Sportgutschein-Projekt im HSK

Kampf gegen Bewegungsmangel von Kindern

Bewegungserfahrung ist wichtig (hier die Grundschul-Olympiade 2016

Bewegungserfahrung ist wichtig (hier die Grundschul-Olympiade 2016

Foto: Ted Jones

Hochsauerlandkreis.   Kreisgesundheitsamt sieht akuten motorischen Förderbedarf bei Kindern vor Schulstart. Projekt mit Kreissportbund bietet Gratismonate in Vereinen

Die Schuleingangsuntersuchungen bringen ernüchternde Erkenntnisse: „Immer mehr Kinder sind übergewichtig und haben motorische Probleme“, weiß Klaus Grosche vom Gesundheitsamt des Hochsauerlandkreises, „es ist ein gravierender Bewegungsmangel feststellbar“.

Gemeinsam mit dem Kreissportbund (KSB) organisiert der HSK ein Programm, das Kindern vor ihrer Einschulung ein halbes Jahr Gratis-Teilnahme in der Sportvereinen ermöglicht. Noch aber fehlt es an Resonanz – sowohl bei Vereinen als auch bei den Kindern, die mehr Sport dringend nötig hätten.

So groß ist die Notwendigkeit

Im kompletten Hochsauerlandkreis machen „nur“ 71 Vereine im Projekt mit. Ausgegeben bei der Schuleingangsuntersuchung wurden im vergangenen Jahr 2135 Gutscheine, eingelöst wurden davon nur 52. Nur die Hälfte von ihnen seien dann auch im Verein „hängengeblieben“. Zwar rechnen Klaus Grosche und auch die beim Kreissportbund für das Projekt zuständige Katja Osenberg, Fachkraft „NRW bewegt seine Kinder“, mit einer „Dunkelziffer“ nicht dokumentierter oder von den Vereinen zurückgemeldeter Gutscheine, doch wissen auch sie: „Die Zahlen sind noch nicht berauschend“.

Dabei ist die Notwendigkeit so groß wie nie. „Es ist erschreckend, wie hoch der motorische Förderbedarf im Vorschulalter ist“, sagt Klaus Grosche. Kürzlich stellte er das Projekt im Sportausschuss der Stadt Arnsberg vor. Dieser befasst sich mit dem Thema intensiv, seit die Fraktion „Die Linke“ den Antrag gestellt hatte, ein beitragsfreies Jahr für Grundschulkinder in Arnsberger Vereinen zu ermöglichen.

Die Intention ist ähnlich. Kinder, die von ihren Eltern nicht an Sportvereine und Bewegung herangeführt werden und noch nicht Mitglied in Vereinen sind, sollen den Gutschein erhalten. Bei der Schuleingangsuntersuchung werden Eltern über das Projekt informiert, im Falle besonders förderbedürftiger Kinder auch ganz gezielt auf das Gratis-Angebot angesprochen.

Die Kinder erhalten dann einen Gutschein, den sie im Verlauf der nächsten Monate bei den Partnervereinen abgeben können. Die Kinder sind während dieser Zeit auch unfallversichert beim Sport. Alle Kosten für Organisation und Flyer übernehmen der KSB und der HSK. „Das ist wenig Aufwand für die Vereine“, sagt Katja Osenberg, „Ziel ist natürlich, dass viele Kinder im Verein bleiben“.

Dazu aber bedarf es mehr: Die Kinder müssen sich im Verein nicht nur wohlfühlen, sondern brauchen auch Erziehungsberechtigte, die das für wichtig halten, das Bringen und Abholen zum Sport organisieren oder leisten können. Hintergründe für Versäumnisse können oft sozialstrukturell bedingt sein. Aufklärung sei wichtig. „Wir wollen alle Kinder und Eltern erreichen, die noch nicht initiativ sind“, sagt Klaus Grosche vom Kreisgesundheitsamt. Dabei geht es nicht nur um Bewegung. Grosche: „Unser Ziel ist die Förderung nachhaltiger positiver körperlicher, geistiger, sozialer und emotionaler Entwicklung der Kinder.“

Der Stadtsportverband (SSV) Arnsberg zeigt sich offen. Bislang sind 15 Vereine aus Arnsberg als Partner gemeldet. „Wir werden die Vereine anregen, ein größeres Angebot zu machen“, sagt Vorsitzender Jürgen Scherf. Für ihn ist es nicht entscheidend, ob die Gratis-Zeit ein halbes oder ganzes Jahr beträgt. Wichtig sei, dass die Kinder (und ihre Eltern) überhaupt Zugang zum Verein finden würden.

Laura Hieronymus, stellvertretende Vorsitzende des SSV, regt an, dass es gesonderte Infoveranstaltungen für Eltern geben müsste. Der Schulausschuss der Stadt Arnsberg diskutierte auch darüber, ob es reiche, nur einmal bei der Schuleingangsuntersuchung auf das Angebot hinzuweisen. Der Schulbeginn sei hier möglicherweise geeigneter. Zudem sollten auch Kinderärzte das Projekt kennen.

Der Kreissportbund und das Kreisgesundheitsamt sind für Nachjustierungen des Projekts offen. Sie kündigen an, dass es zur Eingangsuntersuchung für das Schuljahr 2020/21 in die vierte Runde geht. „Das soll jetzt ein Dauerprojekt werden!“, sagt Grosche.

Diese Clubs machen mit

71 Klubs im Hochsauerlandkreis sind bislang als Partnervereine gemeldet.

Arnsberg: TV Arnsberg, TV Neheim, TuS Bruchhausen, BW Gierskämpen, SV Arnsberg 09, Schwimmclub Aegir Arnsberg, SV Arnsberg 09, STK Arnsberg, TuS Hüsten, TuS Müschede, TuS Müschede, TuS Niedereimer, TuS Voßwinkel, SV Herdringen, Schachverein Herdringen, TTV Neheim-Hüsten, TuS Oeventrop.

Sundern: DLRG Sundern, HV Sundern, SC Hagen Wildewiese, SV Endorf, SSV Stockum, Surfclub Hachen, SuS Westenfeld, TC BW Sundern, TuS Sundern, TuS Hachen.

Meschede: DLRG Meschede, FC Remblinghausen, SV Grevenstein, SC Olpe, TV Eversberg, TuS Heinrichsthal-Wehrstapel, TuS Wallenstein, SSV Meschede, TC Meschede, TV Freienohl, TuRa Freienohl, TuS Jahn Berge, TV Calle.

Eslohe: BC Eslohe, SuS Reiste, FC Cobbenrode, TSV Wenholthausen.

Schmallenberg: TV Schmallenberg, FC Arpe-Wormbach, MSC Schmallenberg, SV Henne-Rartal, SC Schmallenberg-Fredeburg.

Bestwig: TuS Velmede-Bestwig, TuS Nuttlar, TV Germ. Ostwig, FC Ostwig/Nuttlar.

Brilon: SV Brilon, TV Brilon, TuS Union Scharfenberg, TuS Alemania Rösenbeck.

Marsberg: VfB Marsberg, SC Bredelar, SV Essentho, SF Oesdorf.

Olsberg: TSV Bigge-Olsberg, TuS Elleringhausen, TuS Germania Bruchhausen.

Weitere: VfR Winterberg, FC Hilletal, SC Winterberg, SC Neuastenberg-Langewiese, BSC Sauerland-Winterberg, FC Nuhnetal, TuS Medebach, SV Oberschledorn/Grafschaft, HC Medebach

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