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Darum ist Christopher Weber nicht sauer auf Pilot Lochner

Johannes Lochner und Christopher Weber während des Rennens.

Foto: Lars Baron/Getty Images

Johannes Lochner und Christopher Weber während des Rennens. Foto: Lars Baron/Getty Images

Pyeongchang.   Christopher Weber, Bobanschieber des BSC Winterberg, spricht über seine Enttäuschung nach Rang fünf im Zweierbob und gesteht, was an ihm nagt.

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Es ist kurz vor Mitternacht in Pyeongchang – und trotzdem meldet sich Christopher Weber. Der Bobfahrer des BSC Winterberg, der in Südkorea seine ersten Olympischen Winterspiele erlebt, verpasste im Zweierbob als Anschieber des Piloten Johannes Lochner eine Medaille, weil das Duo im vierten und abschließenden Lauf von Platz drei noch auf Rang fünf zurückfiel. Darüber und über die Vorbereitung auf den Viererbob-Wettbewerb spricht Weber – und erklärt, warum es das letzte Mal ist, dass er zu dieser Uhrzeit noch wach ist.


Herr Weber, mit einem Tag Abstand zum fünften Platz im Zweierbob bei Ihrer Olympia-Premiere: Ist die erste Enttäuschung einem gewissen Stolz gewichen?
Christopher Weber: Nein, ich bin immer noch enttäuscht und kann nicht sagen, dass ich mich über den fünften Platz freue. Es ist halt geil, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Und es ist sehr cool, auch die Chance gehabt zu haben im Zweier zu starten und nicht nur im Vierer, darüber habe ich mich total gefreut – trotzdem bin ich immer noch enttäuscht. Wir lagen zwei Läufe lang auf Platz drei und damit auf Bronze-Kurs. Es wäre halt super schön gewesen, diese Medaille zu holen.


Thorsten Margis, als Anschieber am Ende Olympiasieger mit Pilot Francesco Friedrich, sagte, vielleicht augenzwinkernd, er sei zwischendurch richtig sauer auf Friedrich gewesen. Sind Sie jetzt sauer auf Johannes Lochner, der im vierten Lauf nicht fehlerfrei fuhr?
Nein, das fände ich absolut unangebracht. Wenn ich mir vorstelle, was für einen unglaublichen Druck die Piloten hier haben, auf dieser schwierigen Bahn vier möglichst fehlerfreie Läufe herunter zu bringen – da kannst du als Anschieber nicht sauer auf den Piloten sein.


Enttäuscht nach Rang fünf im Zweier: Christopher Weber (links) und Johannes Lochner. Foto: Getty Der Pilot ist eben der, der die meisten Fehler machen kann.
Der Hansi (Johannes Lochner, Anm.d.Red.) hat meiner Meinung nach trotzdem einen guten Job gemacht. Es ist ja auch für ihn das erste Mal, dass er bei Olympischen Winterspielen startet – und er hat dem Druck standgehalten. Die Kurve neun hat er vorher auch nie gut getroffen, deshalb kann so ein Fehler wie im vierten Lauf passieren. Aber genauso könnte man ja sagen: Der Weber hätte mal schneller anschieben sollen. Ich mache Hansi absolut keinen Vorwurf.


Wie beurteilen Sie denn Ihre eigene Leistung am Start?
Es nervt mich und es nagt an mir, dass Francesco und Thorsten uns am Start so deklassiert haben – das muss man einfach so sagen. Hier ist zwar die komplette erste Garde der Anschieber, aber an die beiden ist niemand herangekommen. Es ist keiner unter 4,90 Sekunden gestartet, außer den beiden.


Wie erklären Sie sich das?
Ich kann es mir noch nicht erklären. Ich habe in den vergangenen Tagen eigentlich überall persönliche Bestleistungen aufgestellt und bin super fit. Vielleicht muss man in den kommenden Jahren zum Saisonhöhepunkt noch besser drauf sein. Vielleicht müssen wir mit Hansi zusammen die Trainingspläne mehr auf den Saisonhöhepunkt abstimmen und auch in Kauf nehmen, bei dem einen oder anderen Weltcuprennen nicht so gut abzuschneiden, dafür aber in den entscheidenden Rennen der Saison.


Nach dem vierten Lauf sah es danach aus, als habe sich Johannes Lochner bei Ihnen entschuldigt. War das so?
Ihm tat es schon leid, aber ich habe ihm sofort gesagt, dass alles gut sei. Nachdem was er für mich in dieser Saison getan hat, wäre es absolut unangebracht von mir, eine Entschuldigung zu fordern oder zu sagen, er habe etwas falsch gemacht. Ich bin mit seiner Leistung super zufrieden. Dass es der fünfte Platz geworden ist, das ist nun mal so. Die anderen waren einfach besser.


Der Lochner-Bob beim ersten Trainingslauf für den Viererbob-Wettbewerb. Foto: Michael Sohn/dpa Wie bereiten Sie sich jetzt auf den Viererbob-Wettbewerb am Samstag und Sonntag vor?
Am Mittwochmorgen steht das erste Training an. Wir stellen jetzt auch unseren Schlafrhythmus um, weshalb ich gleich mal die Augen zumachen muss. Die Rennen beginnen ja bereits um 9.30 Uhr, also um 1.30 Uhr deutscher Zeit. Die Karten werden neu gemischt.


Und Sie holen sich die Medaille, die Sie im Zweierbob noch aus der Hand gegeben haben?
Na ja, im Zweier wäre es Bronze gewesen... Im Vierer ist von Gold bis Bronze alles drin – auch weniger, wenn irgendetwas nicht läuft. Als Sportler musst aber immer den maximalen Erfolg anstreben, also sollte unser Ziel die Goldmedaille sein.

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