Leichtathletik

Bernd Schiermeister: „Der Sport hat mich gerettet“

Antreiber: Bei der Arbeit mit den Kunden in den Bereichen Radsport, Fitness und Leichtathletik achtet Personal-Trainer Bernd Schiermeister (rechts) auf Details.

Antreiber: Bei der Arbeit mit den Kunden in den Bereichen Radsport, Fitness und Leichtathletik achtet Personal-Trainer Bernd Schiermeister (rechts) auf Details.

Arnsberg.  Er erlitt einen Schlaganfall, verlor die Sprache – und kämpfte sich ins Leben zurück. Personal-Trainer Bernd Schiermeister erklärt seinen Erfolg.

Vor 15 Jahren ist Bernd Schiermeister nach einem schweren Schicksalsschlag sowohl körperlich als auch mental am Boden. Er muss unter anderem die Fähigkeit, zu sprechen, völlig neu erlernen. Im Gespräch mit unserer Zeitung gewährt Schiermeister, der nun erfolgreicher Personal-Trainer, Ausdauersportler und Fitness-Coach ist, intime Einblicke.

Der Enser erzählt, wie er sich mit Hilfe des Sports verbissen ins Leben zurückkämpfte, sich beruflich und privat neu aufstellte – und warum er auf dem Rennrad die legendären 21 Kehren im französischen L’Alpe d’Huez meistern möchte.

Bernd Schiermeister, Sie haben im Oktober 2004 – beruflich als Autohändler tätig – einen Schlaganfall erlitten. Wie konnte das passieren? Bernd Schiermeister: Ich war selbstständig tätig und der auslösende Faktor war wohl einfach zu viel Stress. Nach dem Schlaganfall bin ich in ein ganz tiefes Loch gefallen und war etwa eineinhalb Jahre krank. Ich hatte Lähmungserscheinungen und musste das Sprechen komplett neu erlernen. Weil ich zunächst wenig machen konnte, kam ich mir damals total wertlos vor.

Welche Auswirkungen hatte dieser schwere Schicksalsschlag auf Ihr Leben und Ihren Alltag?
Mir war klar, dass ich mein Leben ändern muss, da ich nicht sterben wollte. Ich musste lernen, ausgeglichener zu werden und regelmäßig zu relaxen. Ich habe einen Schnitt gemacht, viele meiner Sachen verschenkt und mich auch beruflich neu orientiert. Nach der Ausbildung zum Fitness-Coach habe ich ein Fernstudium zum Sportlehrer absolviert, dann als Personal-Trainer viele Erfahrungen gesammelt und mich ständig weitergebildet. Mir war klar, dass es künftig beruflich dorthin gehen sollte. Ich kann sagen: Der Sport hat mich gerettet. Sie arbeiten erfolgreich als Personal-Trainer und Fitness-Coach in Soest, Arnsberg, Sundern und Umgebung. Wieviele und welche Art von Kunden betreuen Sie dabei?
Ich arbeite in einem Team, das mir sehr gut in der Arbeit mit unseren Kunden hilft. Wöchentlich werden von uns etwa 150 Teilnehmer, inklusive der Gruppen, betreut. Dazu zählen Jugendliche und vor allem Erwachsene, darunter sind Profis ebenso wie „ganz normale“ Menschen, die zum Beispiel Gewicht verlieren und gesünder leben möchten. Mir ist es wichtig, Wissen zu vermitteln und zuzuhören.
Vor dem Schlaganfall haben Sie 20 Stunden pro Woche Sport getrieben. Wurde Ihr Hobby zum Beruf?
Nein. Wenn ich Menschen betreue, bin ich nicht selbst aktiv. Sport treibe ich in der Freizeit. Ich habe gelernt, die Bewegungen anderer und die Ausführungen zu beobachten und zu analysieren, um dann gemeinsam Lösungen zu finden.

Sie haben sich durch viele Kontakte und Ihre erfolgreiche Arbeit einen großen Kundenstamm aufgebaut. Besteht nicht das Risiko, sich erneut zu viel Stress aufzuhalsen?
Ja. Mittlerweile kann ich vorerst auch keine neuen Kunden annehmen. Ich arbeite schon immer gerne. Dann neigt man aber auch dazu, zu viel zu machen. Meine Tage sind zeitlich durchgetaktet – und ich bin teilweise schon in alte Muster zurückgefallen. Heute ziehe ich aber Grenzen und empfehle das auch Kunden, die in ähnlichen Stresssituationen stecken, wie das bei mir damals der Fall war. Da kann ich mit meiner Lebenserfahrung helfen. Ich halte auch Vorträge, um viel sprechen zu müssen und mich selbst immer wieder dieser Herausforderung zu stellen.

Wie genau sieht Ihre Arbeit als Personal-Trainer aus?
Egal, ob ich einen Profisportler betreue oder Jemanden, der zehn Kilo abnehmen will: Meine Beratung ist ganzheitlich. Wir arbeiten viel mit Videoanalysen und gehen der Frage nach, ob auch zum Beispiel mentale Probleme das Übergewicht mitbedingen. Wir führen viele Gespräche um zu sehen, ob, und wenn ja, was, dahinter steckt. Als Team bilden wir uns ständig fort und arbeiten mit Ärzten sowie Physio- und Bewegungstherapeuten zusammen. Es macht mir unheimlich Spaß, mit Menschen zu arbeiten! Wenn man die körperliche und mentale Weiterentwicklung der Kunden miterlebt und von ihnen ein gutes Feedback erhält, ist das einfach sehr schön. (lacht)

Personal-Trainer sind Dienstleister, die flexibel für ihre Kunden da sein müssen. Welche Einschränkungen hat das in Ihrem Alltag?
Ich reise sehr gerne, genieße die Kultur, gehe ins Theater oder Konzert und gerne gut essen. Im Alltag geht das eben nur eingeschränkt, aber dafür ist ja der Urlaub da.

Früher haben Sie als Ausdauersportler bis zu 50 Wettkämpfe pro Jahr mitgemacht. Wie sieht das denn mittlerweile aus?
Ich will nach wie vor das Gefühl der Wettkämpfe spüren, die tolle Atmosphäre – aber das mache ich nur noch etwa drei Mal pro Jahr. Im Juli sind meine Frau und ich gemeinsam mit Freunden auf dem Rennrad durch die französischen Alpen unterwegs. In acht Tagen wollen wir von Genf nach Nizza, pro Tag fünf bis sieben Stunden im Sattel sitzen und dabei etwa 800 Kilometer und 20.000 Höhenmeter überwinden. Wir fahren auch die 21 Kehren hinauf nach L’Alpe d’Huez. Ich finde, man kann dieses Gefühl, die eigenen Grenzen auszutesten, nur weitergeben, wenn man es auch selbst erlebt hat.

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