Sommerserie

Sportkletterer im Sauerland gehören zu den Frühaufstehern

Klettert am Hillenberg in Warstein den Kristallweg hinauf: Daniel Hilbich aus Olsberg-Bruchhausen ist in der Wand unterwegs, gesichert wird er durch Benedikt Lindner (Willingen).

Klettert am Hillenberg in Warstein den Kristallweg hinauf: Daniel Hilbich aus Olsberg-Bruchhausen ist in der Wand unterwegs, gesichert wird er durch Benedikt Lindner (Willingen).

Foto: SK

Warstein.   Ein beliebter Treffpunkt für Sportkletterer ist die Hauptwand am Hillenberg in Warstein. Vor allem an den Wochenenden geht es dort lebhaft zu.

Sportkletterer im Sauerland gehören zu den Frühaufstehern. Während Heinz-Willi Hakenberg, Kletterwart des Deutschen Alpenvereins, Sektion Hochsauerland, gegen 9 Uhr an diesem Samstagmorgen den Vorstieg für seinen VHS-Kurs präparierte, waren Benedikt Lindner (17) aus Willingen und Daniel Hilbich (24) aus Olsberg-Bruchhausen längst in der Hauptwand am Hillenberg in Warstein im Einsatz. Na klar, die drei Kletter-Experten kennen sich und nutzten während einer Verschnaufpause die Gelegenheit auch zu einem fachmännischen Plausch. Von Hektik um diese Uhrzeit keine Spur.

„Wir waren schon um 7 Uhr vor Ort“, erläuterte Benedikt Lindner. Aus gutem Grund. Denn gerade an den Wochenenden ist der Hillenberg ein

gefragtes Klettergebiet. „Es ist ein Leuchtturmprojekt für NRW und für den Nordwesten Deutschlands“, bekräftigte Heinz-Willi Hakenberg, der in Arnsberg-Müschede zu Hause und seit rund drei Jahrzehnten Sportkletterer ist. Zusammen mit Silja Pithan (Nuttlar) und Volker Schulten (Freienohl) kümmerte sich Heinz-Willi Hackenberg an diesem Tag gewissenhaft um exakten Sitz der Seile und Karabinerhaken in der Wand. Sicherheit genießt stets höchste Priorität. „Und der Zusammenhalt ist wichtig“, fügte Silja Pithan an. Zudem müsse der Kletterer, so Volker Schulten, über einen starken Willen verfügen. „Eigentlich ist es kontraproduktiv zu unserem Sozialwesen. Aber dieser Wesenszug muss in der Gruppe ausprobiert werden. Sonst gibt es Streit“, weiß Volker Schulten aus langjähriger Erfahrung.

Eingespieltes Team

Dass mentale Stärke eine entscheidende Komponente ist beim Klettern, ist Daniel Hilbich und Benedikt Lindner mehr als vertraut. „Messerscharfe Konzentration sowie die ausgeprägte Willensstärke, sich sowohl körperlich als auch mental weit außerhalb seiner eigenen Komfortzone zu bewegen, sind der entscheidende Schlüssel zum Erfolg“, erläuterte Daniel Hilbich. Am Ende steht das Erfolgserlebnis. „Du gehst an Dein Limit und freust Dich danach, einen schwierigen Zug geschafft zu haben“, fügte Benedikt Lindner an. Die beiden Sauerländer sind ein eingespieltes Team. Bevor es in die Wand geht, analysieren sie die Kletterroute und prägen sich bestimmte Bewegungsmuster ein. An diesem Tag hatten sie sich für den „Kristallweg“ entschieden. Wenn Benedikt Lindner in der Wand unterwegs ist, sichert Daniel Hilbich ab. Ist die Tour des Kumpels vorbei, erfolgt der Wechsel. Die Handgriffe sitzen routiniert sicher und der Kollege in der Wand wird nie aus den Augen gelassen. Sicher ist sicher. Und warum Klettern und nicht zum Beispiel Fußball? „Fußballer sind ständig verletzt, beim Klettern passiert das nur einmal“, führte Benedikt Lindner mit einem strahlenden Lächeln aus. Vor allem die Finger werden beim Klettern stark beansprucht und müssen nach Sehnenverletzungen nicht selten mit einem Tapeverband stabilisiert werden.

Plötzlich wird es lebhafter am Hillenberg. Eine Gruppe aus Holland taucht auf. Das Kletterequipment wird fein säuberlich platziert und der Gaskocher wird installiert. Heinz-Willi Hakenberg und seine Mitstreiter sind von der Resonanz nicht wirklich überrascht. In den zurückliegenden Jahren sind immer mehr Klettergebiete geschlossen worden (Bruchhauser Steine, Hönnetal). Daher die Konzentration von Sportkletterern vor allem an den Wochenenden. Neben den Niederländern war dann unter anderem auch noch der Kurs der VHS Warstein/Lippstadt an der Wand aktiv. Volker Schulten hatte die 13 Teilnehmer mit Helm, Klettergurt und superengen Kletterschuhen ausgestattet und führte den Tross zum Hillenberg hinauf. Dort warteten bereits Silja Pithan und Heinz-Willi Hakenberg. „Wir bringen Euch die Grundlagen des Kletterns bei“, sagte Heinz-Willi Hakenberg bei seiner Einführung. Ganz oben auf der Themenliste stand die Sicherheit. Geklettert sind die VHS-Newcomer bei hochsommerlichen Temperaturen in Dreier-Gruppen. „Ein Kletterer, ein Sicherer und ein Hinter-Sicherer“,

skizzierte Heinz-Willi Hakenberg das Grundprinzip. Erläutert wurden zudem die richtige Anwendung des Achter- und des Prusik-Knotens und die Wirkungsweise des dynamischen Seils. Darüber hinaus gab er wichtige Tipps. Zum Beispiel, dass bis zu 70 Prozent des Gewichts beim Klettern auf den Füssen lasten sollten und dabei die Drei-Punkt-Technik (zum Beispiel beide Füße und die rechte Hand haben Kontakt zum Fels) eingesetzt werden soll. „Je mehr Gewicht auf den Füssen, um so besser ist es für die Finger“, brachte er die physikalischen Verhältnisse auf einen Nenner. Geduldig beantwortet der Kletterwart immer wieder die Fragen seiner Schützlinge. Und wenn nötig, griff auch Volker Schulten ein, der auf Englisch ein Holländer-Duo davon abhielt, eine gesperrte Route zu erklimmen. Dann erfolgte der Praxistest.

Praxistest für VHS-Kurs

Die VHS-Teilnehmer wurden in Gruppen aufgeteilt und gaben sich in die Obhut der drei erfahrenen Kletter-Cracks aus dem Sauerland. Körperspannung und Gleichgewichtsverlagerung - die hohe Kunst des Kletterns. „Auf gewisse Weise ist es interessant, zu überlegen, wie man die Bewegung in der Wand koordiniert“, sagte Andreas Wüstenberg, der gebürtig aus Menden stammt und jetzt in Delecke zu Hause ist, über seine Kletter-Premiere. Aber auch eine weitere Erfahrung stellte er fest: „Man weiß gar nicht, wie gelenkig man sein kann, um einen gewissen Punkt in der Wand erreichen zu können.“ Das Klettern am Hillenberg hat ihm Spaß gemacht. „Doch mein Favorit ist das Tauchen“, lässt Andreas Wüstenberg keine Zweifel an seinem Lieblingssport aufkommen.

Das lebhafte Treiben gegen 13 Uhr an diesem Tag vor und in der Wand beobachteten Daniel Hilbich und Benedikt Lindner inzwischen entspannt aus der Distanz. Ihnen ist es zu hektisch geworden. Sie haben ihre Ausrüstung zusammengepackt und verabschieden sich mit dem Wissen, dass sich das frühe Aufstehen gelohnt hat, zu einem ruhigeren Kletter-Plätzchen.

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