Tennis

Jörg Bornemann: „Struffi hatte diesen Biss – ich nicht“

Ein überraschender Sieg: Der neue Westfalenmeister Jörg Bornemann (vorne) gemeinsam mit Fabian Kemper, Sohn seines Kumpels Daniel.

Ein überraschender Sieg: Der neue Westfalenmeister Jörg Bornemann (vorne) gemeinsam mit Fabian Kemper, Sohn seines Kumpels Daniel.

Foto: Verein

Arnsberg.  Er stand auf der Schwelle zum Profi-Tennis – doch auch eine schwere Verletzung verhinderte das. Warum Jörg Bornemann (34) trotzdem glücklich ist.

Mit Anfang 20 tat Jörg Bornemann viel dafür, um den Weg zum Tennisprofi gehen zu können. Während sein Ex-Teamkollege Jan-Lennard „Struffi“ Struff nun jedoch 33. der Einzel-Weltrangliste der ATP-Profis ist, hat sich Jörg Bornemann ganz seinem Heimatverein, dem Ski- und Tennisklub (STK) Arnsberg 07, verschrieben. Auch eine schwere Verletzung spielte dabei eine Rolle.

Denn im Jahr 2009, im Alter von 25 Jahren, erlitt Jörg Bornemann einen Bandscheibenvorfall. „Viele Ärzte haben mir damals gesagt, dass ich nie wieder werde Tennis spielen können. Tennis war damals mein Leben, ich war also am Boden zerstört und wollte das einfach nicht wahrhaben“, erzählt der Arnsberger.

Ein Punkt für die Ewigkeit

Als er mit 18 Jahren mit Hilfe heimischer Sponsoren bei Future-Turnieren in Dänemark und Schweden gespielt hatte, hatte Bornemann vom Sprung zu den Profis geträumt. Gemeinsam mit Kumpel Max Loer erspielte er damals – diesmal bei einem Future in Neheim – im Doppel sogar einen Weltranglistenpunkt. Im Einzel „wurde mir aber schnell klar, dass der Weg zu den Profis viel zu unwägbar und hart ist", sagt Bornemann.

Er entschied sich für einen „sicheren“ Beruf. Nach der Ausbildung zum Industriekaufmann legte er den Versicherungsfachmann nach, machte sich mit 23 Jahren selbstständig und leitet nun eine eigene Versicherungsagentur in Arnsberg.

Dass seine Tenniskarriere vor zehn Jahren womöglich ihr Ende finden sollte, „wollte ich nicht akzeptieren. Ich habe bestimmt 25 Meinungen eingeholt und auch über alternative Therapien nachgedacht, mir beispielsweise Ameisensäure spritzen zu lassen“. Die Meinung eines Bochumer Mediziners, der auch Fußball-Profis betreut, verlieh ihm aber neuen Mut. Jörg Bornemann: „Er hat mir gesagt, dass ich es mit dem richtigen Training auch wieder schaffen kann, Tennis zu spielen.“

Gesagt, getan: Der Arnsberger blieb am Ball – und vor allem gesund.

Endlich wieder aktiv

Er erholte sich und kann seit zwei Jahren endlich wieder seiner Passion nachgehen. Aktuell trainiert er einmal pro Woche und spielt für den STK 07 ebenso in der Bezirksliga. „Auch wenn ich fast jedes Spiel 6:0, 6:0 gewinne, macht das großen Spaß. Ich fühle mich meinem Verein verbunden“, sagt Bornemann. So ließ er sich im April auch in den STK-Vorstand wählen und ist seitdem 2. Vorsitzender des Tennisvereins. „Er ist bei uns ein echter Motor“, sagt Pressesprecher Michael Küsgen.

Dass ihn sein Lebensweg nicht hin zum Tennisprofi führte, ficht Bornemann nun nicht mehr groß an. Er freut sich lieber mit anderen, unter anderem mit Jan-Lennard „Struffi“ Struff, der derzeit im Herrentennis durchstartet. „Früher waren wir noch Teamkollegen beim TC BW Soest. Struffi hat an sechs gespielt und ich an drei – Wahnsinn!“, sagt Jörg Bornemann und lacht. Er selbst habe „zu sehr das Leben genossen. Struffi hatte diesen Biss – ich nicht“.

Mit 34 Jahren fuhr Jörg Bornemann nun aber überraschend einen durchaus bedeutenden Titel im Amateurlager ein. Der STK-Spieler gewann erstmals nach 2007 wieder die Herren-Konkurrenz der Westfälischen Meisterschaften, die diesmal in Gelsenkirchen ausgerichtet wurden. Jörg Bornemann: „Ich bin sehr glücklich, dass mein Rücken diese Belastung wieder mitmacht.“

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