Sommerserie

Interview mit Kletter-Experte Heinz-Willi Hakenberg

Steht den Einsteigern mit Rat und Tat zur Seite: Heinz-Willi Hakenberg, Kletterwart des Deutschen Alpenvereins für die Sektion Hochsauerland, beantwortet die Fragen der Kletter-Neulinge und demonstriert hier den Achter-Knoten.

Steht den Einsteigern mit Rat und Tat zur Seite: Heinz-Willi Hakenberg, Kletterwart des Deutschen Alpenvereins für die Sektion Hochsauerland, beantwortet die Fragen der Kletter-Neulinge und demonstriert hier den Achter-Knoten.

Foto: SK

Warstein.   Heinz-Willi Hakenberg ist ein Vollblut-Kletterer. Vor der Kulisse des Hillenbergs in Warstein haben wird mit dem Kletterwart gesprochen.

Heinz-Willi Hakenberg ist ein leidenschaftlicher Kletterer. Seit drei Jahrzehnten geht er seinem Lieblingssport nach. Anfangs ist er noch mit Seil und Rucksack unterwegs gewesen. Heute gehören Helm, Klettergurt, Karabinerhaken und ein dynamisches Seil zur Ausrüstung. Wir haben vor der Kulisse des Hillenbergs in Warstein mit dem Kletterwart des Deutschen Alpenvereins für die Sektion Hochsauerland über diese Sportart gesprochen.

Was ist für Sie das Besondere am Sportklettern?

Das Klettern ist mich eine Herausforderung. Es vermittelt mir Grenzerfahrungen. Es ist aber auch Bewegung und Ausgleich für meinen Beruf, also Stressabbau. Ganz wichtig ist für mich auch die Kameradschaft. Klettern macht man sehr selten alleine. Entweder ist man in einer Gruppe eingebunden oder ist mit einem Kletter-Partner unterwegs.

Welche körperlichen Voraussetzungen müssen für das Klettern erfüllt sein?

Klettern kann man von sieben bis 70. Der Älteste in meiner Gruppe wird nächstes Jahr 80 Jahre alt. Er hat nach dem Motto „Don’t stopp“ gelebt und hat sich immer bewegt. Der eine klettert schwerer, der eine leichter. Wenn man ein paar Pfunde zu viel hat, muss mehr Gewicht bewegt werden. Aber das heißt nicht, dass man nicht klettern kann.

An wen können sich Kletter-Interessenten wenden?

Wir vom Deutschen Alpenverein bieten jedes Jahr Anfängerkurse an. Die Kurse sind so konzipiert, dass man nichts wissen und nichts können muss. Man muss einfach Lust haben, zu klettern und sich zu bewegen. Der Rest wird von uns gestellt. Material wie Kletterschuhe, Klettergurt. So kann man einfach einmal hereinschnuppern und sehen, ob Klettern etwas für mich ist. Es hat viele gegeben, die nach so einem Kurs Feuer gefangen haben und dann kletterverrückt geworden sind.

Wie sieht Ihre persönliche Herausforderung aus?

Lange alpine Touren sind für mich eine Herausforderung. Am liebsten im schönen festen Fels. Aber das hat man leider nicht immer. Dafür trainiere ich im Winter auch in den Kletterhallen. Ich halte mich so fit und muss konditionell gut drauf sein. Die alpinen Touren sind Wegfindung, Abenteuer und Quälerei.

Wie schätzen Sie die Möglichkeiten des Kletterns im Sauerland ein?

Als ich angefangen bin mit dem Klettern, hatten wir noch die klassischen Gebiete wie die Bruchhauser Steine, das Hönnetal und die Eifel. Die sind aus Naturschutzgründen gesperrt worden. Der Klettersport hat auch sehr viel mit sozialer Kompetenz zu tun. Da könnte man einiges besser machen. Wir haben aber in den letzten Jahren durch harte Arbeit viele Klettergebiete auch geöffnet wie zum Beispiel in Warstein den Hillenberg oder es entsteht gerade ein Klettergebiet unter der Leitung von Joachim Fischer in Warstein-Oberhagen. Das wird ein relativ großes Gebiet. Wir haben in Bestwig und Winterberg Klettergebiete. Wir hoffen durch konsequente Naturarbeit und naturverträgliche Konzepte, dass wir neue Klettergebiete eröffnen können, um Klettern und Natur vermitteln zu können. In der Natur zu klettern, ist eine völlig andere Atmosphäre. Unser Motto lautet: Man darf den Menschen nicht aus der Natur aussperren.

Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung des Klettersports ein?

Das Sportklettern hat sehr viele Facetten. Bei jungen Leuten ist das sogenannte Bouldern beliebt. Also das Klettern in Absprunghöhe ohne Seil, ohne alles. Ich habe eine Matte unter mir liegen. Es gibt das Eisklettern und Felsklettern. In Deutschland gibt es mittlerweile mehr Kletterer als Handballer. Die Kletterhallen sind für viele die Eintrittskarte zum Klettersport. Wer mehr will, für den führt der Weg automatisch an den Fels. Das ist die Tendenz, darauf versucht sich der Deutsche Alpenverein vorzubereiten, um mögliche negative Auswirkungen abzumildern.

Ihr persönlicher Wunsch?

Dass wir in Nordrhein-Westfalen unsere traditionellen klassischen Klettergebiete wieder geöffnet haben, um da, wie auch in meiner Jugend, entsprechend klettern zu können.

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