Wetter granteln. Nur wenn Föhn ist, ist der Bayer neben der Spur. Vorteil für Bayern

Das Ergebnis:

Bayern: 3 Vorteile

Unentschieden: 4

Westfalen: 4 Vorteile

Fazit: Die Westfalen sind noch einen Tick stärker. Bayern, zieht Euch warm an!

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