Skeleton

Jacqueline Lölling will WM-Titel im Skeleton verteidigen

Jacqueline Lölling jubelt im Februar 2017 in Schönau am Königssee über den Titelgewinn bei der WM.

Jacqueline Lölling jubelt im Februar 2017 in Schönau am Königssee über den Titelgewinn bei der WM.

Foto: Peter Kneffel/dpa

Whistler/Winterberg.  In Whistler gehört der Skeleton-Star von der RSG Hochsauerland wieder zum Kreis der Topfavoritinnen. Doch über der Vorbereitung lag ein Schatten.

Jacqueline Lölling möchte über dieses sehr emotionale Thema eigentlich nicht sprechen. Weil es privat ist. Und weil sie ab diesem Donnerstag im kanadischen Whistler ihren Titel als Weltmeisterin im Skeleton verteidigen will. Das wird für die 24-jährige Athletin der RSG Hochsauerland, die aus Brachbach im Siegerland stammt, schon aus einem anderen Grund schwierig genug: Denn die Hochgeschwindigkeitsbahn stellt Pilotinnen und Piloten von Lauf zu Lauf vor immer neue Aufgaben.

„Whistler halt“, sagt Skeleton-Star Jacqueline Lölling. „Man muss sich erstmal wieder an die Bahn gewöhnen.“ Im Training gelang ihr das in dem einen Lauf, in dem anderen wieder nicht. „Wir waren in diesem Winter auf keiner Bahn, die annähernd so schönes Eis hatte wie die in Whistler jetzt“, erzählt die Brachbacherin, „aber sie ist sehr, sehr hart und hat kaum Grip, was es umso schwieriger macht, den Schlitten zu lenken.“

Dirk Matschenz teilt Löllings Einschätzung. „Überall in den Übergängen und in den Kurven ist mehr Eis, was etwas angepasste Lenkintensitäten erfordert“, erklärt der Chef-Bundestrainer. Matschenz ergänzt: „Das ist aber nicht das Problem, sondern dass es in den vorhergegangenen Wochen so kalt hier war, dass das Eis so kompakt ist. Diese Eisoberfläche macht es schwierig, genug Grip zu haben und die Lenkbewegungen zielgerichtet umzusetzen.“

Die Suche nach der einen Fahrlinie, welche die Chance auf die Goldmedaille bietet, ist in Whistler noch schwieriger als woanders.

Titelgewinn am Königssee

„Bei den Damen ist es mit den Vorleistungen von Jaqueline und Tina (Herrmann, Anm.d.Red.) natürlich so, dass wir uns eine Medaille erhoffen“, sagt Matschenz. „Aber es gibt vier Läufe, in denen viel passieren kann. Eine Garantie für eine Medaille gibt es nicht.“ Lölling, die 2017 bei der WM am Königssee den Titel gewann und im vergangenen Jahr bei den Olympischen Winterspielen die Silbermedaille holte, weiß das. „Ich werde mein Bestes geben und dann ist alles drin – sowohl nach vorne als auch nach hinten“, sagt sie.

Die Suche nach der Ideallinie und dem passenden Material ist aber nur ein Grund, warum sie ihre Trainingsläufe intensiv analysiert und akribisch am Schlitten arbeitet. Der andere ist Ablenkung von dem Thema, über das sie eigentlich gar nicht sprechen möchte.

Sie tut es aber doch. Ein wenig zumindest. Weil sie, als ihre Oma im Sterben lag, vor dem Weltcup-Finale in Calgary aus Kanada abreiste und erst später als der Rest des Teams zur WM in Whistler eintraf. Lölling verzichtete dadurch auf die Chance, ihren Gesamtweltcup-Sieg vielleicht doch zu verteidigen, und auf den Teamwettbewerb bei der WM, der ihr zusätzliche Fahrten beschert hätte.

Die Familie geht vor – immer

„Körperlich geht es mir sowieso gut“, sagt sie. Und ansonsten gehe es ihr auch gut, „weil das Tagesprogramm auf Grund meiner späteren Anreise vollgepackt ist“. Ob sie daran dachte, auf einen Start bei der WM zu verzichten? „Dazu möchte ich nur so viel sagen: Die Familie geht bei mir definitiv vor und dann muss der Sport hinten anstehen, egal, ob es sich um ein Weltcuprennen oder eine WM handelt.“

An diesem Donnerstag und am Freitag liegt ihr Fokus auf den Titelkämpfen und dem Projekt Titelverteidigung. „Aber ich bin auch froh, wenn die Saison vorbei ist und ich wieder nach Hause kann“, sagt Lölling. Am liebsten mit dem großen WM-Pokal – auch für die Oma, die vor einem Jahr noch zu den enthusiastischen Jacka-Fans gehörte, die ihren Star beim Public Viewing zu den Olympischen Winterspielen in der Bärenschenke in Brachbach so leidenschaftlich anfeuerten.

Das sagt Alexander Gassner

Weltcup-Aus kurz vor Weihnachten, Pech im zweitklassigen Intercontinental-Cup – und trotzdem startet Alexander Gassner an diesem Donnerstag bei der Weltmeisterschaft in Whistler. Damit kann der Skeleton-Pilot des BSC Winterberg einer Saison mit Höhen und Tiefen doch noch eine Krone aufsetzen.

„Die Bahn ist sehr schnell und eine echte Herausforderung“, sagt der 29-Jährige, der bei der WM 2017 am Königssee mit dem Team Bronze holte und bei den Olympischen Winterspielen 2018 den neunten Platz belegte, nach dem Training. Was für ihn möglich ist? „Das werden wir am Donnerstag und Freitag sehen, wer die besten Karten auf den Tisch legen kann“, antwortet Gassner grinsend.

Chef-Bundestrainer Dirk Matschenz sagt über sein Herren-Quartett: „Ich wünsche mir, dass wir mit ein, zwei Leuten in die Top Sechs reinfahren. Aber es wird ganz eng werden. Mit etwas Glück und richtig guten Fahrten können wir vielleicht sogar das Podium angreifen.“

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