Winterberg.

Vater und Sohn erleben Olympia

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Winterberg.  Das ist ungewöhnlich, in dieser Konstellation vielleicht einmalig: Paul Neagu (59) und Sohn Andreas (28) aus Winterberg sind bei den Olympischen Spielen in Sotschi gemeinsam dabei. Der eine als Trainer, der andere als Bobsportler. Allerdings gehen sie nicht für Deutschland, sondern für Rumänien in den Wettkampf.

Andreas schnuppert als Viererbob-Pilot zum ersten Mal olympische Luft. Paul Neagu ist dagegen ein alter Hase. Für ihn sind es schon die fünften Winterspiele. Als Trainer ist es ihm gelungen, nicht nur seinen Sohn nach Sotschi zu führen, sondern auch die rumänischen Bob-Damen.

Seit 1979 lebt der 59-Jährige gebürtige Rumäne bereits mit Frau Katalin und den Kindern in Winterberg. Drei Jahre zuvor war er für sein Heimatland bei den Winterspielen in Innsbruck im Viererbob an den Start gegangen. Am Ende sprang Platz 8 heraus.

Bahntrainer in Winterberg

Auch in seiner neuen Heimat Winterberg blieb der gelernte Dipl.-Sportlehrer dem Bobsport treu. Er arbeitete als Bahntrainer und brachte im Hochsauerland einige Talente hervor. Auch als Kraftsportler machte sich Paul Neagu einen Namen. Nach der politischen Wende startete er 1992 erneut für Rumänien bei den Olympischen Spielen in Albertville. Im Rahmen der Europameisterschaften am Königssee hatte er sich als Drittplatzierter qualifizieren können. Vier Jahre später, in Nagano, war Neagu erneut als Bobsportler dabei.

2002 bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City wechselte er die Seiten und nahm als Coach der rumänischen Bobdamen teil. Die Spiele in Sotschi sind für den 59-Jährigen nun etwas ganz Besonderes. Er hat einen Traum verwirklichen können: Gemeinsam mit dem eigenen Sohn an Olympia teilnehmen.

Auch für Andreas Neagu, sportwissenschaftlicher Student an der Sporthochschule Köln, geht in Sotschi ein Kindheitswunsch in Erfüllung. Das Einmaleins des Bobsports lernte er beim BSC Winterberg. Erste Fahrten durch die Eisrinne absolvierte er 1998/99. Im Jahr 2002 nahm er bereits an den Deutschen Juniorenmeisterschaften (DJM) teil. Seinen größten Erfolg feierte er 2004 in Winterberg bei den DJM mit Platz 3. Damit qualifizierte er sich auch für die Junioren-Weltmeisterschaften auf seiner Heimbahn. Hier kam er auf einen hervorragenden 4. Rang im großen Schlitten. In den Folgejahren belegte er immer wieder gute Plätze bei Deutschen Meisterschaften und im Europa-Cup. Für den Durchbruch in die deutsche Spitze reichte es allerdings nicht.

So wechselte Andreas Neagu zum rumänischen Verband, gewann seit 2009/2010 diverse Meistertitel und ist amtierenden rumänischer Meister im Zweier- und Viererbob. In diesem Jahr landete er im Europacup im großen Schlitten stets unter den besten Zwölf und schaffte damit die Qualifikation für die Olympischen Spiele.

Mutter Katalin war Anschieberin

Seit zwei Wochen sind Vater und Sohn schon in Sotschi. „Sie trainieren viel außerhalb der Bahn. Andreas ist ja erst am 22. und 23. Februar an der Reihe und die Damen am Dienstag und Mittwoch“, berichtet Paul Neagus Ehefrau Katalin. Sie war übrigens auch schon bei einer Bob-Weltmeisterschaft als Anschieberin dabei, und zwar bei der ersten Damen-Bob-WM im Jahr 2000. Fast täglich melden sich Ehemann und Sohn aus dem Olympischen Dorf. „Andreas ist vor seinem ersten Olympia-Start natürlich sehr nervös. Die Bahn hat er im Training schon kennen gelernt. Sie ist anspruchsvoll, sagt er. Aber er mag sie. Und sein Vater wird ihm sicherlich noch bei einigen Problemen helfen können. Ein Platz unter den besten 20 Bobfahrern in Sotschi wäre für Andreas ein Traum“, so Katalin Neagu.

Klar, dass die Mutter die Rennen im Fernsehen verfolgt und ihren „Männern“ fest die Daumen drückt. Da werden sich bestimmt viele Freunde aus Winterberg anschließen.

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