Leichtathletik

Temme trifft Huke: Top-Sprinter unter sich

Rolf Temme (links) mit Maurice Huke.

Rolf Temme (links) mit Maurice Huke.

Foto: Martin Haselhorst

Wenholthausen/Kaiserau.   Rolf Temme (80) aus Wenholthausen trifft bei Ehrenamtspreisverleihung einen Nachfolger als hoffnungsvollen Leichtathleten auf der Sprintbahn.

Es ist eigentlich nur ein Wimpernschlag, der sie trennt. Drei hundertstel Sekunden - und doch sind es 55 Lebensjahre. Jetzt begegnen sich beide: Rolf Temme aus Wenholthausen, der einst gegen den deutschen Wunderläufer Armin Hary um das Olympia-Ticket sprintete, trifft den deutschen Spitzensprinter Maurice Huke am Rande einer Ehrenamtspreisverleihung in der Sportschule Kamen-Kaiserau.

Ein schöner Rahmen für eine besondere Begegnung: Die Leichtathleten aus dem Sauerland hatten den 80-Jährigen für die Auszeichnung vorgeschlagen. Ehe es in der Sportschule zur Suppe geht, tritt ein 26-jähriges Sprint-As auf die Bühne und berichtet von seiner noch jungen Karriere. Einer hört besonders gut zu, und da muss es Rolf Temme dann loswerden. „Ich bin ja auch mal 10,4 Sekunden über 100 Meter gelaufen“, meldet sich der alte Herr der sauerländischen Leichtathletik zu Wort. Und da muss dann auch der junge Athlet des TV Wattenscheid einmal genau hingucken.

10,4 Sekunden über 100 Meter

Denn: Die sportliche Vita des Rolf Temme hat es in sich. 10,4 Sekunden über 100 Meter waren auch damals in den späten 50er-Jahren spitze in Deutschland - sogar die Olympia-Norm. Fürs Ticket 1960 nach Rom, wo Armin Hary später zu seinem Triumph-Lauf ansetzte, reichte es für Temme nicht ganz. Es waren andere Zeiten: Rolf Temme, der damals in Wuppertal lebte und für den Barmer TV startete, lief auf Asche. „Ich habe neben der Arbeit nur zwei oder dreimal die Woche trainiert und geschaut, wie schnell es dann geht“, erzählt er.

Andere Zeiten heute: Maurice Huke läuft seine 10,37 Sekunden auf modernen Kunststoffbahnen, arbeitet 20 Stunden in der Woche als Immobilienkaufmann und hat den Rest Zeit für sein Training beim TV Wattenscheid. Nach vielen Verletzungen kommt er wieder in Fahrt, wurde gerade erst Deutscher Hallen-Vizemeister über 200 Meter. Seine Bestzeit auf der halben Stadionrunde liegt bei 20,81 Sekunden.

Leichtathletik kann jemanden in die Wiege gelegt werden. Dafür steht Maurice Huke, dessen Vater schon als Sprinter bei Olympischen Spielen war, ebenso wie Rolf Temme. Der gab die Gene für das Laufen und Springen weiter. Seine von ihm mitbetreute Enkelin Melanie Struwe ist eine talentierte Hochspringerin des LAC Hochsauerland und wurde mit 1,74 Meter deutsche U18-Vizemeisterin.

Rolf Temme erzählt viel und gerne von früher. Von seinem Senioren-Weltmeistertitel mit der Staffel, der WM-Silbermedaille im Einzel in der Altersklasse M60 in 12,02 Sekunden und davon, dass er lange den deutschen 100-m-Rekord in der Altersklasse M35 mit 10,6 Sekunden gehalten hat. Auch zahlreiche Seniorentitel über 100 und 200 Meter bei westfälischen und deutschen Altersklassenmeisterschaften stehen zu Buche.

Wichtiger ist aber: Die Leichtathletik lässt ihn bis heute nicht los. Rolf Temme ist seit fast 40 Jahren als Kampfrichter tätig. Seine Ausbildung als Starter befähigte ihn zum Einsatz bei Kreis- und regionalen Veranstaltungen. Von 1998 bis 2010 war er außerdem Kampfrichterwart. Nach Wenholthausen kam er vor Jahrzehnten, als es den Programmierer von NC Maschinen beruflich ins Sauerland zog.

Man hält sich halt fit

Seine Liebe zur Leichtathletik zog mit um in die neue Heimat: Er startete für den SSV Meschede und das LAC, baute die Leichtathletikabteilung in Wenholthausen auf und gibt dort als Trainer für Jugendliche seine Erfahrung noch heute weiter, nimmt das Deutsche Sportabzeichen ab und hilft jetzt auch seiner Tochter Sabine beim Trainingsbetrieb mit Kindern. In einer Montags-Gymnastik-Gruppe macht er als Übungsleiter anderen Senioren - und sich selbst - Beine. „Im Winter in der Halle und im Sommer laufen wir draußen“, erzählt er stolz. „Man hält sich halt fit!“

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