Biathlon

Dafür lässt Maren Hammerschmidt gerne die Hüllen fallen

Winterberg/Sjusjøen.   Maren Hammerschmidt setzt sich seit Jahren für den Tierschutz ein. Doch so weit ging sie noch nie. Für eine Peta-Kampagne ließ sie sich nackt fotografieren. Aus dem Trainingslager des Weltcup-Teams in Norwegen äußert sie sich dazu.

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Es ist kalt in Sjusjøen. Minus sieben Grad bei Sonnenschein, nur wenige Wolken und fast gar kein Wind – das prognostiziert der Wetterbericht für diesen Donnerstag. „Wir sind wirklich im Winter-Wonderland angekommen“, sagt Maren Hammerschmidt im Gespräch mit der Westfalenpost fröhlich.

Zu jeder Trainingseinheit der deutschen Biathleten im norwegischen Skisportzentrum nordöstlich von Lillehammer zieht sie sich ihre Mütze über die Ohren und tief in die Stirn, schlüpft mit den Händen in die schützenden Handschuhe und achtet penibel darauf, dass die Kälte auch sonst keine Angriffsfläche an ihrem Körper findet. Nach den Runden im Biathlonstadion huschen Hammerschmidt und Co. schnell wieder in ihre wohlig warmen Hütten.

Warm ist es am Tag dieses Fotoshootings ebenfalls gewesen. Es war Ende Juli, als die Biathletin aus Winterberg das Fotostudio betrat, in dem sie eine Premiere erleben sollte. „Ich fand die Idee sofort megacool“, erzählt die 27-Jährige rückblickend, „aber in dem Moment als es ernst wurde, war das für mich natürlich nicht so leicht.“

Der Moment, als es ernst wurde, war der Augenblick, in dem Hammerschmidt den roten Bademantel ablegte – und sich zum ersten Mal nackt fotografieren ließ.

„Lieber nackt als im Pelz“

Die Weltcup-Biathletin aus dem Hochsauerland ist der aktuelle Star der Kampagne „Lieber nackt als mit Pelz“, mit der die Tierschutzorganisation Peta auf das Schicksal der Millionen Tiere aufmerksam macht, die jedes Jahr für Pelzbommel, Pelzverbrämungen an Kapuzen und Handschuhen sowie für Pelzjacken und -mäntel ermordet werden.

Hammerschmidt möchte mit ihrer Pose und ihrem Gesichtsausdruck auf dem Bild andeuten, wie beengt die Tiere in den Käfigen sind und wie sehr der Platzmangel sie quält. „Niemand benötigt Pelzbesatz an Jacken, Mützen oder Handschuhen“, sagt die Athletin des SK Winterberg mit fester Stimme und ergänzt: „Ich kann nicht verstehen, wie ein denkender, mitfühlender Mensch dieses Tierleid akzeptieren und tolerieren kann.“

Sie engagierte sich bereits als Jugendliche gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Janin für Tierrechte und unterstützt seit Jahren aktiv das Tierheim der Tierfreunde Münster. Nach der zurückliegenden Weltcup-Saison reiste die Zollbeamtin mit ihrer Schwester und Freunden in die Hunde-Auffangstation des Freundeskreises Brunopet in die rumänischen Karpaten, um vor Ort tatkräftig mit anzupacken. „Mir wurde schon als kleines Kind beigebracht, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen und eben nicht wegzuschauen, wenn ich ein Tier sehe, welches in einer hilflosen Lage ist“, sagt Maren Hammerschmidt, die sich seit vielen Jahren fleischfrei ernährt.

Der Besuch in Rumänien und die Berichterstattung darüber habe laut Hammerschmidt den Ausschlag gegeben, „dass die Leute von Peta freundlich auf mich zugekommen sind und mich gefragt haben, ob ich die Kampagne unterstützen wolle“. Und wie sie wollte. „Ich musste gar nicht lange überlegen“, erzählt sie.

Dass sie im Evakostüm zum Beispiel auf großen Plakatwänden zu sehen sein wird, schreckte weder sie ab, noch reagierten ihre Eltern im oft als konservativ geltenden Sauerland entsetzt. „Meine Familie hat die Bilder vorab gesehen und war begeistert. Sie sind ja auch schön und ästhetisch“, sagt Hammerschmidt. „Außerdem stehe ich voll und ganz hinter der Kampagne und ihrem Inhalt – und würde das sofort wieder machen.“

Weltcup-Auftakt in Östersund

Vorerst steht für sie allerdings der Sport wieder im Vordergrund. Bis zum 25. November befinden sich die deutschen Weltcup-Biathleten noch in Sjusjøen, dann reisen sie zum Weltcup-Auftakt ins schwedische Östersund. Nach der erfolgreichen vergangenen Saison, in der sich Maren Hammerschmidt im Weltcup und in der erweiterten Weltspitze etablierte, möchte sie ihre Leistung nun mindestens bestätigen.

„Ich bin fit und die Vorbereitung läuft wie gewünscht“, sagt sie. „Wir sind seit Montag in Norwegen und finden super Bedingungen vor.“ Denn im Gegensatz zum vergangenen Jahr liegt viel Schnee in Sjusjøen – und es ist so kalt, dass man sich selbst beim Sport dick anziehen muss.

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