Regionalliga

Die SG Wattenscheid 09 stellt Insolvenzantrag

Es droht das Ende: Die SG Wattenscheid 09 hat Insolvenzantrag gestellt. Wie es genau weitergeht, ist noch offen, liegt aber nicht mehr allein in den Händen des Vereins.

Es droht das Ende: Die SG Wattenscheid 09 hat Insolvenzantrag gestellt. Wie es genau weitergeht, ist noch offen, liegt aber nicht mehr allein in den Händen des Vereins.

Foto: Roland Weihrauch / k_V

Wattenscheid.  Die SG Wattenscheid 09 hat vor dem Amtsgericht Bochum einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Die Partie gegen Lotte am Montag findet statt.

Am Freitagabend zogen die Verantwortlichen die Reißleine. „Es ging nicht mehr anders“, kommentierte Josef Schnusenberg im Gespräch mit dieser Redaktion nüchtern, aber im Grundton überzeugt von dem, was er und die, die sich für den Fußball-Regionalligisten SG Wattenscheid 09 noch verantwortlich fühlen, beschlossen hatten.

Der ehemalige Bundesligist hat beim Amtsgericht Bochum nach andauernden Zahlungsproblemen einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Darüber berichtete das Magazin Reviersport exklusiv vorab, anschließend bestätigte Aufsichtsratsmitglied Schnusenberg gegenüber dieser Redaktion diesen Schritt. Zuvor hatte sich der 78-Jährige vor die Mannschaft gestellt und die Spieler über die Lage aufgeklärt.

Nachricht ist für viele keine Überraschung mehr

Die Nachricht mag nach außen niederschmetternd klingen, für viele Anhänger und Beobachter des chronisch unterfinanzierten Viertligisten jedoch ist sie längst keine Überraschung mehr. Zu Beginn dieser Woche hatte diese Zeitung bereits exklusiv davon berichtet, dass die Techniker Krankenkasse Insolvenzantrag gestellt hat. Im weiteren Verlauf hat sich auch das Finanzamt zu diesem Schritt entschieden.

Bereits am kommenden Freitag, 6. September, hätten die Verantwortlichen des Klubs vor dem Insolvenzgericht mit einer Stellungnahme die finanzielle Beschaffenheit des Vereins erklären müssen. All’ dem sind Schnusenberg und Co. nun zuvorgekommen. „Ich bin davon überzeugt, dass es für alle Beteiligten die beste Entscheidung war“, erklärte der ehemalige Präsident des Bundesligisten FC Schalke 04 im WAZ-Gespräch. Insbesondere die Spieler dürften kurzzeitig aufatmen.

Spieler haben bei einer Insolvenz Anspruch auf Geld

Denn in der jüngeren Vergangenheit hatte es immer wieder starke Verzögerungen bei der Auszahlung der Gehälter gegeben. Dr. Frank Rybak, Justitiar der Spielergewerkschaft VdV, erklärt, warum eine Insolvenz aus Sicht der Spieler nicht zwingend negativ zu sehen ist. Über den Anspruch auf Insolvenzgeld, das die Arbeitsagenturen in solch’ einem Fall an die Spieler zahlen, sagt er: „Ein Anspruch auf Insolvenzgeld besteht für die letzten drei Monate vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens.“

Im Streit über die ausstehenden Zahlungen hatte Schnusenberg den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Oguzhan Can scharf kritisiert. Can hatte sich gemeinsam mit Hans Mosbacher dazu bereiterklärt, die laufende sowie die anschließende Spielzeit der Wattenscheider finanziell abzusichern. Diesem Versprechen kam Can offensichtlich nicht nach. Und auch weitere Verpflichtungen konnte der Klub aufgrund der fehlenden Liquidität nicht aufbringen.

Schnusenberg rechnet mit Problemen für „einige Leute“

Als Konsequenz des dadurch entstandenen Zerwürfnisses in der Führungsetage trat Can am 22. Juli von seinen Ämtern beim Traditionsverein zurück. Der Unternehmer hatte stets beteuert, dass es unter seiner Führung keine Insolvenz geben werde. Schnusenberg kommentiert den Schritt, den Can nicht gehen wollte: „Wir wollen mal gucken, wohin das hingeht. Ich denke, dass da auch einige Leute Probleme kriegen werden, die in der Vergangenheit versäumt hatten, einen Insolvenzantrag zu beantragen.“

Der Aufsichtsrat rechnet mit erstaunlicher Insolvenzmasse

Nun ist der Insolvenzantrag da, und er formt aus den zahlreichen Fragezeichen, die rund um die finanzielle Situation an der Lohrheide schwirren, ein dickes Ausrufezeichen. Allerdings eines, das nur für den Moment gilt und das weitere Fragen aufwerfen kann. Zum Beispiel die, um welche Art von Insolvenz es sich handeln wird. Um diese Frage beantworten zu können, ist entscheidend, wie groß die Insolvenzmasse sein wird, die dem Insolvenzverwalter zur Verfügung stehen wird. „Wir werden da eine erstaunliche Insolvenzmasse vorfinden. Da bin ich mir sicher“, zeigt sich Josef Schnusenberg optimistisch.

Spiel gegen Lotte findet statt - Neun Punkte Abzug drohen

Vorerst läuft der Betrieb bei der SG Wattenscheid 09 weiter. Das Spiel gegen die Sportfreunde Lotte am Montag (20.15 Uhr/Sport1) bleibt von dem Antrag unberührt. Aber: Die sportliche Lage der Mannschaft von Trainer Farat Toku verschlechtert sich ungemein, wenn das Insolvenzverfahren eröffnet wird, wovon auszugehen ist. Dann werden der SG 09 neun Punkte abgezogen. Bisher hat die Mannschaft an fünf Spieltagen lediglich vier Punkte eingefahren. Am Ende der Saison könnte genau das den Ausschlag für den Abstieg geben. In der vergangenen Saison rettete sich Wattenscheid erst am letzten Spieltag über den Strich — ohne Insolvenz.

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