Wintersport

Winterberg: Wen Bahnchef Pieper nach Weltcup-Boykott tadelt

Stephan Pieper im Gespräch: Der Chef der Veltins-EisArena äußert seine Sicht auf den Weltcup-Boykott und zieht ein Saisonfazit.

Stephan Pieper im Gespräch: Der Chef der Veltins-EisArena äußert seine Sicht auf den Weltcup-Boykott und zieht ein Saisonfazit.

Foto: Falk Blesken

Winterberg.  Mit etwas Abstand zieht Stephan Pieper, Chef der Veltins-EisArena in Winterberg, ein Saisonfazit – und spricht Klartext über den Weltcup-Boykott.

Stephan Pieper ist als Geschäftsführer der Sportzentrum Winterberg GmbH auch verantwortlich für die Veltins-EisArena. Und das Saisonfinale am Eiskanal hatte er sich nach einer zuvor erfolgreichen Saison komplett anders vorgestellt. Denn der Rennrodel-Weltcup wurde – wie berichtet – überschattet vom Boykott etlicher Top-Rodler, unter anderem der deutschen Doppelsitzer.

Mit etwas Abstand spricht Pieper über diesen historischen Weltcup. Er übt Selbstkritik, spricht offene Worte in Richtung der Boykotteure und schaut in die Zukunft.

Herr Pieper, der letzte Eindruck bleibt hängen, sagt man. Die Saison endete in der Veltins-EisArena mit einem Rennrodel-Weltcup, der von etlichen Sportlern boykottiert wurde, weil die Eisqualität zu schlecht war. Wie groß ist der Imageschaden für Winterberg und die Bobbahn?

Stephan Pieper: Also, die Eisqualität hat die Plattform geboten, seit Monaten bestehende Unstimmigkeiten über unter anderem unterschiedliche Sicherheitsbewertungen zwischen Sportlern und internationalem Verband auf unserem Rücken auszutragen.

Das war der Grund für die Sportler, nicht anzutreten. Wie mir gesagt wurde, ging es den Sportlern zum Ende der Weltcupwoche hin schon lange nicht mehr um die Eisqualität! Wie hoch der Imageschaden sein wird, kann ich noch nicht abschätzen.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus dieser Veranstaltung?

Was die Veranstaltung angeht, kann ich meinem Team nur ein großes Lob aussprechen. Hier gibt es nicht viel zu bemängeln. Was das Sportliche und die Bahnqualität angeht, haben wir bereits in den vergangenen Tagen erste Maßnahmen vereinbart, um die Eisqualität weiter und vor allem nachhaltig zu steigern.

Welche Rückmeldung haben Sie vom Rennrodel-Weltverband FIL und vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland während des Weltcups und im Anschluss erhalten?

Mit der FIL haben wir bereits unmittelbar nach dem Weltcup ein Feedback-Gespräch geführt, in dem Probleme nur in der Eisqualität und Maßnahmen zur Vermeidung solcher Situationen diskutiert wurden. Seitens des BSD habe ich am Mittwoch der Weltcupwoche mit Thomas Schwab telefoniert. Mittlerweile haben wir uns auch bei der Bob & Skeleton-WM in Altenberg getroffen.

Hätten Sie sich vom BSD ein Machtwort gewünscht, dass die Athleten zu starten haben?

Grundsätzlich kann ich die Haltung des BSD, dass jeder Sportler selber entscheiden sollte, ob es geht oder nicht, verstehen. Aber die Art und Weise unserer Sportler war nicht akzeptabel. Der hierdurch ausgelöste Shitstorm in den sozialen Medien gegen uns, aber auch gegen meine Mitarbeiter, ging gar nicht. Hier soll es bereits Reaktionen des BSD gegeben haben, allerdings sind bei mir bis heute nur Gerüchte angekommen.

Glauben Sie, dass die Entscheidungen der Sportler am Verbandssitz Königssee oder in der selbst ernannten Wiege des Rennrodelns in Oberhof auch so ausgefallen wären?

Das ist eine schwere Frage. Ich persönlich denke nicht.

Die Veranstaltungen in der Veltins-EisArena wären ohne die ehrenamtlichen Helfer des BSC Winterberg oder des BRC Hallenberg nicht möglich. Wie sehr litt deren Motivation unter dem Boykott der Sportler?

Sehr! Es kamen bei den Helfern Stimmen auf, wie zum Beispiel: „Warum soll ich mir für sowas überhaupt noch eine Woche Urlaub nehmen?“ oder „Ich nehme mir Urlaub, damit die überhaupt ihren Sport und einen Weltcup durchführen können. Das scheinen die Sportler zu vergessen!“. Generell besteht zwischen den Helfern immer eine wirklich gute Stimmung und wir bemühen uns alle, Vereine und Sportzentrum, das Ehrenamt zu unterstützen. Dies werden wir zum Thema der Ausrichtersitzung Ende Juni in Österreich machen.

Fern des missglückten Saisonendes: Wie fällt Ihr Saisonfazit generell aus?

Positiv! Alles, was wir uns vorgenommen haben, haben wir mit wirklich gutem Erfolg umgesetzt. Der Weltcup Bob und Skeleton war sehr gut. Der Juniorenweltmeisterschaft Bob und Skeleton wurde attestiert, dass es eine solche JWM noch nie gegeben habe, und auch der Weltcup Rennrodeln war hinsichtlich der Veranstaltung gut vorbereitet und umgesetzt. Unser im Oktober angepasstes Personalkonzept zur Eisbearbeitung greift und ich gehe davon aus, dass wir mit diesem Team zukünftig gut aufgestellt sind.

Auf welche Höhepunkte freuen Sie sich in der kommenden Saison?

Auf den nächsten Weltcup Rennrodeln kurz vor Weihnachten, da wir dann zeigen werden, was wir können. Das ist unser Ansporn. Daneben freue ich mich natürlich auf den Weltcup Anfang Januar im Bob und Skeleton, aber auch unsere nächste Juniorenweltmeisterschaft im Rennrodeln Ende Januar soll ein Erfolg werden.

Inwiefern ist das missglückte Saisonende Ansporn für die neue Saison? Glauben Sie, Sie können den Spruch „The trend is your friend“ widerlegen?

Wie gesagt, wir freuen uns auf die nächste Saison und mein junges Team hat immer den Anspruch, besser zu werden. Diese Börsenweisheit hat natürlich ihre Tücken, was wir zum Saisonende schmerzhaft erfahren mussten. Es gibt immer Dinge, die nicht bekannt oder kalkulierbar sind, und wir befinden uns nach dem Abschluss eines Strategieprozesses noch in einem Umbruch, so dass ich dieser Weisheit nicht folgen möchte.

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