Fußball

Stefan Fröhlich: „Lebensglück hängt nicht an Lizenz“

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Mit Stefan Fröhlich

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Mit Stefan Fröhlich

Foto: Dietmar Reker

Brilon.  Mit erst 33 Jahren verfügt Stefan Fröhlich über die Trainer-A-Lizenz. Wie es zur starken Premierensaison mit Fußball-Landesligist SV Brilon kam.

Es war ein echter Coup, als Fußball-Landesligist SV Brilon bereits frühzeitig an Heiligabend 2017 die Verpflichtung seines neuen Trainers Stefan Fröhlich bekannt gab. Der damals 32-Jährige hatte just die Trainer-A-Lizenz erlangt und nahm mit seinem Wechsel vom Oberligisten SV Lippstadt einen freiwilligen Abstieg hin.

Im Gespräch mit unserer Zeitung gibt der gebürtige Soester Einblicke in die Ursachen dieser so gelungenen SVB-Saison und erläutert die aus seiner Sicht entscheidenenden Gründe für diesen Erfolg.

Stefan Fröhlich, da Ihre Mannschaft an diesem Wochenende spielfrei hat, ist die Saison für den SV Brilon bereits vorzeitig beendet. Die wichtigste Frage also vorweg: Wohin geht die Mannschaftsfahrt? Stefan Fröhlich: (lacht) Wir starten tatsächlich heute nach Mallorca. Dort werden wir bis zu diesem Sonntag eine intensive Rückschau auf diese Saison halten und die Spiele dabei ganz genau analysieren. Spaß beiseite: Das ist immer wie ein echtes Klassentreffen, bei dem man viele bekannte Gesichter und alte Weggefährten sieht.

Sollte der Tabellenfünfte, der BSV Menden, am letzten Spieltag bei Spitzenreiter SV Hohenlimburg 1910 nicht gewinnen und dabei mindestens 15 Tore schießen, dann wird Ihre Mannschaft diese Spielzeit in der Landesliga 2 als Vierter abschließen – und das als Aufsteiger. Wie bewerten Sie das?
Nach meiner Kenntnis ist das tabellarisch die beste Platzierung, die der SV Brilon in den vergangenen vier Jahrzehnten erreicht hat. Für uns als Mannschaft war das eine überragende Saison, in der wir vor allem konstant aufgetreten sind. Was sind die weiteren Ursachen für diese starke Leistung?
Bei meinem Amtsantritt habe ich beim SV Brilon bereits ein starkes Kollektiv vorgefunden. Wir haben uns im Laufe dieser Saison dann noch weiterentwickelt und auch Selbstzweifel überwunden. Wir hatten in der Hinrunde mit dem 3:0-Erfolg beim BSV Menden ein Turnaround-Spiel, nachdem sich dann viele Automatismen bei uns eingespielt haben. Wir haben auch von unserem breiten Kader profitiert, das ist eine Stärke von uns. Was waren für Sie Höhepunkte in der für den SV Brilon nun bereits abgelaufenen Spielzeit?
Unser Schlusssprint in der Hinrunde und insgesamt die starke Rückrunde, die wir gespielt haben, waren schon toll. Vor allem die beiden Partien gegen RW Erlinghausen, die wir jeweils 4:3 gewonnen haben, waren grandios. Nach einer schlechten Vorbereitung, in der wir uns richtig einen zusammengemurmelt haben, haben wir am ersten Spieltag RWE geschlagen. Und beim Rückspiel waren 300 Briloner auswärts mit dabei – super!

Welche Spieler lassen sich aus dem guten Kollektiv hervorheben?
Wir haben nicht so die echten Topspieler in dieser Liga, aber dafür mit Jungs wie Michael Arndt und Patrick Rummel außerordentlich gute Landesligaspieler. Sie haben ihr Potenzial abgerufen – und das ist nicht selbstverständlich. Jan Schmidt ist unser Mentalitätsspieler, der sich wie kein anderer in eine Partie reinackern kann. Und Felix Schulte hat uns als Zugang als bester Offensivspieler (13 Treffer in 27 Ligaeinsätzen, Anm. d. Red.) natürlich sehr gut getan. Nach dieser überzeugenden Saison könnte ja die Gefahr drohen, dass die Ansprüche für die kommende Spielzeit allzu sehr wachsen...
Das ist richtig, die Gefahr sehe ich auch. Dagegen müssen wir dann natürlich vom ersten Spieltag an angehen und uns auf unsere Stärken besinnen. Die liegen zum Beispiel in unseren Heimspielen. Dabei bauen wir uns eine Wagenburg auf und folgen unserem Motto: Not in my house! Wir sind zu Hause eine Macht und wollen insgesamt langfristig Landesligafußball beim SV Brilon etablieren. Ob es dann am Ende immer Platz vier wird, sei mal dahingestellt.

Nach Ihrer Freistellung beim Oberligisten SV Lippstadt 08 gaben Sie frühzeitig Ihre Zusage beim kommenden Landesligisten SV Brilon. Als Abstieg haben Sie das nicht wirklich empfunden, oder?
Nein. Ich war vom Konzept des SVB, vor allem auf Spieler aus der Region zu setzen und den Nachwuchs zu fördern, total überzeugt. Die Bemühungen um meine Person waren riesig und der Verein hat mich in einer passenden Lebensphase erwischt, da wir unter anderem mit unserem Hausbau viel zu tun hatten und es einfach passte.

Trotzdem: Wer schon mit 32 Jahren die Trainer-A-Lizenz macht, der hat doch Ambitionen wieder höher anzugreifen, oder?
Klar kann ich mir vorstellen, wieder in der Westfalen- oder Oberliga zu trainieren. Das ist auf längere Sicht auch mein Ziel. Ich finde zudem, dass der Erfolg des SV Brilon nicht nur mit der Person Stefan Fröhlich verbunden ist. Mein Weg nach oben ist noch nicht zu Ende, doch mein Lebensglück hängt nicht an einer Lizenz – und nicht daran, ob ich mal den Fußballlehrer machen werde. Ich bin auch ohne ein zufriedener Mensch.

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