Biathlon

Darum liegt dieser Trainer Maren Hammerschmidt auch zu Füßen

Maren Hammerschmidt, Biathletin des SK Winterberg, mit dem Neuroathletik-Coach Steffen Tepel. 

Maren Hammerschmidt, Biathletin des SK Winterberg, mit dem Neuroathletik-Coach Steffen Tepel. 

Foto: Privat

Winterberg.  Biathletin Maren Hammerschmidt feiert bei der DM ihr Comeback nach langer Verletzungspause. So trainiert sie gegen ihre größte Schwäche.

Olympische Spiele, Weltmeisterschaften, unzählige Weltcuprennen – Maren Hammerschmidts Vita strotzt vor Wettkampferfahrung. Und trotzdem konnte sie sich des komischen Gefühls vor dem ersten Teil der Deutschen Meisterschaften auf Skirollern nicht erwehren. „Es herrscht schon nicht wenig Druck“, erklärte die Sportlerin des SK Winterberg.

Denn für sie ist diese DM besonders, sehr besonders.

Mit ihren Starts im Hohenzollern-Skistadion am Arber im ersten Teil der Titelkämpfe, der zweite wird am kommenden Wochenende in der Chiemgau-Arena in Ruhpolding ausgetragen, feierte die 29-Jährige nach einer über einjährigen Verletzungspause ihr Biathlon-Comeback. Bereits angeschlagen war sie vor Jahresfrist bei der DM gestartet, es folgten eine Fuß-Operation und darauf das komplette Saison-Aus.

Jetzt ist die Staffel-Weltmeisterin von 2017 zurück im Geschäft. Im Sprint über 7,5 Kilometer sowie in der Verfolgung über zehn Kilometer belegte die sympathische Sauerländerin jeweils den achten Platz. „Ich bin froh, endlich wieder am Start stehen zu können“, sagte sie anschließend erleichtert und ergänzte: „Es geht weiter, Schritt für Schritt.“

Lückenkemper sorgt für Aufsehen

Hammerschmidt verfolgt ein klares, wenn auch anspruchsvolles Ziel: Sie möchte zurück in die deutsche Weltcupmannschaft und muss sich bei der DM für einen der noch vier freien Plätze qualifizieren. Franziska Preuß und Denise Herrmann sind auf Grund ihrer Leistungen im vergangenen Winter gesetzt. Hammerschmidt sowie den Schwestern Karolin und Nadine Horchler, die aus Ottlar stammen, steht hingegen ein harter Wettkampf bevor.

Um in diesem besser gerüstet zu sein als die Konkurrentinnen, begab sich die Winterbergerin in den vergangenen Monaten auch auf für sie bislang unbekanntes Terrain. Hammerschmidt entdeckte das Neuroathletik-Training für sich – und möchte dadurch vor allem ihre Schwachstelle verbessern: Die Leistung am Schießstand. Dafür arbeitete sie mit Neuroathletik-Coach Steffen Tepel in Winterberg und in ihrer Wahl-Heimat Ruhpolding.

Vereinfacht gesagt geht es beim Neuroathletik-Training darum, die Verbindung zwischen Gehirn und Körper zu optimieren. Eine prominente Sportlerin, die ebenfalls auf Neuroathletik schwört, ist die aus Soest stammende Sprinterin Gina Lückenkemper. Sie sorgte für Aufsehen, als sie preis gab, dass sie vor Trainingseinheiten an einer Neun-Volt-Batterie leckt, um über die Zunge gewisse Hirnregionen zu aktivieren und dadurch Lernprozesse ein wenig zu beschleunigen.

Eine komplette Saison fehlt

„Das habe ich auch mitbekommen, aber, nein, ich lecke jetzt nicht an Batterien“, sagte Maren Hammerschmidt schmunzelnd. Bei ihr sei ein Trainingsziel zum Beispiel, das Gleichgewicht besser halten zu können. „Wir haben mit speziellen Atemübungen oder mit Akustik gearbeitet“, erklärte sie.

Mal trug sie Kopfhörer, über welche sie mit gewissen Frequenzen beschallt wurde, mal lief Steffen Tepel mit den Fingern schnipsend um sie herum – oder lag ihr gar zu Füßen. „Mir hat das Training mit Steffen in Winterberg und Ruhpolding super viel Spaß gemacht“, erzählte Hammerschmidt, „das ist ein cooles Tool und einige Übungen habe ich in meine Trainingsroutine eingebaut.“

Ein Mosaiksteinchen im großen Ganzen sei die Neuroathletik, erklärte die Winterbergerin, die insgesamt auf eine „wirklich gute Sommervorbereitung“ zurückblickte. „Aber mir fehlt auf Grund der Verletzung eine komplette Saison an Trainings- und Wettkampfintensität“, sagte die 29-Jährige. Teil eins der DM zeigte allerdings mit den zwei achten Plätzen: Mit Maren Hammerschmidt ist wieder zu rechnen.

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